Montag 20. November 2017
Berichte

Kirche braucht heute Binnendifferenzierung

Pastoraltheologin Widl vor 300 Teilnehmern an der Pastoraltagung in Salzburg-St.Virgil: Nicht besser, wohl aber differenzierter sein als die anderen verheißt Erfolg

Wie die Lebenslagen sind heute auch die Glaubensweisen der Menschen "hochgradig plural" geworden; um "Deutungsmusterkonflikte" bestmöglich zu lösen, ist nach Überzeugung der in Erfurt lehrenden Wiener Theologin Maria Widl Binnendifferenzierung erfolgversprechend. In ihrem Eröffnungsvortrag bei der diesjährigen Österreichischen Pastoraltagung im Bildungszentrum Salzburg-St.Virgil riet die Ordinaria für praktische Theologie zu einer kirchlichen Marketingstrategie wie etwa bei einer Waschmittelfirma: Es gelte nicht besser, wohl aber differenzierter zu sein als die anderen und dabei die vorfindbare Vielfalt des Christlichen zu nutzen. Geschehe dies nicht, würden sich verschiedene Gruppen aus dem kirchlichen Leben verabschieden, weil sie sich und ihr Leben nicht wiederfinden, so Widl.

Traditionell – Modern - Postmodern … - Wertschätzend Raum geben
Die seit neun Jahren im weitgehend entkirchlichten Ostdeutschland lebende Theologin unterschied drei wesentliche Deutungsmuster, wie Menschen heute auf Kirche und Glauben zugingen: Die "Traditionalen" würden im Alten, Bewährten, auch das Gute sehen und die Welt als gottgewollte Ordnung sehen. Diese Sicht spreche auch Junge wieder an, nicht umsonst hätten Orden mit traditionsverhafteter Spiritualität besonderen Zulauf. Weiters gibt es laut Widl die "Modernen", die Vorgegebenes durch Beziehungsorientierung ersetzten und bereit seien, Überkommenes über Bord zu werfen. Und schließlich die "Postmodernen", die der "Gottanmaßung" des heutigen Menschen skeptisch gegenüber stünden und zugleich das inhaltliche Vakuum beim Thema Religion spürten. Sie seien bereit, sich der Frage zu stellen: "Was glauben (wir als) Christen eigentlich?"

Diese drei Gruppen seien zwar alle legitim, könnten miteinander aber wenig anfangen, wies Widl hin. Sie erlebten mit- und aneinander nicht "bunte" Pluralität, sondern befremdende Heterogenität. Die Theologin nannte als Beispiel dafür, wie mit kirchlicher Unterschiedlichkeit erfolgreich umgegangen werden kann, die Kleinstadt Friedberg im Speckgürtel von Augsburg, wo an verschiedenen Gotteshäusern liturgische und milieuspezifische Ausdifferenzierung geschehe. Es gehe nicht darum, bestimmten Zielgruppen Angebote zu machen, die womöglich für die Anbieter selbst gar nicht "passen", erläuterte Widl gegenüber "Kathpress". Besser sei es, die Betreffenden selbst gestalten zu lassen und ihren Vorlieben wertschätzend Raum zu geben.

"Christlich leben in der Welt von heute"
"Christlich leben in der Welt von heute" lautete das Thema der vom 8. bis 10. Jänner 2015 dauernden, vom Österreichischen Pastoralinstitut (ÖPI) veranstalteten Pastoraltagung, die sich an kirchliche Mitarbeiter in Seelsorge und Schuldienst richtet. Unter den 300 Interessierten dies- und jenseits der Grenzen Österreichs befanden sich zahlreiche Bischöfe wie Franz Lackner (Salzburg), Manfred Scheuer (Innsbruck), Alois Schwarz (Gurk) und Egon Kapellari (Graz), aber auch mehrere VertreterInnen der KA der ED Wien wie z. B. Präsident Walter Rijs, Vizepräsidentin Evelyn Hödl, Generalsekretär Christoph Watz, AKV Präsident Theo Quendler, KAB-GA Fritz Krull,  Öffentlichkeitsreferent Franz Vock, KAÖ Vizepräsident Norbert Thanhoffer und aus der Pfarre Hütteldorf Claudia Vock und Alfred Dangl.

ÖPI-Referatsbischof Alois Schwarz sagte in der liturgischen Eröffnung, er betrachte als "Passwort" der Tagung die Aussage aus der Genesis, wonach der Mensch Abbild Gottes sei bzw. die Menschen Gott im Gesicht ihres Mitmenschen erkennen könnten. Als beeindruckende kreative Umsetzung dieser christlichen Überzeugung empfahl er den versammelten Kirchenmitarbeitern den seit kurzem in Österreichs Kinos gezeigten Film "Die Sprache des Herzens". Darin sagt eine französische Ordensfrau über ein später von ihr betreutes taubblindes Mädchen, sie habe eine "Seele in einem Gefängnis" gefunden, die durch liebevolle Zuwendung schließlich befreit wird.


KAP, Franz Vock

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