Montag 20. November 2017
Gesellschaft

Petržalka zeigt Veränderung der slowakischen Gesellschaft

Beim KAV-Herbstausflug nach Bratislava wird die Hinwendung zu den Menschen sichtbar

Bunt sanierte Plattenbauten, viele Baustellen und Geschäfte zeigte die Zufahrt auf Petržalka/ Engerau, die Trabantenstadt von Bratislava; Eine tiefer gehende Ahnung von der gerade vor sich gehenden Veränderung der slowakischen Gesellschaft vermittelte der vom Theologen Hans Kouba organisierte Herbstausflug des Katholischen AkademikerInnen Verbands Wien am 15. Oktober 2016. 

 

Einen Raum für den Dialog

Für 100 000 Bewohner wurde zwischen 1976 und 1982 die größte Plattenbausiedlung der Slowakei mit der größten Bevölkerungsdichte – 42.000 Wohnungen auf 472 Hektar – im Augebiet zwischen Donau und der österreichischen Staatsgrenze gebaut. Die 1931–1932 erbaute Kreuzerhöhungskirche war nach kommunistischer Planung als einzige für das gesamte Gebiet vorgesehen. Grau in Grau war die gesamte Siedlung nach der Wende.

 

Freundlich begrüßte uns der Pfarrer der Kirche Maria von den sieben Schmerzen bei unserer ersten Station. Vor einem Monat hatte sie ihren 15. Jahrestag gefeiert. Bis in die siebziger Jahre reichten die ersten Kirchenbau-Überlegungen hier zurück. „Jetzt müssen die Menschen nicht mehr die Fenster öffnen um die Glocken aus Kittsee hören zu können“, sagte er mit Genugtuung.

 

Im südlich gelegenen Dorf Rusovce/Karlsburg, das erst 1947 zu Bratislava kam, war unsere zweite Station. Hier gab es ein römisches Militärlager, 1208 eine Benediktinerabtei – und das 1840 erbaute Schloss im Windsor Stil ist noch immer zu sehen, sagte die Archäologin Schmidtova. In der Pfarre Maria Magdalena zeigte uns Pfarrer Julius Marián Prachár nicht nur die frühbarocke Pfarrkirche von 1662, sondern auch die renovierten Katakombenräume mit den noch erhaltenen Särgen.

 

Es brauche nicht nur die Kirche als liturgisch-sakralen Raum, sondern auch einen Ort des Dialogs, machte Prachár der Pfarrgemeinde klar. Daraus entstand in sieben Jahren das neue Pfarrzentrum mit dem zentralen Begegnungsort Pfarrcafe. Er selbst stand hinter der Theke, schenkte Kaffee aus oder kredenzte ein Stamperl. „Die Menschen sind süchtig nach materiellen Werten“, bauen Häuser in Ungarn, bringen die Kinder aber in die Slowakei zur Schule, erzählt er. Indem er die Kinder taufe, kommen nun auch die Eltern und lassen sich trauen. Der Bau eines Pfarrkindergartens ist das nächste Projekt. Im Kindergarten der Nachbargemeinde Kittsee gibt es 90 Prozent slowakische Kinder.

 

Seit der Absetzung von Bischof Bezak dürfen die Priester nur mit bischöflicher Erlaubnis an die Medien treten. Die Pfarrer werden vom Bischof bezahlt und der erhält vom Staat das Geld. Es mangle an einem Sinn für Zusammenarbeit, sagte der Zulehner-Schüler Prachár offen. Mit Kollegen hat er einen Beitrag für das Buch: Die Freude des Evangeliums in der Slowakei. Versuch einer Situationsanalyse der katholischen Kirche, František Mikloško und Karol Moravcík (Hg.), aus dem Slowakischen übersetzt von Marie-Theres Cermann, Bratislava 2016, geschrieben. Mit dem Ordensmann und Dissidenten Anton Srholec verbindet ihn viel, erzählt er. Am Tag von dessen Verhaftung wurde er geboren und an dessen Sterbetag, am 7.1. 2016, hatte er eine schwere OP.

 

Vom slowakischen Glaubensmut

Im alten Engerauer Restaurant „Leberfinger“ genießen wir mittags slowakische Köstlichkeiten. Nachmittags führt uns Pfarrmitarbeiter Roman Behul durch die vom Architekten Ivan Kolenič 2001 - 2003 erbaute Kirche Heilige Familie. Die dort tätigen Oratorianerpatres sind gerade mit einer Kinderkatechese befasst. Auf der Wiese vor der Kirche hatte Papst Johannes Paul II. am 11. September 2003 mit 250.000 Gläubigen eine Messe zelebriert. Große Bilder der drei Tage später von ihm selig gesprochenen Sr. Zdenka Schelingová und des griechisch-katholischen Weihbischofs von Prešov, Vasil Hopko, bezeugen in der Kirche den slowakischen Glaubensmut. 

 

Zum Ausklang besuchen wir in Čunovo, dem südlichsten Ortsteil von Bratislava im 3-Ländereck zu Ungarn und Österreich, im vor 15 Jahren auf einer künstlichen Donau-Landzunge erbauten Danubiana-Meulensteen-Art Museum die laufende Joan Miro & CoBrA-Ausstellung. Voll Dankbarkeit und mit vielen Eindrücken bereichert fahren wir im herbstlichen Abendrot wieder nach Wien.                                                                                                                         

 

Franz Vock

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