Samstag 18. November 2017
Gesellschaft

1.300 Menschen bei "Lichtermeer" in Wiener Neustadt

Katholische Aktion und Bildungszentrum St. Bernhard laden zu weiteren Veranstaltungen zum Flüchtlings-Thema in Wr. Neustadt

Ein leuchtendes Zeichen für Solidarität mit Flüchtlingen haben 1.300 Menschen am Abend des 18. September 2015 mit einem "Lichtermeer" am Hauptplatz in Wiener Neustadt gesetzt. Dazu aufgerufen hatte ein Verbund aus 20 Organisationen, darunter die Katholische Aktion (KA), Caritas und Diakonie. Es sei dringend an der Zeit, wieder ein Zeichen für ein friedliches Miteinander zu setzen, losgelöst von politischem Weltbild oder Konfession, hieß es von Seiten der Veranstalter.

Die KA verteilte an der Veranstaltung auch das von ihr erstellte Informationsblatt zur rechtlichen Situation in der Flüchtlingshilfe und zur Privatunterbringung und lud alle, die helfen wollen, zu einem „Info-Abend Flüchtlingshilfe“ ins Bildungszentrum St. Bernhard am 13. Oktober um 19.00 Uhr. (Info-Blatt Download hier).

KAÖ Präsidentin Schaffelhofer: "Nur ein Europa der offenen Arme kann ein christliches Europa sein“
Schließlich sei es „Teil der christlichen Verantwortung, Menschen in Not und auf der Flucht willkommen zu heißen“, betonte die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer in ihrer Ansprache beim Lichtermeer: "Nur ein Europa der offenen Arme kann ein christliches Europa sein. Nicht durch Aussperrung und Abschottung wird Europa christlich bleiben, sondern durch Aufnahme und Geschwisterlichkeit“, so Schaffelhofer.

Lampedusa, Kos, Budapest oder Nickelsdorf riefen dramatisch in Erinnerung, dass die alte biblische Frage "Wer ist mein Nächster?" und die gelebte Antwort darauf von alles entscheidender Bedeutung seien, so die KAÖ-Präsidentin. "Wir müssen uns entscheiden, ob wir ausgrenzen oder solidarisch sein wollen. Wir können unsere Mauern hochziehen, Stacheldrahtzäune errichten, uns abschotten oder Brücken bauen, Grenzen überwinden und Menschen als Schwestern und Brüder willkommen heißen."

Ausdrücklich kritisierte Schaffelhofer "zweifelhafte 'Zuerst wir Österreicher'-Parolen" und einen "menschenverachtenden Egoismus" in der Debatte um die Flüchtlingsthematik. Jeder, der behaupte, Egoismus und Abschottung seien in einer solchen Situation die richtigen Mittel, habe die Idee Europas nicht verstanden. Ein christliches Europa könne nur auf Solidarität und Hilfsbereitschaft aufgebaut sein.


"Fällt das Asylrecht, fällt das Menschenrecht"
Österreich habe in den vergangenen Wochen ein "freundliches Gesicht" gezeigt, betonte Christoph Riedl, Geschäftsführer des Flüchtlingsdienstes der evangelischen Diakonie, mit Blick auf das große Engagement der Zivilgesellschaft in der Versorgung der Flüchtlinge. Die Mehrheit wolle "nicht mehr mitmachen bei der menschenverachtenden Politik gegenüber Flüchtlingen". Gleichzeitig hätten die Ereignisse in Ungarn und in anderen Ländern leider auch das "weniger freundliche" Gesicht Europas gezeigt. Es sei "unerträglich", wenn Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht mit Tränengas "begrüßt" würden, so Riedl. Er erneuerte seine Forderung nach legalen und sicheren Wege für Flüchtlinge nach Europa und nach Österreich. Dafür müsse man die Asylpolitik "radikal" verändern und das Dublin-Abkommen aussetzen.

"Niemand verlässt seine Heimat ohne Grund, Flucht ist kein Verbrechen, Flucht hat Gründe", sagte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger. Er zeigte sich empört über den Umgang mit Flüchtlingen. Es sei ein Skandal, wenn Menschen auf der Flucht in Europa nicht geschützt werden. "Fällt das Asylrecht, dann fällt das Menschenrecht und dann fällt Europa in sich zusammen", betonte Fenninger.

SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak sieht die gesamte EU aktuell in "Entscheidungstagen": "Lassen wir uns von Angst, Vorurteilen, Misstrauen und Egoismus leiten oder siegen Menschlichkeit und Toleranz?", fragte Pollak in seinem Statement vor den Teilnehmern des Flüchtlingsmeers. Nicht Grenzzäune, sondern Offenheit seien die richtige Lösung. "Das wird uns in Zukunft bestimmt auch vor Probleme stellen, aber Probleme bergen daneben immer Chancen", betonte er.

Weiters verteilte die KA die Broschüre „Was Christinnen und Christen über den Islam wissen sollten“ gegen Spenden, die zur Unterstützung der Flüchtlingsarbeit verwendet werden und lud/ladet gemeinsam mit dem Bildungszentrum St. Bernhard zu weiteren Veranstaltungen zum Flüchtlings-Thema in Wr. Neustadt:

Di, 13.10. | 19.00 bis 21.00, Info-AbendFlüchtlingshilfe, Bildungszentrum St. Bernhard
Information, Hilfestellung, Austausch, Vernetzung ... mit Caritas, Rotes Kreuz, Volkshilfe, Magistrat Wiener Neustadt

Fr. 23.10. 19:00  Naher Osten so nah? mit Karin Kneissl, Bildungszentrum St. Bernhard, Wr. Neustadt

Sa. 24. 10. - 14.30 – 18.00 Eine-Welt-Treffen für Vernetzung und Solidarität
Bildungszentrum St. Bernhard, Domplatz 1, 2700 Wiener Neustadt  - Mit Kurzberichten der Solidaritätseinsatz-Gruppen vom Sommer 2015 in Sri Lanka, Uganda, Tansania, Philippinen, Bolivien, Indien und Austausch in Workshops (Sei du die Veränderung – Netzwerke in Österreich, Projekt Pfarrgemeinden FairWandeln, Mein Leben nach dem Einsatz für Eine Welt)

Sa. 14.11.19.30,  ORF-Journalist Karim El-Gawhary im Sparkassensaal - AUF DER FLUCHT - Reportagen von beiden Seiten des Mittelmeers, Vortrag und Buchpräsentation
 
Kathpress und Christoph Watz
http://www.kathpress.at/goto/meldung/1299714/fluechtlinge-1.300-menschen-bei-lichtermeer-in-wiener-neustadt

 

 

Hier finden Sie die Ansprache von Gerda Schaffelhofer!

 

 

 

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