Montag 20. November 2017
Pfarre neu

BV Stadler zu Entwicklungsräumen: „Der Heilige Geist kann führen“

Vikariatssekretär Krummel: „Ein geistlich, missionarisch, partizipativ und vernetzter Prozess“

"Wenn wir gemeinsam gehen, werden wir das Ziel erreichen. Wenn wir Menschen für Christus gewinnen, wird sich alles andere fügen. Es ist wie beim Bergsteigen: Wir werden den Gipfel nur erreichen, wen wir ´Step by step´, Schritt für Schritt, gehen. Ohne den Atem des Heiligen Geistes geht es nicht. Der Heilige Geist kann uns führen, gebt ihm Raum und Zeit“, sagte Bischofsvikar Rupert Stadler bei einem Erfahrungsaustausch über Entwicklungsräume in der ED Wien vor 30 Teilnehmer-Innen aus allen Teilen des Süd-Vikariats am 22. April 2016 im Kloster Heiligenkreuz, zu dem die AMG-Akademie ein Jahr nach Abschluss des zweijährigen Lehrgangs über Strukturreform eingeladen hatte.

 

„Eine Ernte kannst Du nur einfahren, wenn Du Zeit zum Wachsen lässt"

„Es geht darum, den Blick auf die Realität der Pfarren am Land zu richten und viel Geduld zu haben das Leben dort wachsen zu lassen. Eine Ernte kannst Du nur einfahren, wenn Du Zeit zum Wachsen lässt", bekräftigte Stadler. Von 2015-2019 solle eine bestimmte kirchenrechtliche Form gesucht werden. Wichtig sei „das miteinander reden“. Er habe versucht Entwicklungsräume zu schaffen, die auch Seelsorgeräume geben. Dabei  solle „jeder genug Zeit haben, den richtigen Weg für sich zu finden. Ich habe nie etwas verordnet, bin dagegen, dass das dekretiert wird“, so der Bischofsvikar.

 

Stadler stellte die 48 Entwicklungsräume des Vikariates Süd mit bereits 23 errichteten Seelsorgeräumen in 15 (von 17) Dekanaten mit 92 Pfarren, mit insgesamt 148.773 Katholiken vor. Es gebe 25 Wallfahrtskirchen, Orte des geistlichen Lebens; Klein-Mariazell und Maria Schutz haben heilige Pforten, sind Orte der Barmherzigkeit. Kloster Heiligenkreuz sei als geistliches Zentrum „wie ein Magnet“. In Maria Enzersdorf habe sich das La Verna-Zentrum gebildet, Sabine Kräutel –Höfer, die Vikariats-Pastoralassistentin schon einige Entwicklungsräume besucht. Mit 1. 1. 2016 wurde das 1.Pilotprojekt "Pfarre Neu" im Dekanat Wr. Neustadt errichtet. Ebenso sei schon die Hälfte der 192 Priester in den Seelsorgeräumen tätig. Stadler informierte über das Angebot der Basis-Begleitung und die Möglichkeit einer Intensivbegleitung durch das Pastoralamt, teilte den Folder mit den sieben Punkten unseres Erzbischof Dr. Christoph Schönborn in seinem Hirtenbrief aus und  schloss: „Ich möchte sie einladen, dass wir im Süden schauen, auf dem regionalen Weg voran zu gehen“.

