
Sonntag darf kein normaler Einkaufstag werden
Der Sonntag ist aus Sicht der Allianz ein besonderer und verlässlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten ist deshalb nicht nur eine Frage des Handels oder des Konsums. Sie berührt auch die Frage, wie Menschen ihre gemeinsame Zeit in einer zunehmend flexiblen Arbeits- und Lebenswelt organisieren.
„Der Sonntag gibt der Woche einen gemeinsamen Rhythmus und schafft Raum für Familie, Freunde, Kultur, Sport, Vereine und Erholung. Diese gemeinsame Zeit hat einen Wert, der sich nicht in zusätzlichen Öffnungszeiten oder Umsatzzahlen messen lässt“, sagt Antonia Indrak-Rabl, kirchliche Sprecherin der Wiener Sonntagsallianz.
Eine schrittweise Ausweitung der Sonntagsöffnung könnte dazu führen, dass der Sonntag immer stärker zu einem gewöhnlichen Arbeits- und Konsumtag wird. „Bei einer Ausweitung der Sonntagsöffnung müssen auch die Lebensrealitäten der Handelsbeschäftigten berücksichtigt werden. Gerade für Menschen mit Betreuungspflichten können zusätzliche Arbeitszeiten am Sonntag neue Herausforderungen schaffen. Der Sonntag ist ein gesetzlich verankerter Schutz für Gesundheit, Familie und Erholung und darf deshalb nicht leichtfertig zur regulären Einkaufszeit werden“, so Christian Lindmeier, gewerkschaftlicher Sprecher der Wiener Sonntagsallianz und Handelsbetriebsrat.
Gemeinsame freie Zeit ist wertvoll – sie braucht Raum und Verlässlichkeit
Der stationäre Handel steht vor zahlreichen Herausforderungen: Veränderte Einkaufsgewohnheiten, der Onlinehandel und die Entwicklung der Innenstädte stellen die Branche vor neue Aufgaben. Längere Öffnungszeiten sind dabei keine Antwort auf diese Veränderungen. „Die Konsumausgaben der Bevölkerung sind begrenzt. Zusätzliche Öffnungszeiten können auch dazu führen, dass Einkäufe lediglich auf weitere Tage verteilt werden. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Aufwände für Personal, Energie, Infrastruktur und Verkehr“, so Lindmeier.
Die Wiener Sonntagsallianz plädiert deshalb für einen breiteren Blick auf die Zukunft des Handels. „Attraktive Innenstädte und Grätzel brauchen lebendige öffentliche Räume, gute Erreichbarkeit, Kultur, Gastronomie und vielfältige Angebote, auch ohne längere Öffnungszeiten“, so die beiden Sprecher:innen der Wiener Sonntagsallianz abschließend.
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