Andritz-Aktie hat keinen Platz mehr in einem Ethik-Portfolio

Die Katholische Aktion Wien ist betroffen über die Entscheidung der Andritz AG, die trotz Wissen um die nachhaltig negativen Konsequenzen für die Menschen und für die Natur am Rio Xingu einen Vertrag  über die Mitwirkung am Bau des den gigantischen Kraftwerks Belo Monte unterzeichnet hat.

„Wir haben uns in Gesprächen und Aktionen bemüht, den Verantwortlichen und auch den Aktionären der Andritz AG die Folgewirkungen für die Einwohner und die Umwelt der Xingu-Region deutlich zu machen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass man uns überhaupt zugehört hat“, kommentiert Rembert Schleicher, Präsident der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien (KA) die Vertragsunterschrift der Manager der Andritz AG.

Seiner Meinung nach gehe es der österreichischen Firma nur um den Gewinn aus dem Projekt – die Auftragssumme wird allein für die Andritz AG mit 300 bis 350 Millionen Euro beziffert – und man müsse nur unvoreingenommen hinschauen, dann würde man sehen, dass sich dieses Engagement ethisch unmöglich ausgehen könne, sagte Schleicher. Der Region drohe ein ungeheurer und nicht mehr gut zu machender Schaden für ihre Menschen und ihre vielfältige Natur. 

Es gebe auch keine wirtschaftlichen Notwendigkeiten für eine Projektbeteiligung, denn das Unternehmen habe erst kürzlich einen Auftrag für die Ausrüstung eines Zellstoffwerkes in Brasilien ungefähr mit derselben Auftragssumme wie für Belo Monte eingefahren. Das Unternehmen Andritz AG habe auch Alternativen für ein Engagement, denn es verfüge über ein hervorragendes Knowhow im Bereich angepasster Technologien zur Energiegewinnung.

Wie lange gibt RespACT Andritz noch ein „Grünes Mäntelchen“?
Vor allem aber, betont der Wiener KA-Präsident, habe die Firma Andritz AG sich selbst ein Leitbild gegeben, demzufolge sie sich zur Wahrung der Menschenrechte und auf andere ethische Grundsätze verpflichtet.

Diese als CSR (Corporate Social Responsibility) festgeschriebene, freiwillig eingegangene unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft und für nachhaltige Entwicklung erweise sich durch die Vertragsunterschrift der Andritzer als eine Täuschung der Öffentlichkeit.

„Die Andritz AG hat sich ein schönes grünes Mäntelchen umgehängt, denkt aber nicht daran, nach ihren eigenen Grundsätzen zu handeln. Das  Unternehmen ist, obwohl es ethisch auf der Seite der kalten Gewinnmaximierer steht, immer noch Mitglied der österreichischen CSR-Plattform RespACT (‚Austrian business council for sustainable development‘). RespACT sollte das im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit nicht dulden“, fordert Schleicher.

„Sich hinter der brasilianischen Regierungsentscheidung für den Bau des Kraftwerkes zu verstecken, ist  ethisch nicht korrekt und das eigene Verhalten wird dadurch nicht gerechtfertigt. Gegen die  Regierung laufen noch immer mehrere Gerichtsverfahren wegen Baugenehmigung ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und Ignorierens der Rechte der betroffenen indigenen Völker.“

Die Katholische Aktion Wien fordert die Andritz AG auf, die Konsequenzen aus ihrem Handeln zu ziehen und aus der Plattform RespACT auszusteigen. Ebenso ist die Teilhabe der Firma an nachhaltigen Fonds aufgrund des Belo-Monte-Vertrages nicht mehr haltbar. „Firmen müssen jetzt Farbe bekennen wohin sie gehören: weitermachen wie bisher und Gewinnmaximierung auf Kosten von Mensch und Umwelt ‚erwirtschaften‘ oder umsteigen auf den neuen solidarischen und ökologischen Wirtschaftsstil“, stellt KA-Präsident Schleicher klar. 

Ein grünes Nachhaltigkeits-Mäntelchen könne in der Informationsgesellschaft unethisches Handeln nicht mehr verbergen, die Menschen würden sich heute nicht mehr so leicht hinters Licht führen lassen.

Bischofskonferenz kritisiert Belo Monte
Die österreichische Bischofskonferenz steht hinter dem österreichisch-brasilianischen Alternativ-Nobelpreisträger Bischof Kräutler, der mit der Plattform der Staudammbetroffenen an vorderster Front gegen das Projekt Belo Monte und für die Rechte der indigenen Völker kämpft.

„Es ist bewundernswert, mit welchem Engagement sich Bischof Kräutler trotz aller Gefahren für Indianer, für Landlose und Kleinbauern einsetzt“, heißt es in der Presseerklärung der vergangenen Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz. 

In Österreich haben sich neben der Katholischen Aktion 33 Organisationen wie Caritas, Greenpeace, WWF etc. für die Verhinderung des Mega-Staudammes vernetzt und koordinieren Aktionen und Aufklärungskampagnen. 600 000 Unterschriften gegen Belo Monte wurden letzte Woche von Indio-Vertretern der brasilianischen Regierung übergeben. Prominentester Gegner des Wasserkraftwerkes ist Star-Regisseur James Cameron („Avatar“).

Andritz-Aktion Die Katholische Aktion hat anlässlich der Verleihung des Alternativ-Nobelpreises an Bischof Kräutler im Dezember die Firmenleitung bei Gesprächen auf die Folgen des Belo-Monte Staudamm-Baus aufmerksam gemacht. (Foto: www.kathbild.at)

Solidaritätsaktion am 6. 12. 2010: http://www.dka.at/index.php?id=1054
Plattform Belo Monte: http://plattformbelomonte.blogspot.com