Freitag 24. November 2017
Gesellschaft

Wie im Paradies

26. Slowakisch-Österreichische Seminar- und Kulturwoche – Umweltschutz als Bestandteil der Entwicklung sehen

„Das ist wie im Paradies“, sagte eine Frau am Ende ihres Kurzbesuchs der 26. Slowakisch-Österreichischen Seminar- und Kulturwoche im Hotel Marlene in Oščadnica - Veľká Rača, im Dreiländereck Polen, Tschechien Slowakei, wo auf Einladung der Katholischen Aktion (KA), der Katholischen Frauenbewegung und des Kath. Bildungswerks (KBW) der Erzdiözese Wien, des Forums Katholischer Erwachsenenbildung und des Inštitút Svätého Františka Saleského pre výchovu a vzdelávanie, (Salesianischen Instituts für Erwachsenenbildung) vom 24.-30. Juli 2016 das Thema „Laudato Sí – Wie bauen wir unser gemeinsames Haus. Die Wegweisende Enzyklika von Papst Franziskus als Handlungsauftrag“ von rund 70 Personen behandelt wurde.

 

Der Mensch ist nicht Besitzer, sondern Verwalter der Welt

Andere erlebten durch den Wechsel von Impulsreferaten und Workshops (Vormittags), Phasen der Reflexion und des Feierns, wo die Menschen verschiedener Länder und Kulturen (Slowaken, Österreicher, Ungarn, Roma) Zeiten zum Hören und verdauen hatten und sich gleich mehrere Tage durch das reichhaltige slowak. Frühstücksbuffet durchkosten konnten, eine „geistig geistliche Woche“. Schon das jeweilige Morgenlob mit den Beispielen dienender und global denkender Menschen wie Mutter Teresa, Martin von Tours, Hildegard von Bingen, Robert Schuman oder Sr. Dorothy Stang bot Inspiration und Perspektiven, gab aber auch Mut.

 

„Der biblische Mensch ist nicht Besitzer, sondern Verwalter der Welt“, fasste der Prorektor der Katholischen Universizät Ruzumberok, Frantisek Trstensky, das „Evangelium von der Schöpfung“ (LS, 2. Kapitel) zusammen. Er betonte: „Ausländer, Waise und  Witwen sind die am meisten Verletzbaren, sind soziale Indikatoren der Gesellschaft“, was Gerechtigkeit erfordere und schloss.:„Wenn wir an den Menschen nicht denken, wird Gott das nicht segnen was wir haben. Wenn ich darauf Rücksicht nehme, bekomme ich den Segen von Gott“.

 

 

 

Im anschließenden Gottesdienst – „die allerschönste Stunde des heutigen Tages“ – sagte Trstensky zu Mt 20, 25 („Ihr wisst dass die Mächtigen ihre Macht missbrauchen ...“): „Wir müssen den Kelch des Leidens annehmen. Es ist notwendig, einander zu dienen. Das zeigt sich in der Fußwaschung. Bitten wir fähig zu werden, Jesus zu folgen; Ein Lehrling Jesu zu sein wird vollständig, wenn wir den anderen dienen“. Es gehe darum, das Evangelium „durch den Dienst im Leben zu verwirklichen“.

 

Umweltschutz muss Bestandteil der Entwicklung sein

Zur „Ganzheitlichen Ökologie, wo alles miteinander verbunden ist“ (LS, 4. Kapitel) führte der Theologe Manfred Zeller vom KBW aus:  „Wir hängen mit unserer Existenz von dem Miteinander ab. Alles was ist, verdankt das Dasein jemand anderem“. Es gebe „nicht die Umweltkrise und die Krise der Gesellschaft; Das sind zwei zusammenhängende Krisen“, wo Umweltschutz „ein Bestandteil der Entwicklung sein“ müsse. Für das gemeinsame Zusammenleben sei „das kulturelle Erbe genauso zu schätzen, wie das natürliche“, was eine „Ökologie des Alltagslebens“, „Prinzipien für das Gemeinwohl“ und eine Generationen-übergreifende Gerechtigkeit erfordere. Da die Menschen „sich besinnen, beherrschen und bessern“ können, sei nicht alles verloren. Jona wurde von Gott nach Ninive gesandt. Doch bevor er in der Stadt war, rief der König zu Fasten und Umkehr auf. Und „Gott reute das Unheil dass er angedroht hatte und führte es nicht aus“, so Zeller.

