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Werksschließung

Die Empörung ist groß. Da verkündet ein internationaler Konzern, ohne es vorangekündigt zu haben, sein Werk zur Produktion von Tiefkühlgemüse im kommenden Jahr zu schließen. Die Landeshauptfrau wettert, dass der Konzern Gewinninteressen über das Wohl von Menschen stelle, als ob Großkonzerne – auch österreichische – je etwas anderes getan hätten. Vertreterinnen und Vertreter einer sogenannten Wirtschaftspartei beklagen auf einmal ein Vorgehen, für das sie sonst immer eintreten - außer es betrifft die eigene Klientel. Oder wird nicht landab- landauf herumgebetet, dass sich Unternehmen kräftige Gewinne für ihre Eigentümer abwerfen müssen, wenn sie Bestand haben sollen?

 

Natürlich ist es ökonomisch, ökologisch und sozial vernünftig, Gemüse dort zu verarbeiten, wo es gewachsen ist und wo es in der Nähe einen großen Absatzmarkt gibt. Aber das ist die Vernunft von Bürgerinnen und Bürgern. Die hat allerdings nichts mit dem Vernunftdenken der Gewinnmaximierung zu tun. Dort zählt „so wenig wie möglich in einen Standort investieren, um das meiste herausholen zu können.“ Investiert wird dort, wo es sich für den Konzern am schnellsten rechnet und die besten Bedingungen, was Personal- und Sachkosten betrifft, gibt. Geforscht wird auf dem Gebiet, wo man daraus einen Wettbewerbsvorteil ziehen kann. Pharmabetriebe stecken das meiste Geld in die Forschung nach Medikamenten, für die es die vermögendsten Abnehmer gibt – siehe Abnehmspritze – und nicht was von den meisten Menschen gebraucht würde, z.B. Malariamittel und Medikamente zur Ebolabekämpfung. Großbetriebe investieren in die ökologischen Veränderungen, wenn es für sie in Zukunft gewinnversprechend erscheint und das ist sogar in jeder Hinsicht vernünftig.

 

Es gibt zwei Ökonomieansätze. Der eine sagt, die Wirtschaft ist für die Versorgung der Menschen da und der Markt ist eines von vielen Instrumenten, um das zu gewährleisten. Der andere Ansatz - und der wird derzeit vorwiegend betriebswirtschaftlich gelehrt - sieht Märkte als pseudoreligiöse unsichtbare Hände, denen man keine Fesseln anlegen soll.

 

Politikerinnen und Politiker mäandern je nach ihrem Menschenbild, ihrer ideologischen Prägung und ihrer persönlichen Betroffenheit, zwischen diesen beiden Ansätzen hin und her.

 

Womit wir wieder bei unserem Tiefkühlwerk im Marchfeld wären. Mit Gewinnmaximierungsansprüchen lässt sich dieses Werk wahrscheinlich nicht führen. Da ist die Konkurrenz billigerer Länder zu groß. Und dass ein belgisches Werk eher in Österreich zusperrt, als in Belgien ist logisch – würden wir auch machen. Was also tun?

 

Naheliegend wäre es, eine gemeinsame Produktions- und Konsumgenossenschaft zu gründen. Aber wie? Wer wäre zu einem solchen nicht ganz risikoarmen Unternehmen bereit? Zu Friedrich Wilhelm Raiffeisens Zeiten war die Not groß und die Bauern hatten nichts zu verlieren – aber heute? Solidarische Erzeuger- und Verbrauchermärkte funktionieren nur in sehr kleinem Rahmen und sind anscheinend für die meisten Menschen, die dem „immer mehr und immer billiger“ der Gewinnmaximierungs-Ökonomie (bewusst oder unbewusst) anhängen, nicht attraktiv.

 

Wo sind die Bauernvertreter, Wirtschaftstreibenden und Konsumentinnen, die aus Gemeinwohlinteresse Kosten und Risken auf sich nehmen?

 

Wo sind die Politikerinnen heute, die sich zu sagen trauen, wie es einst ein Bundeskanzler tat: „Mir machen ein paar Milliarden Schulden weniger schaflose Nächte als hunderttausend Arbeitslose.“ und wenn jetzt gleich der Zwischenruf kommt, das wäre ökonomisch falsch gewesen – nein das war es nicht, Österreich wurde damals ein prosperierendes Land.

 

Solange wir uns nur für Wirtschaft interessieren, wenn wir von deren unsozialen Auswüchsen persönlich betroffen sind, wird sich niemand trauen, Risiken zu mehr Gemeinwohlökonomie einzugehen. Von den in zumeist der Mainstream- Ökonomie verfallenen Wirtschaftstreibenden und Wirtschaftsforschenden wird das Heil nicht kommen. Ökonomie ist eine Sozialwissenschaft und keine Bilanzbuchhaltung, das vergessen viele der Branche.

 

Solange sich das Klienteldenken in den diversen Interessensvertretungen nicht ändert, wird es auch schwer, gemeinsame sinnvolle Schritte zu gehen. Aber vielleicht beginnen wegen der existentiellen Betroffenheit durch die Schließung eines Schlüsselbetriebs im Marchfeld, doch einige umzudenken. Schön wäre es.

 

Der Kommentar ist die persönliche Meinung der Autorin/des Autors und muss nicht mit der Meinung der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien übereinstimmen.

Traude Novy
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