Sonntag 19. November 2017
Berichte

„Am Rande des Bürgerkrieges“

Historiker Valentin über „Der Kärntner Ortstafelkonflikt 1972 und der Sturz Hans Simas“ bei der KAVÖ, Bildungsheim Sodalitas und Hermagoras Verlag Buchpräsentation im Rahmen der KAVÖ Sommertagung „Daham ist daham?“

„Bundeskanzler Kreisky war ein gutes Verhältnis zu den Nachbarländern wichtig. Er wollte internationale Politik machen. Ein Herzensanliegen von Landeshauptmann Sima war eine gute Nachbarschaftspolitik mit Slowenien, die Alpen-Adria Politik“, sagte der Kärntner Historiker, Univ.-Doz. Hellwig Valentin, über die Motive der beiden Politiker bei der Präsentation seines Buches „Am Rande des Bürgerkrieges. Der Kärntner Ortstafelkonflikt 1972 und der Sturz Hans Simas“, zu der der Katholische AkademikerInnen-Verband Österreichs (KAVÖ), das Bildungsheim Sodalitas und der Hermagoras Verlag am 22. Juli 2014 im Rahmen der KAVÖ Sommertagung „Daham is daham? Uber Sprache, Identität und Beheimatung“ eingeladen hatten.

 

Sima und seine Frau wurden mit Eiern und Tomaten beworfen

Das Kärntner Ortstafelgesetz vom 6. Juli 1972 wurde vom Nationalrat mit den Stimmen der SPÖ „in Windeseile beschlossen“, berichtete der damalige Journalist und nunmehrige Historiker Hellwig Valentin. „Es gab keine Verhandlungen in den Wochen und Monaten vorher. Es war ein Alleingang Simas und Kreiskys, der sich auf Sima verlassen hat“, skizzierte Valentin die damalige Situation.

 

 „Es ist wenig geschehen, um die Bevölkerung psychologisch vorzubereiten. Auf die emotionale Seite wurde wenig geachtet“, führte Valentin weiter über die Situation 1972 aus. Dazu kamen die Gemeindezusammenlegungen, mit denen deren Anzahl um ein Drittel verringert wurde, wogegen es massiven Wiederstand gab. Auch die „persönlichen Eigenschaften des Sima haben ihm geschadet, das selbstbewusste bis autoritäre Auftreten“, so Valentin. Sima stammte zwar aus kleinen Verhältnissen, wurde 1965 Landeshauptmann und errang 1970 die absolute Landtagsmehrheit für die SPÖ. Er war „eitel, pflegte einen barocken Lebensstil und eine rigorose Form der Machtausübung. Er war bei Abweichungen der Parteilinie sehr rigoros“, beschrieb Valentin Landeshauptmann Sima.

 

Als im September 1972 mit der Aufstellung der Ortstafeln begonnen wurde, gab es bald Schmieraktionen. Die zunehmende Wut, Demonstrationen und aufgeheizte Stimmung der Kärntner führten dazu, dass Sima und seine Frau bei einer SPÖ-Bezirkskonferenz am 26. Oktober 1972 in Völkermarkt mit Eiern und Tomaten beworfen wurden. Schließlich fuhren hunderte Autos in einer Sternfahrt durch Kärnten und lieferten die Ortstafeln ab. Bei den Gemeinderatswahlen 1973 verlor die SPÖ dann 6 Prozent der Stimmen, was damals einem Erdrutsch gleichkam und in der Folge später zum Rücktritt Simas führte, berichtet Valentin.

 

Für die KAVÖ Vorsitzende Magda Krön erläuterte „der Abendvortrag von Hellwig Valentin über sein Buch ´Am Rande des Bürgerkriegs´ die Geschichte Kärntens zwischen 1960 und 2000 aus der Sicht eines politischen Insiders, der die Geschehnisse als  reflektierter Zeitzeuge und um große Objektivität bemühten Historikers zusammenfasste. Besonders interessant: die Erläuterung der innen- und außenpolitischen Motivationen der Akteure rund um den Ortstafelsturm von 1972“, so Krön.

 

Als Valentin von den zahlreich gekommenen Zeitzeugen beim Podiumsgespräch auf den späteren Landeshauptmann Haider angesprochen wurde, sagte er:  „Für Haider war die nationale Politik und die Machtpolitik ausschlaggebend, nach Kärnten zu kommen. In mancher Hinsicht war Haider weniger ein Überwinder früherer Zustände, sondern vielmehr ein Übertreiber der Politik seiner Vorgänger“.  Valentin schloss seine Ausführungen über Kärnten mit dem Hinweis: „Die Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben der Kärntner Bevölkerung sind nicht so gut gewesen wie heute.“    

 

                                                                                                                            Franz Vock

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