2. FairWandeln-Vernetzungstreffen 2025 im Rahmen des 10-Jahre-Jubiläums der Umweltenzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus
Auf Einladung der Katholischen Aktion Wien, des FairWandeln-Teams und der Steyler Missionare trafen sich am Samstag, dem 24. Mai 2025, genau 10 Jahre nach der Veröffentlichung der Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus, Umweltaktivistinnen und –aktivisten zum Austauschen, Vernetzen, Beten und Feiern. Im Rahmen dieser Veranstaltung lud das FairWandeln-Team auch zum 2. FairWandeln-Vernetzungstreffen 2025.
In zwölf prägnanten Statements erzählten unterschiedliche Impulsgeber:innen, wie Laudato Si ihr Engagement inspiriert und beeinflusst hat und zogen eine Bilanz, die auf folgenden gemeinsamen Nenner gebracht werden kann: Es ist viel passiert, und doch viel zu wenig. Obwohl die Kirche durch das sozial-ökologische Engagement gesellschaftlich sichtbarer und präsenter geworden ist, sind wirksame politische Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung ausgeblieben.
Hannes Daxbacher, ein pensionierter Religionspädagoge und Umweltaktivist bei der Letzten Generation, meinte gar, alles spreche dafür, dass bei allem Umweltengagement die Erderhitzung höchstens verzögert, aber nicht eingedämmt werden könne. Er warnte vor dem Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation und ermutigte, sich in kleinen Gemeinschaften darauf vorzubereiten, um überleben zu können.
Positive Beispiele für kirchliches Umwelt-Engagement
Es wurden aber auch viele positive Beispiele dafür genannt, was kirchliche und außerkirchliche Umweltarbeit, inspiriert und angeleitet durch die Analysen und Vorschläge von Laudato Si, bewirkt hat. Angela Kemper und Teresa Voboril vom Welthaus der Katholischen Aktion Wien berichteten von den Fairwandeln-Pfarren und Klimakonferenzen, die lokal zu einer sozial-ökologischen Wende beitragen.Mitglieder aus FairWandeln-Pfarren hielten ihre auf A4-Zettel gedruckten Aktivitäten hoch, um sie für alle sichtbar zu machen.
Sr. Anneliese Herzig von der Ordenskonferenz Österreich erzählte, dass in Ordensgemeinschaften viele ökologische Projekte verwirklicht wurden und Maßnahmen wie ethisch nachhaltige Geldanlagen gesetzt worden sind. Christoph Watz von der Katholischen Aktion Wien verwies auf eine Unterschriftenaktion zur Temporeduktion des Autoverkehrs, die ausdrücklich von Kardinal Schönborn unterstützt wurde. Rafael Haigermoser, Vorsitzender der Katholischen Jugend Österreich, präsentierte eine Neuauflage der „Fächer-Enzyklika“. Wesentliche Inhalte von Laudato Si werden so für Jugendliche aufbereitet und es werden Vorschläge zur Umsetzung im Alltag gemacht. Andrea Kampelmühler, die viele Jahre lang als ehrenamtliche Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche AB von Wien tätig war, berichtete über ihr breit gefächertes Engagement in der Konferenz der Umweltbeauftragten, bei Religions For Future und bei klimaprotest.at, einem Zusammenschluss von 80 Organisationen zur Durchführung von Großdemos für Anliegen wie Klimagerechtigkeit oder den Ausstieg aus fossilen Energiequellen.
