Kampagnenstart „Nein zur Sonntagsöffnung bei der EURO 08 in Wien“

Katholische Aktion gegen Ausnahmeregelung bei der Europameisterschaft

In dieser Woche beginnt die Katholische Aktion der Erzdiözese Wien ihre Unterschriftenkampagne gegen die Sonntagsöffnung bei der Europameisterschaft 2008 in Wien. Ziel ist es, einerseits die Öffnung der Geschäfte an den vier Sonntagen während der EM zu verhindern, andererseits das Bewusstsein für den Wert des Sonntags zu stärken. Unterschriftenlisten liegen in allen Wiener Pfarren auf bzw. können unter www.ka-wien.at heruntergeladen werden.

Für die Präsidentin der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien, Christa Buzzi, ist es nicht nachvollziehbar, dass es für die EURO 08 eine Ausnahme geben soll: „Mit welcher Begründung soll es dann z.B. im Advent keine Ausnahme geben?“ Touristische Gründe können dafür keinesfalls ausschlaggebend sein. Das zeigen einerseits die Erfahrungen aus Berlin bei der WM 2006, die in Bezug auf den Handel eindeutig negativ waren: „Fußballfans sind nicht unbedingt die ideale Shopping-Zielgruppe“, so die Warnung des Berliner Handelsverbands vor übertriebenen Hoffnungen der Wiener Unternehmer für die EM 2008, die in der Zeitung der Wiener Wirtschaftskammer wiedergeben wurde. Andererseits hat auch die Öffnung eines Baumarktes oder eines Möbelgeschäft an der Peripherie Wiens an den vier Sonntagen nichts mit der Europameisterschaft zu tun.

„Einzige Konsequenz ist, dass viele tausend Angestellte in den Geschäften stehen müssen, anstatt den Sonntag mit ihren Familien im Bad, bei Ausflügen oder vielleicht sogar bei einem Fußballspiel zu verbringen“, sagt die KA-Präsidentin.

Ebenso ist die Gefahr relativ groß, dass diese Ausnahme dann der Türöffner für eine breitere Ladenöffnungsregelung am Sonntag ist. „Viel zu viele Lobbyisten warten leider nur auf so eine Gelegenheit, um dann die Politik und die öffentliche Meinung noch mehr unter Druck zu setzen“, bedauert Christa Buzzi. Eine ähnliche Entwicklung hat es in Deutschland gegeben, wo nur wenige Monate nach der „Probe“ bei der Fußball-WM dann die Möglichkeit der Sonntagsöffnung generell fast ganz freigegeben wurde.

Die Fußballeuropameisterschaft sieht die KA-Präsidentin als eine große Chance, vielen Gästen aus Europa Wien so zu präsentieren, dass sie gerne und oft wiederkommen. Als besonders wichtig dafür erachtet Christa Buzzi kulturelle Initiativen: „Es wäre zum Beispiel wichtig, dass es in dieser Zeit für alle Wiener Museen gratis Eintritt gibt. Es würde sich auch lohnen, über attraktive Möglichkeiten für Besucher nachzudenken, um Wien abseits der Fanmeilen und Fußballstadien kennen zu lernen. Das würde für die Stadt viel mehr bringen als den Einkaufsrausch zu fördern.“

„Sonn- und Feiertage stellen für alle Menschen in unserer Gesellschaft einen unverzichtbaren Wert dar. Die Ausweitung der Sonn- und Feiertagsarbeit bedeutet einen gravierenden Einschnitt in das Gefüge unserer Gesellschaft“, sagt die KA-Präsidentin.

Diesen Gedanken wieder verstärkt unter die Leute zu bringen, ist ein zweites Ziel der Kampagne. Aus diesem Grund werden tausende Unterschriftenlisten an die Mitglieder der Katholischen Aktion verschickt, die in ihrem Freundeskreis und am Arbeitsplatz Unterschriften sammeln und dabei auch argumentativ tätig sein sollen. „Wir haben uns auch aus diesem Grund gegen eine Unterschriftenkampagne im Internet entschieden, die zwar rasch viele Unterschriften bringt, aber nicht das Nachdenken über den Wert des Sonntags fördert“, sagt Christa Buzzi.

Weitere Informationen zum arbeitsfreien Sonntag gibt es bei der „Allianz für den freien Sonntag“: http://www.freiersonntag.at/