Belo Monte: Brasilianische Regierung beeinsprucht Baustopp-Urteil

Noch vor Bekanntwerden des Einspruchs hatte die Katholische Aktion der Erzdiözese Wien gewarnt, dass es "für Dankgottesdienste noch zu früh" sei.

Der Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern des brasilianischen Megastaudammprojekts Belo Monte geht in die nächste Runde: Die Brasilianische Generalprokuratur der Bundesregierung (Advocacia-Geral da Uniao/AGU) hat erwartungsgemäß Einspruch gegen das Urteil des Landesgerichts Para eingelegt, das die bereits erteilte Genehmigung für den Bau des weltweit drittgrößten Wasserkraftwerkes widerrief.

Der Grund für den Widerruf waren die nicht erfüllten Umweltauflagen. Der Richterspruch aus Para war am Freitag gekommen; der prompte Einspruch der AGU in der Hauptstadt Brasilia gegen den Richterspruch kam am Dienstag, wie brasilianische Zeitungen heute berichten.

Noch vor Bekanntwerden des Einspruchs hatte die Katholische Aktion der Erzdiözese Wien (KA Wien) bereits gewarnt, dass es in der Causa Belo Monte "für Dankgottesdienste noch zu früh" sei. "Es sind noch weitere Gerichtsverfahren in Brasilien anhängig, die Belo Monte gänzlich stoppen können - oder auch nicht. Wenn die 'Andritz AG' Mitte Februar über einen Lieferauftrag gejubelt hat, obwohl diese verschiedenen Verfahren noch längst nicht abgeschlossen sind, dann macht mich das sehr nachdenklich. Diese Jubelmeldung zeigt, dass umweltethische und menschenrechtliche Aspekte des Projekts vom Grazer Unternehmen offensichtlich ausgeklammert worden sind", so KA-Wien-Präsident Rembert Schleicher.

Schleicher kündigte an, dass die KA im Gespräch mit der "Andritz AG" darauf drängen werde, dass der Konzern seine Projekte nicht nur nach wirtschaftlichen Kriterien prüft, sondern gemäß des firmeninternen CSR-Leitbildes (Corporate Social Responsibility) menschenrechtliche und ökologische Auflagen erfüllt. Schleicher appellierte an "Andritz"-Vorstand Wolfgang Leitner, von einer Beteiligung am Prestigeprojekt Belo Monte Abstand zu nehmen. Zu Belo Monte gebe es menschen- und naturfreundliche Alternativen.

Der für die Region zuständige Bischof Erwin Kräutler fordere dazu auf, mehr in die Energieeffizienz zu investieren. Dadurch könne Brasilien seinen Energiebedarf um 40 Prozent reduzieren, habe der WWF in einer Studie vorgerechnet, so Schleicher. (KAP)