Klimaschutz als globale Herausforderung
Der Steyler Missionar Pater Olivier Ongway, der in Mödling Kaplan ist und aus der Demokratischen Republik Kongo stammt, beschrieb die desaströsen Auswirkungen von Bergbau, Abholzung und Klimawandel im Kongobecken und betonte, dass die Enzyklika Laudato Si ein wichtiger Impulsgeber für die Kirche vor Ort darstellt. Sr. Anneliese Herzig berichtet von Projekten der Dreikönigsaktion, des Hilfswerkes der Katholischen Jungschar, bei denen in Österreich, auf den Philippinen und in Kolumbien gemeinsam mit Kindern an einer lebenswerten Zukunft auf dem Planeten Erde gearbeitet wird. Anja Appel, die Geschäftsführerin der KOO (Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Zusammenarbeit und Mission, wies darauf hin, dass kirchliche EZA dem Schrei der Erde und der Armen immer wieder ein konkretes Gesicht gibt und mit vielen Verbündeten in Regierungsstellen und NGOs an einer klimagerechten Zukunft baut und versucht, friedlich mögliche zukunftsfähige Maßnahmen auszuverhandeln.
Vom Recht, nicht auf Kosten anderer leben zu müssen
Franziskus Forster von der Österreichischen Bergbauernvereinigung sprach vom „Recht, nicht auf Kosten anderer leben zu müssen“, für das es einzutreten gilt. Denn die derzeitige Wirtschaftsweise geht auf Kosten anderer. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern setzen sich für Ernährungssouveränität ein und leben hier oft schon eine Alternative zum vorherrschenden Wirtschaftssystem. Lorena Olarte vom Institut für Politikwissenschaft in Wien beschrieb den bei uns in Europa vorherrschenden Lebensstil als imperiale Lebensweise, die immer auf ein „Außen“ zugreift und auf Kosten von Menschen woanders oder von zukünftigen Generationen den eigenen Wohlstand schafft. Walter Baier, in den 1980er Jahren Friedensaktivist und heute Präsident der europäischen Linken, teilte die Kritik von Papst Franziskus an einer Wirtschaft, die tötet, genauso wie seine Analyse in Laudato Si, dass das technokratische Paradigma und kurzfristige Profitinteressen des Finanzkapitals zu den ungerechten Weltverhältnissen und zur Klimakrise führen. Es brauche einen grundlegenden Strukturwandel, eine kulturelle Revolution, eine integrale Ökologie. Durch die Zusammenarbeit von Menschen guten Willens aus allen gesellschaftlichen Bereichen müsse es möglich sein, die negativen Entwicklungen zu stoppen.
Die strukturellen Ursachen beseitigen
Georg Pleger, Mitbegründer von „Extinction Rebellion“ in Österreich und Aktivist bei „Lobau bleibt“ und bei „Religions for Future“, verwies auf die Nr. 6 von Laudato Si, wo Papst Franziskus schreibt: „Mein Vorgänger Benedikt XVI. erneuerte die Aufforderung, ‚die strukturellen Ursachen der Fehlfunktionen der Weltwirtschaft zu beseitigen und die Wachstumsmodelle zu korrigieren, die allem Anschein nach ungeeignet sind, den Respekt vor der Umwelt […] zu garantieren‘.“ Für Georg Pleger ist es vor allem die durch Zins- und Zinseszins geprägte Geldwirtschaft, die den Wachstumszwang verursacht und zur Zerstörung des Planeten Erde führt. Er wünscht sich von der Kirche mehr Kritik, die wesentliche Ursachen in den Blick nimmt und grundlegende Veränderungen sucht.
Gegenseitige Bestärkung
Beim Treffen gab es viel Raum für gegenseitigen Bestärkung: In Kleingruppengesprächen wurden Themen vertieft und Erfahrungen ausgetauscht. Ein abschließender Gottesdienst lud zum Staunen über die wunderbare Schöpfung Gottes ein, aber auch zum Teilen von Schmerz und Trauer über die Zerstörung des uns geschenkten „gemeinsamen Hauses“. Schließlich wurde zu Gott um Beistand gebetet für das JETZT des erneuerten Engagements. „Die Zeit zu beginnen ist jetzt“ wurde gesungen, und: „Wenn viele gemeinsam träumen ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit“. Abschließend gab es ein köstliches Abendessen mit veganen und vegetarischen Gerichten, die Christian Einzinger von der Gemeinde „Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit“ im 10. Bezirk in Wien gekocht hatte.