Sonntag 19. November 2017
Gesellschaft

Wirtschaft und Politik soll Ärmsten und Schwächsten dienen

Große Teile der Katholischen Aktion unterstützten Demo gegen CETA und TTIP

 

 

„Ich weiß mich da als Katholikin in guter Gesellschaft der europäischen und amerikanischen Bischöfe, die in Ihrer Stellungnahme zu TTIP Papst Franciscus zitieren, der sagt, dass Wirtschaft und Politik den Menschen zu dienen haben, vorrangig den Ärmsten und Schwächsten. Diesen Geist der Solidarität sucht man allerdings in Freihandelsabkommen vergebens. Es geht nur um optimale Bedingungen für Investoren“, sagte Traude Novy, die ehemalige Stv. Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) bei der Großdemonstration am Karlsplatz gegen CETA und TTIP am 17. September 2016, zu der auf Einladung eines Bündnisses von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, Umweltverbänden und kirchlichen Initiativen – darunter kfb, KAB, KJ, Fairtrade und Umweltbüro – mehr als 15.000 Menschen zur Abschlusskundgebung vor dem Parlament kamen.

 

Ein gutes Leben für alle

„Im Zentrum unserer christlichen Hoffnung steht das Streben nach dem Guten Leben für alle“, bekräftigte Novy. „Wir lehnen es deshalb ab, dass die Qualität von  Lebensmittelerzeugung, Gesundheitsvorsorge,  Bildungseinrichtungen und Sozialer Vorsorge  den optimalen Bedingungen für Investoren geopfert wird. Bei der derzeit schon prekären Situation  in diesem Bereich würde dies vor allem zu Lasten von Frauen gehen, die nach wie vor weltweit für die Qualität in der Versorgung und Pflege hauptverantwortlich sind. Das ist einer der Gründe, weshalb gerade wir Frauen TTIP und CETA stoppen müssen“, wurde Novy sehr persönlich. 

 

Auch eine Langzeitperspektive veranlasste Novy zu diesem Engagement: „Ich stehe heute hier, weil ich nicht will, dass mir meine Enkelkinder in ein paar Jahren die gleiche Frage stellen, die meine Generation an ihre Eltern gerichtet hatte. ´Wieso habt ihr euch nicht gewehrt´? Wir leben Gott sei Dank in einer Demokratie, deshalb  bedarf es nicht viel Mut, gegen Freihandelsabkommen zu kämpfen, die Konzerninteressen in den Mittelpunkt stellen und an den Bedürfnissen der meisten Menschen vorbeigehen. Die negativen Auswirkungen auf viele Lebensbereiche würden die nächsten Generationen massiv zu spüren bekommen“, schloss Novy.

 

Vom Grundsatz-Interesse bis zur KA-beachflag

„Arbeit hat Vorrang vor Kapital, Grundsatz der katholischen Soziallehre“ stand auf der von der KA organisierten, über dreieinhalb Meter hohen Beachflag, die auf die Vielfalt der KA-Organisationen hinwies und von einem KA-Vertreter in dem riesigen Fahnenmeer geschwungen wurde. Einigen TeilnehmerInnen war es auf der vom Karlsplatz zum Parlament sich bewegenden Demonstration sogar ein Anliegen, eigene Fotos von der Fahne machen zu können, da sie sich mit diesem Grundsatz solidarisierten. An der Kundgebung nahmen auch mehrere Slowakei-Woche BesucherInnen teil. Einer von ihnen hatte sogar seine Slowenien-Kulturreise vorzeitig abgebrochen, um an der Demo teilnehmen zu können.

 

Mit Transparenten wie „Mensch und Umwelt vor Profit“, Pfiffen und z. T.  spontan neu kreierten lautstarken Parolen wie „Kein TTIP und kein CETA, jetzt und auch nicht später“, wurde von den friedlichen DemonstrantInnen ein Stopp der beiden Freihandelsabkommen verlangt. Unter den über 40 verschiedenen Gruppierungen beteiligten sich neben zahlreichen Gewerkschafts- und NGO-VertreterInnen auch Politiker von SPÖ und Grünen, viele Biker, Repräsentanten aus der Landwirtschaft, kleiner- und mittlerer Unternehmungen (KMU), der Kultur oder auch von Städten und Gemeinden. Der Obmann des Bauernbundes St. Pölten, Josef Brader, sprach für über 200 000 Bauern und Bäuerinnen. Der Künstler Cornelius Obonya sprach die mangelnde Transparenz des Abkommens an. Und die Wiener Vize-Bürgermeisterin Maria Vasillakou und der St. Pöltner Bürgermeister Matthias Stadler machten klar, Daseinsvorsorge wie Wasser oder Müllentsorgung hat nichts in einem Handelsabkommen zu suchen.                                                              

Franz Vock

 

 

Zum Kathpress-Bericht (pdf)

 

 

Emailaktion: “CETA – nicht mit mir! Nein zu TTIP 1.0!”

CETA, das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada, ist die Blaupause für TTIP. Aber im Gegensatz zu TTIP ist dieses Abkommen fertig verhandelt und soll in den nächsten Monaten verabschiedet werden. Auch mit diesem Abkommen bedrohen Konzernklagerechte unsere Umwelt-, Sozial- und Lebensmittelstandards sowie öffentliche Dienstleistungen.

Die erste grosse Entscheidung fällt im kommenden MinisterInnenrat! Senden Sie hier eine Nachricht an die Bundesregierung und fordern Sie mit uns: CETA darf nicht beschlossen werden!

 

https://www.ttip-stoppen.at/unterschreiben-gegen-ceta/

 

 

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