 

Bei der folgenden „Dankfeier, der wichtigsten Feier der Christen“, so der Ordensmann und Pfarrer von Maria Hietzing, Johannes Kittler CanReg, war das „Lob der ehrwürdigen Männer“ (Sir 44, 1.10-15) und das „Lob der tüchtigen Frauen“ (Spr 31, 10-13.19-20.30-31) zu hören. Und wenn die „soziale Komponente, die Sorge um die Armen mit dabei“ ist, können wir „selig“ sein (vgl. Mt 13, 16-17), denn „da ist Hoffnung für uns und wir können zur Hoffnung für andere werden“, bekräftigte Kittler.

 

 

Universales Bewusstsein und Wandel der Herzen

Der Mittwoch wurde zu einem Ausflug in die Kultur, Natur und Geschichte des Landes. Im Skanzen Vychylovka Freilicht-Museum der Region Kysucké boten aus dem Nová Bystrica Stausee übertragene alte Gebäude Einblicke in das einfache Dorfleben des 19. Jahrhunderts. Auf den Resten einer 1915 von italien. Kriegsgefangenen gebauten Waldeisenbahn waren höhere Regionen des waldreichen Landes zu sehen. In Stará Bystrica zeigte die vom Bildhauser Viliam Loviska entwickelte, 2009 vom Architekten Ivan Jarina gebaute größte Holzskulptur des Lands, einer sitzenden Madonna, die Büsten der sechs bedeutendsten slowakischen politischen Persönlichkeiten Fürst Pribina, 9. Jhdt, König Svätopluk, Anton Bernolák (1762-1813, Pionier der Nationalbewegung und -sprache), L´udovit Stúr (1815-1856), Milan Rastislav Stefánik (1880-1919) und Andrej Hlinka (1864-1938). Zu jeder vollen Stunde lässt die astronomische Spieluhr die sieben slowakischen Heiligen Cyril, Method, Gorazd, Andrej-Svorad, Benadik, Bystrik, Vojtech erscheinen.

 

In Zborov nad Bystricou war die „Sixtinische Kapelle“ der Region Kysucé zu sehen. Sie gehört zu den ganz wenigen, während der Zeit des Sozialismus in der Slowakei gebauten Kirchen, wurde am 8. 12. 1973 dank dem damaligen Pfarrer Ľ. Baláži geweiht, enthält 40 wunderschönen Glasvitragen des Malers Vincent Hložník und einen Corpus Christi des Bildhauers Alexander Trizuliak. Zur Geschichte vom Schatz und den Perlen (Mt 13, 44-46) sagte Diakon Rafael Ambros, für die gefundene Perle der Berufung sind wir bereit, „alles zu verlassen, Hindernisse zu überwinden, und wenn wir den Weg weiter gehen kommt Freude auf“.

 

Es brauchte „einen anderen Lebensstil mit einem gebildeten universalen Bewusstsein“ und einer „Erziehung zum Bündnis zwischen Menschheit und Umwelt“, sagte die Juristin, Zen-Lehrerin, in afrikanischer Mystik und  Japan bei Willigis Jäger ausgebildete Helga Kerschbaum über „Ökologische Erziehung und Spiritualität“ (LS, Schlusskapitel). Das erfordere eine „ökologische Umkehr und den Wandel des Herzens“ mit einem „prophetischen und kontemplativen Lebensstil“, einer „Mystik von außen nach innen und von Innen nach außen“, wo „die menschliche Person reift und sich zunehmend in dem Maß heiligt, in dem sie in Beziehung tritt, aus sich selbst herausgeht, um in Gemeinschaft mit Gott, mit den anderen und mit allen Geschöpfen zu leben“ (LS 240). Zur Bedeutung eines kontemplativen Lebensstils berichteten die TeilnehmerInnen sehr persönlich in den Arbeitsgruppen vom Abendgebet, genügend Schlaf haben, Tage-, Wochenbuch schreiben bis zu eine Balance zwischen allein und in Gemeinschaft sein finden. 

