Mittwoch 22. November 2017
Berichte

Encuentro 2017: „Glaube bewegt“ - lebendige Erfahrung von Weltkirche

Engagierte für die Weltkirche aus den Pfarren, Mitglieder der anderssprachigen Gemeinden in Wien, Vertreter von kirchlichen Einrichtungen und Ordensmitglieder aus verschiedenen Ländern – die weltkirchliche Buntheit und Vielfalt war unübersehbar bei der zweiten Ausgabe von Plattform-Weltkirche ENCUENTRO, welche am vergangen Samstag im Wiener Don Bosco Haus stattgefunden hat.

Hauptreferenten zum Tagungsthema „Spiritualität und Solidarität in der Weltkirche“ waren Prof. Paul Zulehner und der indische Jesuit Saju George Moolamthurutil. ENCUENTRO (spanisch: Begegnung) ist die diözesane Weltkirche-Tagung, die alle zwei Jahre vom Referat für Weltkirche der Erzdiözese Wien organisiert wird.

 

 

Nach der Eröffnung der Tagung durch den Bischofsvikar für die anderssprachigen Gemeinden der Erzdiözese, Weihbischof Franz Scharl, betonte Pastoraltheologe und Religionssoziologe Paul Michael Zulehner in seinem einleitenden Referat, dass sich Spiritualität und Solidarität im Spannungsfeld zweier Versuchungen bewegen: „Weltflüchtige Spiritualität, abgehoben vom realen Leben ist ebenso eine Versuchung, vom Kreuz herabzusteigen, wie eine unspirituelle Solidarität, die sich in einem sozialpolitischen Aktionismus erschöpft.“ Eine Spiritualität in der Spur Jesu bedeutet: „In Gott eintauchen. Bei den Menschen am Rand auftauchen. So heilend, helfend und politisch bei ihnen sein, dass Leben aufkommt und nicht umkommt. So kann Kirche in der Nachfolge des Heiland zum ‚Heil-Land‘ werden.“

 

Für Pater Saju George Moolamthurutil SJ ist es wichtig, die spirituellen Ausdrucksformen der Kulturen in Indien zu achten und ernst zu nehmen. In einem ärmlichen Fischerdorf, 40 Rikscha-Minuten von Kolkata entfernt, hat der Jesuit ein Zentrum aufgebaut, in dem er Kinder und Jugendliche, unabhängig von Religionszugehörigkeit, ganzheitlich ausbildet und fördert: „Die Kinder kommen in ihrer Mehrzahl aus Dalit-Familien, der untersten Schicht im indischen Kastensystem. Das Leibgebet, Yoga und der indische Tanz bringt sie in eine neue Erfahrung zu sich selbst. Es geht nicht nur darum, den Kopf zu bilden, sondern auch das Herz und die Seele. All das gibt den jungen Menschen Kraft und ein Zutrauen, dass sie etwas können und wertvoll sind.“

 

Das Zentrum trägt den Namen „Kalahrdaya“, Herz der Kunst. P. Saju unterrichtet dort seinen SchülerInnen klassischen indischen Tanz. Die christlichen Themen, die er mit ihnen tanzt, komponiert und choreographiert der Jesuit selbst. „Ich habe an der Seite von Mutter Theresa mit den Aussätzigen gearbeitet. Aus Anlass ihrer Heiligsprechung habe ich ihre Lebensgeschichte als indisches Tanztheater mit den Kindern einstudiert und aufgeführt.“ P.Saju ist mittlerweile auch regelmäßig in ganz Europa als „tanzender Jesuit“ zwischen den Kulturen unterwegs – so derzeit am Evangelischen Kirchentag in Berlin – und vermittelt so auch bei uns die Erfahrung der leibhaften Betens und des indischen Tanzes als Form der spirituellen Erfahrung und Verkündigung.

 

Im „Süd-Nord-Dialog“, moderiert von Magdalena Holztrattner, Direktorin der ksoe, die selbst viele Jahre in Lateinamerika zu Armut und Gerechtigkeit arbeitete, finden Pater Saju und Paul Zulehner zu einem gemeinsamen Schluss: „Die spirituelle Erfahrung soll, hier wie dort, einen weiten Horizont geben und in ein verantwortungsbewusstes, solidarisches und sozial engagiertes Menschsein münden.“

 

Die etwa 90 TeilnehmerInnen am ENCUENTRO waren von dieser neuen Erfahrung begeistert: „Das Evangelium kann in vielen ‚Sprachen‘ gelebt werden, der Tanz ist auch eine Möglichkeit, Gott in meinem Leben in-karnieren zu lassen.“ „Dass Glaube tatsächlich bewegt habe ich beim Workshop mit Pater Saju erfahren können: Bewegung und Tanz ist eine universelle Sprache – trauen wir uns in der Kirche mehr Bewegung zu!“

Christian Zettl

 

 

Stimmen von TeilnehmerInnen:

„Das Referat von Professor Zulehner hat mich sehr berührt und motiviert mich zum Engagement in der Kirche.“

 

„Beim ‚Encuentro‘ haben wir erkannt, wie vielfältig Verständnis und Ausdruck unseres Glaubens sein kann – zugleich war spürbar: Unser Ziel ist gleich – Liebe und Solidarität.“

 

„Der Tag bot Impulse zum Nachdenken und für die eigene Seele.“

 

„Lebendig und inspirierend!“

 

„Im heutigen Umbruch in Kirche und Gesellschaft habe ich vieles dazugelernt.“

 

„Die lateinamerikanische Erfahrung von Kirche wurde greifbar: Kirche ist kein ‚Gebäude‘, sondern ein solidarisches Miteinander von Menschen.“

 

„Im Workshop zu Pfarre FairWandeln habe von Erfolgsberichten gelungener Initiativen erfahren und mir auch viele Anregungen für das konkrete Handeln in der Pfarre holen können.“

 

„The workshop inspired me to get in touch with my own ‚forgotten‘ traditions.“

„I was very much encouraged by the day. I wish and hope we have many more events like this in the future.“

 

„Encuentro=Begegnung ist auch zwischen den Kulturen innerhalb Wiens noch stärker möglich. Wir sollten mehr Austausch in der Weltkirche hier bei uns haben.“

 

„Miteinander vernetzt bleiben gibt Kraft.“

 

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