Mittwoch 22. November 2017
Gesellschaft

Mechaye Hemetim Gedenkarbeit trägt Früchte

KAV-Wien auf den Spuren des Judentums in St. Pölten und Steyr

Zu einer Spurensuche des Judentums in St. Pölten und Steyr wurde die vom KAV-Wien initiierte Mechaye Hametim Fahrt am 26. Oktober 2015 mit über 30 Personen aus mehreren (Bundes-)Ländern.  

Eine wechselhafte Geschichte des Judentums in St. Pölten

Gehen die ersten Nachrichten von Juden in St. Pölten auf die Zeit um 1300 zurück, so kam es nach einer wechselhaften Vertreibungs- und Niederlassungsgeschichte 1863 zur Gründung einer Kultusgemeinde mit einem blühenden jüdischen Gemeindeleben. Die von den Architekten Theodor Schreier und Viktor Postelberg 1912/13 errichtete Jugendstil-Synagoge erlebte erneut eine sehr wechselhafte Geschichte, berichtete Martha Keil, die Direktorin des Hauses. Der Ort des Gebetes war 1934 für 400 Juden in der Stadt und über 1300 in der Region St. Pölten eine von 15 Synagogen in NÖ.

 

Nach der Zerstörung durch die November-Progrome 1938  wurde sie zum Möbellager, die Nebenräume zum SA-Büro, dann Auffanglager für russische Zwangsarbeiter und ein Getreidespeicher der Roten Armee daraus. An die Jüdische Kultusgemeinde Wien restituiert verfiel sie weiter. Den 1979 veranlassten Abbruch verhinderte das Bundesdenkmalamt. Nach Renovierungsarbeiten zog 1988 das Institut für jüdische Geschichte in Österreich ein. Heute wird das Haus für Forschung, Veranstaltungen und Ausstellungen genützt, das Zwangsarbeitslager Viehofen ist bekannt und 371 KZ-Tote sind zu beklagen. Mit Hilfe des Landes NÖ hofft Direktorin Keil auf dem Areal des jüdischen Friedhofs einen Gedenkpark zu gründen und mit der ehemaligen Synagoge eine Kooperation mit dem Haus der Geschichte Niederösterreich zu erzielen.

 

Gedenkarbeit des Mauthausenkomitees Steyr erhielt Würdigung

In Steyr führte der Religionslehrer und Obmann des Mauthausen-Komitees, Karl Ramsmaier, mit einer Kollegin die Gruppe durch dem „Stollen der Erinnerung“. Die hufeneisenförmige, 140 Meter lange Stollenanlage unter dem Schloss Lamberg – 1943 von Zwangsarbeitern als Luftschutzbunker für die Bevölkerung angelegt – erzählt in einem Crashkurs mit Erinnerungs-Impulsen vom Eingang bis zum Ausgang die Fakten und  Schrecken der NS-Zeit von 1938 bis 1945 in Steyr. Dabei kam die Vorgeschichte, die riesig große Arbeitslosigkeit am Ende des ersten Weltkriegs genauso zur Sprache, wie der Umbau der Steyrer Werke in einen Rüstungsbetrieb, die Zwangsarbeit, das KZ Münichholz, der Bombenkrieg, das Krematorium in Steyr, mit dem bis zum Mai 1940 über 4000 Leichen aus dem KZ Mauthausen verbrannt wurden, oder der Todesmarsch ungarischer Juden im Winter 1945. Vor dem Ausgang nähert man sich mit der Befreiung 1945 und der ­Gedenkkultur in unserem Land einer Gegenüberstellung vom Widerstand damals zur Zivilcourage heute. 10 Jahre lang wurde ehrenamtlich an der Verwirklichung des 2013 eröffneten des Projektes gearbeitet.

 

Am jüdischen Friedhof erzählte Ramsmaier von den Früchten der zähen und langwierigen Arbeit des 1988 gegründeten Mauthausen-Komitees Steyr. War 1989 die Gedenktafel an der Außenmauer des Friedhofs vom Bürgermeister wortlos enthüllt worden, so bittet die Stadt mittlerweile das Komitee um Vorschläge für Gedenkfeiern. Ramsmaier erhielt für seine Arbeit den OÖ Menschenrechtspreis 2013. Das Mauthausen-Komitee Steyr wurde im Juni 2015 im Bundeskanzleramt mit dem erstmals vergebenen Hans-Maršálek-Preis ausgezeichnet. Mit dem vom Mauthausen Komitee Österreich und der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Maršálek gestifteten Preis  wurden die herausragenden Leistungen im Bereich der Gedenk-, Erinnerungs- und Bewusstseinsarbeit gewürdigt.

 

Ein Besuch der Wallfahrtskirche zum „gnadenreichen Christkindl im Baum unterm Himmel“ rundete die Exkursion ab. Nachdem der Türmer zu Steyr, Ferdinand Sertl, durch das Gebet eine Heilung von seiner Krankheit erlebt hatte, pilgern seit 1695 Menschen zum Christkindl. Abt Anselm Angerer von Garsten hatte den von Giovanni Batista Carlone begonnen Bau der Kirche Christkindl 1702 in Auftrag gegeben, der von Jakob Prandtauer vollendet wurde.                                                                        

Franz Vock

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