 

Durch selbst gewählte Maßnahmen öko-fair-sozial gerechter werden

Der Elektrotechniker Wolfgang Spitaler zeigte, woraus sich der ökologische Fußabdruck errechnet und wie er seinen persönlichen durch eine Reihe von Maßnahmen unter den österreichischen Durchschnitt drücken konnte. Der KA-Projektverantwortliche Franz Vock stellte das vom Welthaus und der KA-Wien entwickelte Projekt Pfarrgemeinde FairWandeln vor. Damit kann jede Pfarre durch eine Reihe von selbst gewählten Maßnahmen Schritte zu einem öko-fair-sozial gerechter werden setzen – siehe www.fairwandeln.at . Rafael Ambros berichtete, wie sich durch Eliminierung von Schwarzbauten, Herz und Natur in Ordnung bringen in der Slowakei Schritte des Umweltschutzes entwickeln und sagte zur Geschichte von Martha und Maria (Joh 11, 19-27, Lk 10, 28-42): „Unser Glaube macht sich sichtbar im Dienst. Wichtig ist dazu, unsere Beziehung zu Christus zu entwickeln. Die Frucht unserer Beziehung zu Christus ist der Dienst“.

 

Die mit der Bahn angereisten ÖsterreicherInnen regten in einem Brief an den Bürgermeister von Oščadnica gleich an, das Bahnhäuschen auszumalen. Die Nachmittage boten Raum für Eigeninitiativen, Ausflüge in die herrliche Natur, die schöne Umgebung, das Wintersportgebiet Veľká Rača etc.; Und für die gut 20 Kinder und Jugendlichen zur Kinderbetreuung viele Spielmöglichkeiten von Tennis, Sauna bis zum Schwimmbecken.

 

 

Der Montag Abend entwickelte sich vom vorgesehenen Kamingespräch zur spontan berührenden Lesung von Gedichten wie Mutter Erde, Kreis der Liebe, Gebet eines einsamen Menschen u.a. durch die mitgereiste Autorin Helena Opitz-Sokolová aus ihrem 2012 vom Österr.-Slowakischen. Kulturverein herausgegebenen Buch Stille Botschaft/Tiché Posolstvo. Beim slowakisch-österreichischen Begegnungsabend am Dienstag boten die  Menschen Einblicke in ihre Alltags-Lebenserfahrungen, z. B. während der Zeit des Kommunismus. Im Folgegespräch wurde mehr gegenseitige kirchliche Information gewünscht – siehe eigener Bericht.

 

Der Kulturabend am Donnerstag wurde mit der Lesung von Texten des Anfang Jänner verstorbenen Anton Srholec aus seinem Buch Licht aus der Tiefe der Lager von Jáchymov zu einem Gedenkabend für ihn mit Diaschau. Der 8 Jahre mit ihm arbeitende Polizeiseelsorger Frantisek Smelý berichtete, Srholec habe „Leute verbunden, die vorher nicht bekannt waren, diese haben Freundschaften geschlossen. Das Heiligste war für ihn die Freiheit. Dafür hat er viele Ohrfeigen und Leiden bekommen, auch von der Kirche. Er hatte die Gabe zu ermutigen, hat jedem Menschen geholfen, das Gute zu entdecken“. Und am Freitag Abend klang das „gemeinsame Haus bauen“ mit Ehrungen, Geburtstage und Abschied feiern aus. Das Hotel wurde für die Slowakisch-Österreichische Kulturwoche 2017 gleich wieder gebucht.                                           

  Franz Vock

Mehr zu den Laudato Si Impulsen (pdf)

 

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