Sonntag 19. November 2017
Berichte

Rassismus – „Erhebung des Selbstwertgefühls auf Kosten Fremder“

Prof. Ottomeyer bei KAVÖ Tagung über Sozialpsychologische Aspekte von Fremdenfeindlichkeit

„Rassismus hat viel zu tun mit der Erhebung des Selbstwertgefühls von Menschen auf Kosten der Fremdgruppe. Es entsteht ein Instant Cocktail. Das ist eine einfache Form, das Selbstwertgefühl zu steigern“, sagte der Klagenfurter Univ.-Prof. Klaus Ottomeyer und emeritierte Leiter der Abteilung für Sozialpsychologie, Ethnopsychoanalyse und Psychotraumatologie bei seinem Referat über die „Sozialpsychologische Aspekte von Gruppenidentität und Fremdenfeindlichkeit“ am 22. Juli 2014 an der KAVÖ-Sommertagung „Daham ist Daham?“ im Bildungshaus Tainach.

 

Die Ausplünderung geht weiter …

Wenn labilisierende Situationen und gesellschaftliche Lagen vorhanden sind, eine charakterliche und familiale Dispositionen gegeben ist und durch die vermittelnde  Dynamik von Gruppen demagogische Einflüsse erfolgen, dann entstehe Fremdenfeindlichkeit, legte Ottomeyer dar. Dabei werde immer wieder Geheimwissen weiter gegeben. Es erfolge eine Gerüchtebildung. „Man fühlt sich schnell zu denen zugehörig, die Durchblick haben; Dann gehört man zu den ´Erleuchteten´. 25-30 Prozent der Befragten stimmen so abfälligen Äußerungen über Fremdenfeindlichkeit zu“, berichtete Ottomeyer, der sich dafür aussprach, so Haltungen auch juristisch zu bekämpfen.

 

Die Geschichte des westlichen Rassismus sei stark verbunden mit der Kolonialisierung, der Unterdrückung und Entwertung von anderen Völkern, wie z.B. den Völkern Afrikas, holte Ottomeyer geschichtlich aus. Der Blutrassismus kam in Spanien und Portugal auf, nachdem die Mauren und Juden vertrieben wurden. Es gab den Gedanken an verschmutztes Blut. Die Indios wurden versklavt, wie Tiere gesehen. In Afrika erfolgte eine Entwürdigung der Menschen als Sklaven.

 

Es erfolgte ein Dreieckshandel. Billige Sachen wurden von Europa nach Afrika gebracht, Sklaven eingeladen und nach Amerika verschifft, dort wurden Rohstoffe eingeladen und nach Europa geliefert, führte Ottomeyer näher aus. Der Reichtum Belgiens beruhte auf der Ausplünderung von Menschen, die Kautschuk gewinnen mussten. Wenn sie nicht entsprechend funktionierten, wurde ihnen eine Hand abgehackt. Der Ostkongo ist noch immer einer der schrecklichsten Orte der Welt. Dort wird Koltan gewonnen. Die kolonialistische Ausplünderung geht weiter, berichtete Ottomeyer.

 

„Ein gefährlicher autoritärer Populismus ist abgewählt worden“

Nach 1870 gab es den ersten großen Antisemitismus. Für die große Wirtschaftskrise wurden die Juden verantwortlich gemacht. Es gab gesellschaftliche Krisensituationen. „Die Nazis haben  unterschieden zwischen dem raffenden Kapital, den Juden, und dem schaffenden Kapital“,  so Ottomeyer. Heute werde so vielen Wohnungssuchenden so viele ausländische Einwanderer  gegenüber gestellt oder gesagt: “Die Fremden nehmen uns die Arbeitsplätze weg. Das Fremde kann für das ungeliebte Über-Ich stehen, das man weg haben will.“ Auch werde immer wieder gesagt: „Hört auf mit der Vergangenheitsbewältigung“, legte Ottomeyer dar.

 

„Die 10 Gebote sind eine Erfindung der Juden zur Schwächung des arischen Menschen. Das Fremde wird verfolgt, weil es uns an das Gewissen erinnert. Rechtsextreme sind darauf spezialisiert über Normen Witze zu machen, um das Über-Ich auszutricksen“,  sagte Ottomeyer über diese Praktiken.

„Es gib einen Hilfereflex bei den Menschen, der bei allen Menschen da ist. Ein großer Teil des Hasses auf Flüchtlinge hat damit zu tun, unsere Hilfsbereitschaft los zu werden. Inzwischen wird auch schon von einer Flüchtlingsmafia und -industrie gesprochen zur Abwehr des Über-Ich“, schloss Ottomeyer.

 

Über die Situation in seinem Heimatland Kärnten resümierte Ottomeyer: „Ein gefährlicher autoritärer Populismus ist abgewählt worden im Bündnis mit mutigen Pfarrern und Katholiken. Es ist viel vorangegangen im Blick auf die (Flüchtlings-Unterbringungsstätte) Saualm. Die Dummheit ist etwas rückläufig. Das Land ist wirklich viel menschenfreundlicher geworden. Es wird nicht mehr viel gehetzt, der Einfluss populistischer Menschen ist viel geringer geworden“.

 

Zusammenfassend sagte KAVÖ-Präsidentin Magda Krön: „Klaus Ottomeyer erläuterte, wie sehr ein jeder/eine jede von uns aus psychoanalytischer Sicht in Gefahr steht, fremdenfeindlichen Impulsen zu verfallen, wie es aber auch gelingen kann, diese Mechanismen zu durchschauen und demagogischen Vereinfachungen entgegen zu treten. Ein weiter Blick in die Geschichte und viele Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen belebten seinen Vortrag.“

 

Franz Vock

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