Weinviertelakademie 2006

"Sabbat - Unsere jüdischen Wurzeln"

Seit mehr als 20 Jahren veranstalten die Gliederungen der Katholischen Aktion des Vikariats Nord der Erzdiözese Wien die Weinviertelakademie im Bildungshaus Schloss Großrussbach. Am 27. März wurde der „Sabbat“ in den Mittelpunkt gerückt. In Anlehnung an das Jahresthema der ED Wien wurde die jüdische Wurzel des Sonntags behandelt.

In der Vorbereitung wurde den Veranstaltern sehr bald die breite dieser Thematik bewusst. So haben sie Schulklassen aus dem ganzen Weinviertel eingeladen, in ihrer Umgebung nach Spuren der untergegangenen jüdischen Kultur zu suchen. Christine Edlinger vom erzbischöflichen Schulamt hat diese Idee koordiniert. Ein großes Danke an die Schulen und Religionslehrerinnen und –lehrer in Poysdorf mit Martina Schreiber, in Wolkersdorf mit Stefanie Gindl, in Gänserndorf mit Regina Schachinger, in Mistelbach mit Gabriela Mock, in Laa an der Thaya mit Franz Müllner, in Hollabrunn mit Renate Letz und in Korneuburg/ Stockerau mit Marion Majdan. Die Schülerinnen und Schüler hatten viele Spuren entdeckt und diese auf Plakaten präsentiert. Damit lösten sie eine breite Diskussion über diese dunklen Tage unserer Geschichte aus.

Schabbat – verbindliches Ruhen

Knapp 150 Personen waren gekommen, um Willy Weisz als Hauptreferenten zu hören. Er betonte, dass wir heute im Unterschied zu unseren Großeltern kaum mehr jüdische Kultur im Alltag erleben könnten. Durch den Holocaust wurde vieles zerstört und auch die Jüdinnen und Juden im Weinviertel flüchteten oder wurden ermordet. Umso wertvoller sei es, wenn Schülerinnen und Schüler sich mit diesem Aspekt der Lokalgeschichte aktiv beschäftigen.

Willy Weisz, er betreut gemeinsam mit seiner Frau die Synagoge am Wiener AKH, hat die Entwicklung und Bedeutung des Schabbat vorgetragen. Dieser Ruhetag dient der regelmäßigen Erinnerung an die Schöpfung und an die Befreiung des Volkes Israel aus ägyptischer Knechtschaft.

Der christliche Sonntag gehe zwar auf diese Wurzel zurück, unterscheidet sich aber wesentlich vom jüdischen Schabbat. Gerade die Verbindlichkeit ist ein Merkmal des Schabbat. Die Diskussionen um den freien Sonntag - gerade von wirtschaftlicher Seite geführt - macht deutlich, dass der christliche Sonntag von Anbeginn der Gefahr der Fremdbestimmtheit ausgesetzt war: „Falls sie können, sollen die Christen am Sonntag ruhen“, zitiert Weisz das Konzil von Laodicea im Jahr 364 (Kanon 29). Der Schabbat war von Anfang an mit strengen Regeln verbindlich. Damit ist er eine große soziale Errungenschaft und stärkt seit jeher die jüdische Gemeinschaft in der Gemeinde und in der Familie.

Im zweiten Teil des Abends wurde in Workshops das Thema vertieft: Von Bibelarbeit über Regionalgeschichte zu Gruppentänzen. So wurde die Weinviertelakademie 2006 ein erfüllender Abend der Begegnung und Bewegung.

Fotos von der Veranstaltung gibt es hier ....