Erfolg der Solidaritätsaktionen für Bischof Kräutler und die Menschen in Amazonien: Wir sind im Dialog mit der Andritz AG
Die Solidaritätsaktionen und die Medienberichterstattung waren Anlass für direkte Gespräche mit der Andritz AG.
Gleich am 9.12. kam es zu einem Gespräch am Stephansplatz im Club4 der Erzdiözese Wien mit Dr. Wolfgang Leitner, den Pressesprechern von Andritz (Oliver Pokorny) und der Erzdiözese Wien (Prof. Erich Leitenberger), KA-Präsident Mag. Rembert Schleicher, dem Bereichsleiter Anwaltschaft Mag. Rudolf Remler von der DKA und Christoph Watz vom Welthaus.
Es finden noch weitere direkte Gespräche statt. Das sind die Ausgangspositionen:
Die Position von Andritz:
„Derzeit werden Verhandlungen mit argentinischen, deutschen, französischen und österreichischen Firmen für das geplante Wasserkraftwerk Belo Monte geführt. Es ist daher absolut unverständlich, dass sich die Vorwürfe der Erzdiözese Wien und diverser österreichischer NGOs ausschliesslich gegen Andritz richten. Andritz hält fest, dass Brasilien über ein gut funktionierendes Rechtssystem verfügt.“ Es warten derzeit noch 15 Verfahren auf eine Gerichtsentscheidung.
Die Position der Katholischen Aktion:
"Andritz AG hat als potenziell profitierender Lieferant eine menschenrechtliche Verantwortung. Wir wollen nicht, dass Österreich auf der Täterseite steht", so die Position der Katholischen Aktion.
Der Bau von Belo Monte bringe Zwangsabsiedelungen von rund 30.000 Bewohnern der Stadt Altamira. Bischof Kräutler aus Altamira kritisiert, dass es für diese Menschen „kein Konzept“ gibt. Zur Beteiligung der Andritz-AG sagte Bischof Kräutler: „Die tun sich eigentlich leicht. Belo Monte ist weit, weit weg, die denken an die Aufträge, und mit denen kommt das Geld, aber ihre Kinder und Enkelkinder sind davon nicht betroffen. Für mich ist das anders, ich kenne die Kinder, ich kenne die Eltern, ich kenne die Menschen, und da ist der Schock ganz anders. In Österreich kann man sagen, hinter uns die Sintflut, aber in Brasilien sind wir von dieser Sintflut betroffen, wir erleben diese.“ Der Mega-Staudamm bringt den Verlust großer Flächen Regenwaldes und dessen Artenreichtums mit sich.
Andritz ist respACT-Mitglied
Helmut Schüller vom Katholischen Akademikerverband erinnerte bekanntlich in der Pressekonferenz am 6.12. an die CSR*-Selbstverpflichtung der Andritz AG zur Einhaltung sozialer und ökologischer Standards durch ihre Mitgliedschaft bei der Unternehmensplattform RespAct. Rudolf Remler von der DKA hat den Eindruck, andere österreichische Unternehmen seien in der Wahrnehmung ihrer sozialen Verantwortung durchaus weiter als die Andritz-AG und haben entsprechende Prozesse in Gang gesetzt. Ein konkretes Beispiel: Die OMV arbeitet mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte zusammen und hat gemeinsam mit diesem eine „Menschenrechtsmatrix“ erstellt. Dieses Instrument klärt, in welchen Bereichen das Unternehmen zur Verwirklichung der Menschenrechte beitragen kann, und was unternommen werden kann, um nicht zu einem „Komplizen“ von Menschenrechtsverletzungen zu werden.
Differenzierte Diskussion
Christoph Watz vom Welthaus geht es um eine differenzierte Diskussion: „Die Andritz-AG erhält zu Recht Umweltpreise für effiziente Umwelttechnologie. Wir wollen das Unternehmen nicht schlecht machen. Wenn man sich
aber – und sei es nur als Auftragnehmer – an einem derart problematischen Projekt wie „Belo Monte“ beteiligt, macht man sich zum Komplizen und Mitprofiteur von ungeheurem Unrecht. Als Technologieführer in Sachen Wasserkraft hat die Andritz AG durchaus Möglichkeiten, auf den Auftraggeber einzuwirken und die Einhaltung von verfassungsmäßigen Rechten der betroffenen Bevölkerung und von internationalen Abkommen einzumahnen.“
Ein weiteres Gespräch zwischen Vertretern von Andritz, Welthaus und der Dreikönigsaktion wird im Jänner 2011 folgen.
* Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) bzw. Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, die über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht.
Fotos von der Solidaritätsaktion am 8.12.:





Weitere Informationen zum geplanten Kraftwerk Belo Monte und zur Rolle der Andritz AG:
http://www.dka.at/belomonte
http://plattformbelomonte.blogspot.com