 

„Wir müssen sensibler werden für ein differenzierteres Bild von Gesellschaft“

Entwicklungsräume seine „definierte pastorale Einheiten aus mehreren Pfarren, die in Zukunft enger zusammenarbeiten“, wo „Entwicklungsschritte für die Zusammenarbeit gemeinsam und am Ort gefunden werden“ mit der Bildung einer „Pfarre Neu“ als strukturelles „Ziel“, sagte Vikariatssekretär Stefan Krummel. Bei den Entwicklungsräumen gehe es um einen „geistlichen Prozess“ mit dem „Masterplan“ Jesu im Zentrum. Gleichzeitig sei es ein „missionarischen Prozess: Die Frage, wohin Gott uns heute sendet und die Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen, geben die  Richtung vor“, so Krummel. In dem „partizipativen Prozess“ seien alle in die Entwicklungen eingebunden. Der „vernetzte Prozess“ erfordere alle kirchlichen Orte (Gemeinden, Kategoriale Seelsorge, Caritas, Gemeinschaften etc.) „mit einzubeziehen. Wir erreichen mit der Art von Gespräche die wir haben nicht alle. Wir müssen sensibler werden für ein differenzierteres Bild von Gesellschaft, mit der wir es zu tun haben“, führte Krummel dazu selbstkritisch aus.

 

Über 1600 Pfarrgemeinderäte haben sich zu Dekanatsversammlungen getroffen, sagte Krummel. Über 600 Rückmeldungen wurden in den Dekanatsberichten an das Vikariatsbüro geschickt, bei den Entscheidungen bedacht und den Diözesanen Gremien vorgebracht. Ebenso gebe es „über 1000 Gebäude, die denkmalgeschätzt im Verantwortungsbereich der Erzdiözese Wien liegen“.

 

Krummel ging auch auf die Sorgen und Ängste in Bezug auf die Finanzen der Pfarren im dem Diözesanen Entwicklungsprozess ein und versicherte, es werde nicht ohne Einbeziehung der Menschen vor Ort entschieden, wofür es schon etliche positive Beispiele gebe. „Alle Pfarren bleiben eigene Kostenstellen. Es gibt keine automatisierte Vermögensverschiebung. Wir sind in einem gemeinsamen Boot in der Kirche.  Es ist schön, wenn man einen Austausch hat. Wir müssen neu denken und sehen eine enorme Chance Kirche vernünftig in das Morgen zu führen", so Krummel.

 

„Es soll der Heilige Geist wirken“

Nach der Sammlung von Fragen, Vorschläge, Kritik etc. mit Post it's und einer Pause mit köstlichen Brötchen und Getränken vom Klostergasthof Heiligenkreuz gaben Bischofsvikar Stadler und Vikariatssekretär Krummel Antworten. „Ich bedanke mich, dass die Diözese zurückgerudert ist, dass jetzt Dinge mit der Basis besprochen werden. Nur so kann es gehen“, sagte ein Mann. „Die Pfarren sind befragt worden, das ist eingeflossen“, versicherte Krummel. „Ein Pfarrprovisor ist ein Priester, der noch nicht alle Schulungen zum Pfarrer hat“, wurde aufgeklärt.

 

Pfarrer Andreas Hornig dankte dem Bischofsvikar für alle Bemühungen um das Wohl der Pfarrer und der Pfarren. Vertreter des Seelsorgeraumes "Gfiederbergpfarren" und aus Lanzenkirchen wussten es zu schätzen, dass sich Stadler seinerzeit für eine Berücksichtigung der Wünsche der beteiligten Pfarren eingesetzt hat und nicht von oben herab alles bestimmt wurde. Mit einem selbstverfassten Text hatte Pfarrer Bernhard Mucha, der Moderator des Abends, in Anlehnung an das Lehrschreiben von Papst Franziskus "Amoris laetitia" die TeilnehmerInnen begrüßt. Stadler dankte der AMG-Akademie als Veranstalterin und allen TeilnehmerInnen für den Einsatz in den Pfarren und erbat für alle Gottes reichen Segen.

 

„Das war schon konstruktiv“, sagte eine Frau. „Das war sehr aufschlussreich“, pflichtete eine andere bei. „Es soll der Heilige Geist wirken. Das hab ich mir gemerkt“, resümierte ein Mann. Und ein anderer meinte: „Bisher haben wir nicht viel gewusst. Jetzt wissen wir was“.

 

Franz Vock et al.

 

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