Montag 20. November 2017
Gesellschaft

Das Sozialwort in der Pfarrarbeit - Anregungen und Ideen

Nachstehend finden Sie Fragen formuliert, die es in der Pfarre ermöglichen soll, konkret über die Umsetzung des Sozialwortes im eigenen Bereich nachzudenken. Die Fragen verstehen sich als Anregungen (nicht als Forderungen) auf Basis der Textes des Sozialwortes.

0. Sozialwort grundsätzlich

  • Ist das Sozialwort in der Gemeinde allen bekannt?
  • Versuchen wir in der Pfarre die Forderungen des Sozialwortes umzusetzen?
  • Welche sozialen Initiativen und Arbeiten gibt es bei uns?


1. Bildung

  • Welchen Stellenwert hat Bildung bei uns in der Pfarre?
  • Haben die MitarbeiterInnen ausreichend Möglichkeit zur Weiterbildung?
  • Wird bei Bildungsveranstaltungen darauf geachtet, auch benachteiligten oder unterrepräsentierten Gruppen Teilnahmemöglichkeiten zu eröffnen?
  • Werden Bildungsveranstaltungen als Orte des Brückenbauens genutzt?
  • Haben interkulturelles Lernen, Friedenserziehung, Fragen der sozialen und der Geschlechtergerechtigkeit sowie politische und wirtschaftliche Alphabetisierung Platz in der pfarrlichen Bildungsarbeit?
  • Werden persönliche und gesellschaftliche Fragen mit der Erschließung des Glaubens verbunden?
  • Können wir es fördern, dass Betriebe im Pfarrgebiet ausreichend Lehrstellen anbieten?


2. Medien

  • Versuchen wir mit den gesellschaftlichen Themen und Anliegen der Pfarre (Pfarrgruppen) in den lokalen Medien vorzukommen?
  • Geben wir lokalen Initiativen und Minderheiten die sonst wenige Chancen auf eine mediale Öffentlichkeit haben die Möglichkeit, die pfarrlichen Medien (Zeitung, Internet) zu nutzen?
  • Unterstützen wir medienpädagogische Initiativen, um einen verantwortungsbewussten Umgang der jüngeren Generation im Umgang mit den Medien weiterzuentwickeln?


3. Lebensverbindungen

  • Hat in der Pfarre die Würde der anderen und die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen und des sozialen Zusammenhalts Vorrang gegenüber individueller Unabhängigkeit und Eigeninteressen?
  • Gibt es in unserer Pfarre Räume, die zu Begegnung und Gemeinschaft einladen?
  • Wird Gewalt und Missbrauch in den eigenen Reihen selbstkritisch benannt und bekämpft?
  • Bemühen wir uns in der Pfarre um die Integration von Menschen am Rand der Gesellschaft und stellen wir uns an die Seite von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen, von Arbeitslosen und Obdachlosen. Suchtkranken, Gefangenen und Haftentlassenen?
  • Welchen Beitrag leistet die Pfarre zur Integration und einem friedlichen Zusammenleben in der Gesellschaft?


4. Lebensräume

  • Fördern wir Strukturen, die es ermöglichen, dass Sozialhilfe in der Gemeinde rasch und unbürokratisch erlangt werden kann?
  • Unterstützen und initiieren wir Prozesse, die Spannungen abbauen, die durch das Aufeinandertreffen von traditionell geprägter Lebensweise mit den Forderungen und Bedürfnissen der neu ins Pfarrgebiet Hinzugezogenen entstehen?
  • Schlagen wir als Pfarrgemeinde Brücken zwischen Alt und Neu, zwischen Jung und Alt und darüber hinaus zu Minderheiten oder Zuwanderfamilien?
  • Nehmen wir die Menschen in ihren sozialen Problemen und Nöten ernst, begleiten wir sie und bieten wir Orte des Gesprächs und der Versöhnung an?
  • Beteiligen wir uns als Pfarrgemeinde aktiv an lokalen und regionalen Initiativen zur Gestaltung und Entwicklung des ländlichen Lebensraumes?
  • Fordern wir von Konsumenten und Konsumentinnen in unserem Pfarrgebiet die Bereitschaft, für die Qualität von Lebensmitteln und Produkten aus dem ländlichen Raum gerechte Preise zu bezahlen?

 

  • Unterstützen wir besonders die Bedürfnisse jener Menschen, die mit dem schnellen Rhythmus der Stadt nicht zurechtkommen?
  • Können wir junge Menschen (besonders jene der zweiten Generation) unterstützen eine passenden Arbeitsplatz und die erforderlichen Ausbildungsmöglichkeiten zu bekommen?
  • Können wir Frauen aus Immigrationsgruppen einen Weg aus Isolation und Ausgrenzung zu ermöglichen?
  • Setzen wir uns dafür ein, dass es ausreichend Sozialeinrichtungen gibt, sowie ein gutes Wohnungsangebot, Nahversorger für Lebensmittel, Kinderbetreuungseinrichtungen, Erreichbarkeit von Schulen und medizinische Versorgung?
  • Unterstützen wir es, dass lokale Entscheidungen über die Gestaltung von öffentlichen Räumen mit entsprechender Beteiligung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger geplant werden?
  • Entwickeln wir in der Pfarrgemeinde phantasievolle pastorale Ansätze und gehen wir auf die Menschen zu? Ist unsere Verkündigung in der Stadt experimentell sein und eröffnet sie Spielräume für kirchliches Leben?
  • Eröffnen wir Räume der Stille und Sammlung, der Geborgenheit und der Begegnung mit Gott? Stehen dafür die Kirchen offen?
  • Beteiligen wir uns als Pfarre an Projekten der Stadtteilarbeit?

