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Wien ist eine Weltstadt - auch ohne Sonntagsöffnung

Katholische Aktion befremdet über Initiative der Wirtschaftskammer

"Wien ist eine Weltstadt - auch ohne Sonntagsöffnung. Gerade das ist das Spezifische an Wien, das uns von vielen anderen großen Städten unterscheidet und darauf sollten wir stolz sein", sagt der Präsident der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien, Walter Rijs. "Es gibt schon genug Einkaufsmöglichkeiten für den nötigen Bedarf. Man muss den Menschen, insbesondere den Verkäuferinnen und Verkäufern, Erholung, Ruhe und die gemeinsame Zeit für Familie, Freunde und gemeinschaftliche Aktivitäten gönnen“, so Rijs. 

 

„Ich liebe es, am Sonntag mit der Familie zu sein“

 

"Sehr befremdlich" befindet Walter Rijs die Initiative der Wiener Wirtschaftskammer gegen den arbeitsfreien Sonntag. "Hier wird etwas zum Thema gemacht, was nur dem Interesse einzelner Lobbys dient. Das ist nicht im Interesse der Wiener Bevölkerung und auch nicht im Interesse der Mehrzahl der engagierten Unternehmerinnen von Klein- und Mittelbetrieben.“

 

Viele Touristen schätzen die Tatsache, dass es in Wien auch Zeiten gibt, wo es in der Stadt ruhiger und gemächlicher zugeht. In diesem Sinne ist der arbeitsfreie Sonntag eigentlich ein Teil der österreichischen Kultur, der sowohl für die Einheimischen als auch für die Touristen eine wichtige Pause bedeutet. Er verweist hier als Beispiel auf die frühere US-Botschafterin in Wien Susan McCaw, die in einem Interview gesagt hat: "Ich liebe es, dass man am Sonntag mit der Familie ist. In den USA gibt es das nicht. ... Anfangs war es hart, sich zu gewöhnen, aber jetzt finde ich das schön."


Dass sich seit 2004 der Tourismusboom verdoppelt hat, beweist erst Recht, dass die Touristen nicht wegen dem Einkaufen nach Wien kommen, sondern die Wiener Gemütlichkeit und Lebensfreude schätzen. Gerade der Einzelhandel mit wenigen oder geringer Mitarbeiterzahl wäre durch eine Sonntagsöffnung finanziell besonders belastet. Die Mehrkosten bzw. der Arbeitsaufwand der Eigentümer stehen in keinem Vergleich zum wirtschaftlichen Erfolg. 

 

Sonn- und Feiertage – ein unverzichtbarer Wert

 

"Es braucht in unserer immer schneller werdenden Lebenswelt gemeinsame Ruhezeiten, Zeit für gesellschaftliche Kontakte und auch Zeit für den gemeinsamen Besuch der Sonntagsgottesdienste", ist der KA-Präsident überzeugt, dass viele Menschen das Gefühl für den Sonntag als Zeit des Innehaltens noch nicht verloren haben und somit nur wirtschaftliche und politische Überlegungen der falsche Ansatzpunkt sind.

 

"Sonn- und Feiertage stellen für alle Menschen in unserer Gesellschaft einen unverzichtbaren Wert dar. Die Ausweitung der Sonn-und Feiertagsarbeit bedeutet einen gravierenden Einschnitt in das Gefüge unserer Gesellschaft", sagt Walter Rijs. "Die negativen Rückmeldungen, die wir von unseren FreundInnen aus Südtirol in den letzten Monaten bekommen haben, sind wieder ein weiteres Beispiel, dass die Sonntagsöffnung der falsche Weg ist."

 

Der arbeitsfreie Sonntag bedeutet eine Grenze zwischen fremdbestimmter und selbstbestimmter Zeit und wirkt dem Trend entgegen, dass alle Lebenszeit zu Arbeits- und Konsumzeit wird.

 

 

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