Freitag 24. November 2017
Berichte

„Wie geht es Dir?“ - „Wie unter Russland“

Ukrainischer Univ.-Doz. Lopuschanskyj bei KAVÖ Tagung über verschiedene Beheimatungen

 

Auf die Frage „Wie geht es Dir?“ gibt es in der Ukraine drei verschiedene Antworten, legte der Ukrainische Univ.-Doz. Jaroslaw Lopuschanskyj von der Pädagogischen Iwan-Franko Universität in Drohobytsch bei seinem Vortrag am 22. Juli auf der KAVÖ Sommertagung in Tainach dar. „Wie unter Österreich“ heißt „sehr gut“,  „Wie unter Polen“ hingegen „mittelmäßig“, und „Wie unter Russland“ bedeute „schlecht“.  Aktuell gehe es seinem Land „Wie unter Russland“, präzisierte er.

 

„Es leben die Helden“

„Wir waren froh, dass die Ukraine ohne Blutvergießen die Unabhängigkeit erlangt hat“, führte er zur Situation in seiner Heimat näher aus: „2004 nach der Orangen Revolution gab es eine große Hoffnung auf Veränderung, die bald enttäuscht wurde. Juschtschenko  hat als Patriot gehandelt, war aber politisch untätig. 2010 endete die friedliche demokratische Etappe in der Ukraine. Wir konnten die ´goldene Chance´ nicht ausnutzen, die Ukraine entwickeln zu lassen“, zog er traurig Bilanz.

 

„In den vier Janukowytsch Jahren war kaum Raum für eine demokratische Entwicklung, auch nicht für ein normales Leben der Leute, alles war kompromittiert“, sagte Lopuschanskyj zur jüngsten Vergangenheit. „Die Ukraine ist rückständig geblieben. Die Straßen sind in äußerst schlechtem Zustand, die Schulen, die Krankenhäuser, … Man sagt: Bis zu 80 Prozent des nationalen Budgets sind in die privaten Taschen von Oligarchen geflossen. Das einfache Volk hat die Bereicherung gesehen und das hat sie auf den Maidan gebracht. Da waren Menschen aus allen Teilen der Ukraine dabei. Auch ich hätte dabei sein können.  Der Höhepunkt war am 20. Februar, wo es zur Erschießung von einfachen Leuten gekommen ist. Das war eine revolutionäre Volksbewegung“.

 

„Die Westukraine war immer für die Einheit der Ukraine“, sagte er zur aktuellen Situation. „Der Osten und der Westen, das sind zwei polare Teile. Wir verstehen nicht: Was für ein Krieg ist das? Ist es ein Bürgerkrieg? Ein offener Krieg? Die Ukraine hat (in ihrer Geschichte) nie einen Krieg begonnen. Wir haben (immer) nur an der Seite eines anderen Landes helfen müssen“, führte Lopuschanskyj aus. „Russland ist an der Schwäche der Ukraine interessiert. Die Rebellen sind Kämpfer aus Ossetien, Abchasien, … Es geht um eine neue imperiale Politik, die von Russland betrieben wird. Es sind einfache Leute, die sich jetzt freiwillig zum Aufbau der Ukrainischen Armee gemeldet haben“, skizzierte er die gegenwärtige Lage. Lopuschanskyj  schloss mit dem Hinweis, der Hoffnungsruf „Es lebe die Ukraine“, werde gegenwärtig mit „Es leben die Helden (die einfachen Leute)“ beantwortet. 

 

Sprache ist Kulturphänomen

„Die europäischen Sprachen im Spannungsfeld von Identität und Entfremdung“ beleuchtete der

emeritierte Univ.-Professor für allgemeine und vergleichende Sprachwissenschaft an der Uni Salzburg und Vizepräsident des Salzburger PEN-Clubs, Oswald Panagl, bei seinem Referat am 23. Juli. Dabei ging er auf das Wechselverhältnis zwischen „Sprache und Denken“, „Sprachsoziologie und –beherrschung“, oder „Sprache und Identität“ genauso ein wie auf die Vorteile der Mehrsprachigkeit oder die Besonderheiten der Jugendsprache in Abgrenzung zur Sprache der Erwachsenen.

 

Panagl wies darauf hin, Sprache sei ein „Kulturphänomen. Der Wunsch nach Integration darf nicht beinhalten, dass die Menschen ihre Muttersprache nicht reden können sollen. Je differenzierter ich rede umso differenzierter denke ich“. Das gelte auch umgekehrt, so Panagl. In mehreren Workshops wurde auch intensiv über das Für und Wieder des Binnen-I diskutiert. Dabei war der allgemeine Tenor, ein Rückschritt sei „nicht okay“. Mehrerer verwiesen dabei darauf, wie sie sich mit Variationen von Anreden oder neutralen Bezeichnungen wie Studierende oder Lehrende helfen.

 

Franz Vock

Katholischen Aktion
Erzdiözese Wien

Stephansplatz 6/5
1010 Wien

Tel. +43 1 51552-3312
Fax: 01/ 51552-3143
katholische.aktion@edw.or.at
Darstellung:
http://www.ka-wien.at/