Donnerstag 24. August 2017
Berichte

Theologe: Christen sollen gesellschaftliche Agora stärken

Sozialethiker Leopold Neuhold bei Sommerakademie der Männerbewegung

Ein bedenkliche Leere der gesellschaftlichen Agora, die primär von Partikularinteressen dominiert ist, diagnostizierte der Grazer Sozialethiker Prof. Leopold Neuhold. Von daher sei es gerade heute Aufgabe der Christen, die Agora als öffentlichen Platz zwischen Gesellschaft und Privatem zu füllen, so Neuhold an die Adresse der Katholischen Männerbewegung Österreich (KMBÖ) beim Abschluss ihrer Sommerakademie am 13. Juli 2014 in St. Pölten.

 

Gesellschaft und Politik brauchen wieder mehr Grundsätze statt Interessen

Seinen Aufruf zur gesellschaftlichen Mitgestaltung begründete Neuhold mit vorherrschenden konsumistischen und rein interessengeleiteten Tendenzen in Gesellschaft und Politik. "Heute sind Träume Konsumträume", so der Sozialethiker, der zur politischen Grundverfassung kritisch sagte: "Interessen, sind das was Politik treibt." Demgegenüber müsse Politik wieder mehr "als Grundsatzpolitik, als Suche nach der rechten Ordnung im Sinne einer dynamischen Freiheitsordnung, einer Ordnung die Freiheit ermöglicht" gesehen werden.

 

Dies könne aber nur durch Schaffung einer gesellschaftliche Identität mittels des Gesprächs erreicht werden. Mit Verweis auf den polnisch-britischen Soziologen Zygmunt Baumann sprach Neuhold von einer "verwaisten Agora". Keiner befinde sich mehr auf diesem "Marktplatz zwischen Oikos (Haus) und Ekklesia (Gemeinsam)", weil er "durch Egoismus und Indifferenz leer ist". Die Aufgabe einer Katholischen Männerbewegung sollte sein, diesen Platz zwischen Gesellschaft und Privatem zu füllen und stärken.

 

Über konkrete Orte der gesellschaftlichen Partizipation und Mitgestaltung referierte zuvor Theres Friewald-Hofbauer, Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Lampedusa, Migration und die Burka-Diskussion würden zeigen, dass Europa in fundamentalen Veränderungsprozessen stehe. Sie könnten nur durch die demokratische Beteiligung und konkrete Mitgestaltung vor allem auf lokaler Ebene gelöst werden. Projekte zur regionalen Landentwicklung und Dorferneuerung seien dafür sehr geeignete und hätten bereits herzeigbare Erfolge erbracht, vor allem dann, wenn sich die unmittelbar betroffene Bevölkerung daran aktiv beteilige.

 

Die 28. Sommerakademie der KMBÖ fand vom Mittwoch bis Samstag im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt statt. Unter dem Motto "Und sie beweg(t)en sich doch - wohin" beschäftigten sich die Tagungsteilnehmer mit aktuellen Trends in Gesellschaft und Kirche.

 

KAP/Cordero

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