 

  • Setzen wir Schritte zur Überwindung von Hass, zu Verständigung und Versöhnung zwischen einzelnen Menschen und Gruppen, aber auch über Ländergrenzen hinweg (Pfarrpartnerschaften)?
  • Fördern wir bei unseren Gemeindemitgliedern Begegnung und kulturellen Austausch und empfehlen wir das Erlernen von Sprachen unserer Nachbarländer?
  • Treten wir aktiv in unserem Pfarrgebiet gegen Rassismus und gegen jede Diskriminierung von Minderheiten ein?


5. Arbeit – Wirtschaft –Soziale Sicherheit

  • Gibt es in der Pfarre (inkl. Kindergärten etc.) menschengerechte Arbeitsbedingungen, Einkommensgerechtigkeit und Mitbestimmung der Beschäftigten?
  • Gibt es eine Unterstützung für Tauschkreise, Fahrgemeinschaften und ähnliche Formen nicht-monetärer Unterstützung auf der Basis von Gegenseitigkeit, auch durch Bereitstellung von Räumen und organisatorischer Hilfestellung?
  • Nimmt die Pfarre ihre wirtschaftliche Verantwortung in den lokalen und regionalen Wirtschaftskreisläufen wahr und orientiert sie sich in ihrer Einkaufs- und Beschäftigungspolitik an lokalen und regionalen Gegebenheiten?
  • Verwendet die Pfarre fair gehandelte und ökologische Produkte und fördert sie deren Verbreitung?
  • Verbindet die Pfarre den Verkauf von eigenen oder Dritte-Welt-Produkten mit Informations-Angeboten, etwa über fairen Handel oder ökologische Landwirtschaft?
  • Fördern wir es, dass sich Christen und Christinnen im Pfarrgebiet verantwortliches Wirtschaften in ihrem eigenen Lebensbereich umsetzen und in ihren Geld- und Vermögensanlagen auf ethisches Investment achten?
  • Wendet sich die Pfarre in der „vorrangigen Option für die Armen“ diesen ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Im Sinne der Anwaltschaft engagieren sie sich zugunsten der Benachteiligten - und gemeinsam mit ihnen.
  • Können wir junge Menschen zu freiwilligen sozialen Diensten ermutigen?


6. Frieden in Gerechtigkeit

  • Fördern wir in unserem Tun eine umfassende Spiritualität des Friedens und der Gewaltfreiheit?
  • Ist die Pfarre ein Lernort der Demokratie und konstruktiver Konfliktkultur, um eine breite gesellschaftspolitische Diskussion von Friedensfragen zu ermöglichen?


7. Gerechtigkeit weltweit

  • Unterstützen wir im Rahmen von Partnerschaften mit Gemeinden in Dritte-Welt-Ländern konkrete Projekte der Entwicklungs- und Missionsarbeit?


8. Zukunftsfähigkeit – Verantwortung in der Schöpfung

  • Ist für uns Nachhaltigkeit ein durchgängiges Prinzip bei der Arbeit in der Pfarre?
  • Beachten wir folgende entschiedene Maßnahmen wie: höhere Energieeffizienz, den Umstieg zu erneuerbaren Energien, teilweisen Konsumverzicht, fairen Handel, Marktpreise, die entsprechend dem Verursacherprinzip auch die ökologischen Kosten widerspiegeln,…?
  • Fördern wir eine einfacheren Lebensstil und eine Änderung des Konsumverhaltens, die zu einer gerechteren Verteilung der Ressourcen dieser Erde beitragen können?
  • Wecken wir durch Bewusstseinsbildung und gesellschaftliches Engagement in der Öffentlichkeit die Bereitschaft, die Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gesellschaft ökologisch und damit zukunftsfähig zu verändern?
  • Pflegen wir eine Spiritualität der Schöpfung und verankern wir sie in Gebeten und Liturgien?
  • Ist das Thema Schöpfungsverantwortung fester Bestandteil in unsere Pfarrarbeit?
  • Wenden wir uns an gesellschaftlichen Gruppierungen und Medien, in der öffentlichen Diskussion legitime kurzfristige Einzelinteressen nicht gegen zukunftsorientierte Konzepte auszuspielen?
  • Wissen wir, ob sich lokale Unternehmen durch klare Umwelt-, Sozial-, und Menschenrechtskriterien zu einem verantwortungsvollen Verhalten zu verpflichten?


9. Zukunftsfähigkeit – Verantwortung in der Schöpfung

  • Verstehen wir die im Sozialwort angesprochenen Probleme als eine Herausforderung für unsere Arbeit als ChristInnen?
  • Stellen wir die Grundfragen des Lebens. Was dient dem Menschen, dem Leben, der Schöpfung? Was ist das Ziel von Arbeit und Wirtschaft?
  • Tragen wir mit dem Anliegen des Sozialwortes auch aus der Pfarre zu den anderen Menschen hinaus?
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