|
EURO 08: Sonntagsöffnung für Wien wäre falsche
Entscheidung
Bier, Essen und Fanartikel sind kein ausreichender Grund für
ein Aufsperren
„Eine Sonntagsöffnung während der Fußballeuropameisterschaft
2008 in Wien ist unnötig und wäre eine falsche Entscheidung“,
sagt Christa Buzzi, Präsidentin der Katholischen Aktion der
Erzdiözese Wien (KA) anlässlich der Sozialpartnereinigung über
die Rahmenbedingungen der Öffnung. Die KA Wien hat bereits
mehr als 14.000 Unterschriften gegen die Öffnung gesammelt,
die demnächst der Wiener Vizebürgermeisterin Renate Brauner übergeben
werden sollen. Sie appelliert an die Verantwortlichen der Stadt
Wien „das hohe Gut des arbeitsfreien Sonntags nicht wegen
des wirtschaftlichen Vorteils einiger weniger Unternehmen zu opfern“.
Christa Buzzi verweist darauf, dass mit den Rahmenbedingungen
noch lange nicht die konkrete Sonntagsöffnung in Wien beschlossen
ist. „Wir werden weiter dafür eintreten, dass die Öffnung
gar nicht kommt bzw. auf einen ganz kleinen Bereich beschränkt
wird. Bier, Essen und Fanartikel sind kein ausreichender Grund
für ein Aufsperren in Wien“, sagt die Präsidentin.
Sie erinnert an entsprechende Studien in Deutschland, die nach
der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gemacht worden sind. Das
deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat festgestellt,
dass „erwartungsgemäß keine nennenswerten konjunkturellen
Impulse von der WM ausgegangen sind“ und „die im Vorfeld
gemachten euphorischen Vorhersagen über den Einfluss einer
Fußball-WM hinsichtlich der Verbesserung der wirtschaftlichen
Erwartungen sich weder auf eine ernstzunehmende Theorie noch auf
eine solide Empirie stützen können“.
Noch erschreckender ist das Ergebnis einer Umfrage unter Unternehmen
in Baden-Würtenberg gewesen. Obwohl ein Drittel der Einzelhändler
mit positiven Ergebnissen gerechnet hatte, profitierten nur 13%
aller Einzelhändler. 40% der Händler mussten dagegen
sogar Einbußen zum saisonüblichen Geschäft verkraften.
Die Gründe dafür waren: „Die Fans interessierten
sich nur für Fanartikel und fußballtypische Genussmittel
und die Stammkunden mieden die überfüllten Innenstädte,
was die Geschäfte noch viel mehr schmerzte. Auch längere Öffnungszeiten
und verkaufsoffene Sonntage erwiesen sich besonders an Spieltagen
als Flop. So standen den höheren Kosten für Personal
kaum mehr Umsätze gegenüber, analysierte die Industrie-
und Handelskammer Stuttgart.
In diesem Sinne fordert die KA-Präsidentin die Verantwortlichen
auf, auf Basis rationaler Grundlagen zu entscheiden und daher die
Sonntage im Interesse zehntausender ArbeitnehmerInnen nicht für
eine Öffnung frei zu geben.
|