Montag 20. November 2017
Gesellschaft

Katholische Aktion und Land NÖ vergaben Umweltpreise an Pfarren

Weihbischof Turnovszky: Kirche will Energiewende vollziehen - Die Pfarren Stockerau und Kritzendorf der ED Wien, Langenrohr, Niedernondorf und Pöchlarn der Diözese St. Pölten und die evangelische Pfarrgemeinde Amstetten-Waidhofen/Ybbs wurden im NÖ Landhaus ausgezeichnet. 

Die Einführung des Umweltpreises der Katholischen Aktion der Diözesen St. Pölten und Wien sowie des Landes Niederösterreich vor einigen Jahren sei auch das Startsignal für etliche weitere kirchliche Initiativen im Umweltschutz gewesen, sagte Armin Haiderer, der Präsident der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten, bei der feierlichen Festakt am 18. November 2016 im NÖ Landhaus.

 

Auf dem Weg zur "grünen Kirche"

Man sei auf dem Weg zu einer „grünen Kirche“, unterstrich Haiderer. Er erinnert an Aktionen wie „Wir radeln in die Kirche“, die ökofaire Klostergasse, in der diözesane Mitarbeiter/innen zum Umweltschutz angehalten werden, oder an die Theologischen Umweltgespräche. Aufgrund der Zahl der Bewerbungen für den Preis sei die Auswahl nicht leicht gewesen. Wichtig sei etwa, wenn die Pfarren der Jugend einen wertschätzenden Umgang mit der Umwelt beibringen. Mit Haiderer freute sich der ebenfalls anwesende KA-Wien Präsident Walter Rijs über die jeweils mit 800 Euro dotierte Umweltpreis-Verleihung.

 

Turnovszky: Kirche arbeitet an Energiewende

Der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky verwies auf die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, die zu einem bedeutenden Anstoß für die österreichische Bischofskonferenz wurde. Für die Kirche sei es jetzt ein Anliegen, beispielhalft voranzugehen. Darum wolle die Kirche eine Energiewende vollziehen, sagte Turnovszky. Als konkrete Beispiele nannte er: Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, kirchliche Flächen nutzen für Solarenergie und die Etablierung von Energiekennzahlen, um eine bessere Vergleichsbasis zu liefern. Gleichzeitig sei es wichtig, die persönliche Lebensweise anzupassen – daher sei er etwa per Bahn angereist.

 

Umweltlandesrat: Projekt Energiesparpfarren wird fortgesetzt

Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng sah in der Enzyklika „Laudato si“ im Wesentlichen den Versuch eine ganzheitliche Ökologie zu entwickeln. Dabei würden die Gefahren eines fehlgeleiteten Anthropozentrismus aufgezeigt, wo sich der Mensch selbst zur absoluten Mitte mache. Die Folge sei die Entstehung von Wüsten im Herzen des Menschen und in der Umwelt, oft auch mit schwerwiegenden Folgen für jene, die in Armut leben und für die nachfolgenden Generationen. Die von Papst Franziskus entfalte Schöpfungstheologie und Spiritualität befähige hingegen zu einem verantwortungsvollen Verhalten dem Menschen, der Schöpfung und auch sich selbst gegenüber.

 

Umweltlandesrat Stephan Pernkopf kündigte an, das Land Niederösterreich habe sich mit den Diözesen St. Pölten, Wien und der evangelischen Diözese Niederösterreich geeinigt, das erfolgreiche Programm der Energiesparpfarren werde fortgesetzt. Die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus sei für viele Umweltminister ein wichtiger, beeindruckender und gut geschriebener Impuls gewesen. Viel sei erreicht worden, weil der Papst im Vorfeld des Umweltklimagipfels in Paris im Vorjahr mit Politikern gesprochen habe. Man solle freilich nicht auf Gipfelergebnisse warten, vielmehr sei es hilfreich, wenn der Umweltschutz auf die Ebene der Pfarren heruntergebrochen werde.

 

Der neue evangelische Superintendent Lars Müller-Marienburg nahm zur Veranstaltung bewusst das Rad und sagte: „Wir wissen beim Umweltschutz oft wie es geht, dann scheitert es aber doch oft an der Umsetzung und am Geldbörsel.“ Daher könnten Zeichen wie dieser Umweltpreis gut motivieren mehr zu tun.

