Von 11. Juni bis 19. Juli 2026 findet die Männer-Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA statt. Mit 48 teilnehmenden Nationen wird es die größte WM in der Geschichte sein. Österreich hat sich zum ersten Mal seit 28 Jahren qualifiziert und die Vorfreude ist bei Vielen enorm.
Als die FIFA die Weltmeisterschaft 2026 an die damalige „gemeinsame Bewerbung” Kanadas, Mexikos und der USA vergab, kündigte sie das Turnier als ein Ereignis an, das „Menschen vereinen und zu positiven Veränderungen durch den Fußball inspirieren” werde. Nach der Kritik an der Vergabe sowie an Menschenrechtsverletzungen bei der WM 2018 in Russland sowie der WM 2022 in Katar versprach die FIFA mehr Verantwortung.
Die Weltmeisterschaft 2026 ist die erste Männer-WM mit einer veröffentlichten Menschenrechtsstrategie, die als neue Messlatte für Sportveranstaltungen weltweit angepriesen wird. Was davon tatsächlich in der Praxis umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Denn was auf den ersten Blick nach einem Turnier in demokratischen Staaten aussieht, wird bei näherem Hinsehen zum Brennglas für menschenrechtliche Missstände: rassistische Polizeigewalt, diskriminierende Einwanderungsgesetze, Feminizide, anti-trans Gesetze, fehlende Rechte für Indigene Völker oder die Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit sind in den Gastgeberländern bittere Realität.
Es wird die größte WM der Männer aller Zeiten, verteilt auf drei Gastgeberländer, 16 Städte, 104 Spiele, enorme Distanzen zwischen den Austragungsstätten. Die Größe des Events bringt auch ökologische Risiken mit sich. Laut einer aktuellen Studie wird die WM 2026 die klimaschädlichste Ausgabe in der Geschichte des Turniers – die Treibhausgasbilanz soll im Vergleich zum Durchschnitt der vorherigen vier Endrunden fast doppelt so hoch ausfallen. Hauptgründe für diese Bilanz sind neben der Erweiterung des Turniers von 32 auf 48 Teams vor allem die großen Entfernungen, die voraussichtlich größtenteils per Flugzeug zurückgelegt werden müssen.
Eine weitere Kritik betrifft die FIFA selbst: Sie ist in der Schweiz als gemeinnütziger Verein eingetragen aber mittlerweile ein globales Geschäftsmodell geworden, das auf Wachstum basiert. Das heißt je mehr Turniere und je mehr Teilnehmer, desto mehr Geld. Die FIFA wird mit der diesjährigen WM voraussichtlich 11 Milliarden US-Dollar einnehmen.
Und obwohl immer wieder betont wird, dass Sport und Politik getrennt werden sollten, ist FIFA-Präsident Gianni Infantino regelmäßig Gast im Weißen Haus. Nicht nur das: Bei der Auslosung der WM-Gruppen am 5. Dezember wurde der neu ins Leben gerufene FIFA-Friedenspreis an Donald Trump verliehen. Ohne Auswahlverfahren oder Jury. Knapp einen Monat später griffen die USA Venezuela an, aktuell befinden sie sich im Krieg mit dem (WM-Teilnehmerland) Iran.
Gegenstimmen
Unter dem Motto „GAME ON! Sport für Menschenrechte“ leitet die fairplay Initiative am VIDC ein Projekt, das sich – gemeinsam mit Partner*innen aus Zivilgesellschaft, Sport und Medien – für einen demokratischen Sport für alle einsetzt. Die Initiative nutzt internationale Synergien, um gemeinsam für einen Sport einzutreten, der die Menschenrechte fördert statt zu verletzen.
Hanna Stepanik ist Projektreferentin bei der fairplay Initiative und leitet den Bereich „Sport und Menschenrechte“. Davor war sie u.a. an der Universität Wien und bei NGOs in England tätig.