 

 

 

Die Umweltpreisträger-Pfarren aus der Erzdiözese Wien

Der Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien und Leiter des KA-Umweltbüros Markus Gerhartinger stellte die beiden Umweltpreisträger-Pfarren aus der Erzdiözese Wien vor:

 

Die Pfarre Stockerau

gehört zu den größten Pfarren im Weinviertel und zählt rund 10 000 Katholiken. Das lebendige Pfarrleben ist dem Pfarrteam und dem Pfarrgemeinderat ein großes Anliegen und das Pfarrzentrum, das 1983 fertiggestellt wurde, wird sehr gut genützt! Leider wurde das Dach undicht und das Pfarrzentrum ist nicht barrierefrei gebaut worden. Eine Renovierung war unabdingbar. Bei der Renovierung wurde neben den praktischen Bedürfnissen der Pfarre auf Barrierefreiheit und auf ökologische Aspekte größtmöglicher Wert gelegt, denn ökologisches Denken ist und war der Pfarre immer wichtig. Deutlich wird das auch dadurch, dass sie zu den drei Pfarren in Niederösterreich gehören, die das Umweltmanagement EMAS in ihrer Pfarre eingeführt haben.

Im Pfarrzentrum werden folgende ökologische Maßnahmen gesetzt, für die die Pfarre heute

ausgezeichnet wird:

- Es wurde eine Regenwasser-Zisterne eingegraben. Mit diesem Wasser werden die WCs gespeist

und der Garten gegossen.

- Auf dem Flachdach werden nach Fertigstellung der Renovierung Photovoltaik-Zellen montiert.

- Im Haus wird die Beleuchtung fast ausschließlich durch stromsparende LED- Leuchtkörper

garantiert, wobei zusätzlich Bewegungsmelder in den WC- Anlagen stromsparend wirken sollen.

- Geheizt wird das Pfarrzentrum durch Fernwärme. Die Wärmeisolierung wurde im Zuge der

Renovierung auf aktuellen Stand gebracht.

Wir gratulieren der Pfarre Stockerau schon jetzt zur tollen Umgestaltung des Pfarrzentrums, das

Anfang 2017 eröffnet werden soll.

 

Die Pfarre Kritzendorf,

in der rund 1500 Katholiken leben, gehört organisatorisch zum Vikariat Wien-Stadt, liegt aber natürlich im wunderschönen NÖ, ist Teil der Stadtgemeinde Klosterneuburg und wird vom Stift Klosterneuburg seelsorglich betreut. Auch in der Pfarre Kritzendorf hat man sich an die Renovierung des Pfarrheimes gemacht. Der alte etwa 20 Jahre alte Gas-Heizkessel mit Zweipunktregelung (Ein/Aus) hatte einen schlechten Wirkungsgrad und musste schon wegen der langen Betriebszeit getauscht werden. Auch die Fenster waren in die Jahre gekommen und hinsichtlich Dichtheit und K-Wert nicht mehr vertretbar. Nach eingehenden Diskussionen verschiedenster Varianten hat man folgende Arbeiten im Pfarrheim vorgenommen für die die Pfarre heute ausgezeichnet wird:

- Installation eines 38 KW Pellets-Heizkessel inkl. neu adaptierten Kamin

- 1000 Liter Pufferspeicher, um die Anzahl der Zündungen bei Teillastbetrieb zu verringern

(erhöht die Brenner-Lebensdauer).

Die Energieeinsparung gegenüber dem alten Gaskessel beträgt etwa 23% (Kesselwirkungsgrad), der Preisvorteil der Pellets gegenüber Gas ist saisonabhängig und beträgt etwa 10%.

- Wärmedämmung (15 cm) zwischen Dachboden und oberstem Stockwerk.

- Tausch der alten Heizungspumpen gegen neue mit geringerem Stromverbrauch.

- Tausch sämtlicher Fenster gegen neue mit Dreifachverglasung.

Herzliche Gratulation zu dem Engagement!

 

Zusammenfassend sagte der Umweltbeauftragte der ED Wien, Markus Gerhartinger: „Ich bin froh über die Zusammenarbeit mit der Diözese St. Pölten und dem Land Niederösterreich weil es hilft, tolle Initiativen in den Pfarren sichtbar zu machen und auch andere Pfarren motivieren kann, ökologisch nachhaltige Projekte umzusetzen.

 

Mehr über das Niedrigenergie-Pfarrzentrum von Langenrohr, das Schöpfung feiern mit den Kindern der Pfarre Niedernondorf, die Fair-Trade Pfarre Pöchlarn und die Evangelische Pfarrgemeinde Amstetten-Waidhofen/Ybbs mit Natur im Garten findet sich unter

http://www.ka-stpoelten.at/einrichtungen/katholischeaktion/artikel/2016/katholische-aktion-und-land-noe-vergaben-umweltpreise

 

Wolfgang Zarl, Franz Vock

Katholischen Aktion
Erzdiözese Wien

Stephansplatz 6/5
1010 Wien

Tel. +43 1 51552-3312
Fax: 01/ 51552-3143
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