Mittwoch 22. November 2017
Gesellschaft

Fürs Lebensglück auf innere Aussöhnung einlassen

Die Kraft der Vergebung brachten Melanie Wolfers und der KAV zur Sprache

„Unser Lebensglück hängt entscheidend davon ab, ob wir uns auf den Prozess der inneren Aussöhnung einlassen. Die tiefsten Verletzungen unseres Lebens sind Beziehungsverletzungen“, sagte Melanie Wolfers, die Autorin und Leiterin von IMpulsLEBEN, in ihrem Vortrag über „Die Kraft des Vergebens“ auf Einladung des Kath. Akademikerverbandes im Otto-Mauer Zentrum am 23. Juni 2016.

 

Fünf Schritte zur inneren Aussöhnung

„Niemand darf zur Vergebung genötigt werden. Der Weg der eigenen inneren Entscheidung zur Vergebung führt in die Freiheit“, machte Wolfers in einer ersten Vorbemerkung zu den fünf Schritten, die zu einer inneren Aussöhnung führen, klar. Zudem unterschied sie zwischen Versöhnung als zwischenmenschliches Geschehen und verzeihen oder vergeben als einen innerseelischen Prozess.

 

 

1. Gehen sie zurück auf Los (die Verletzung selbst)

„Der Weg der Vergebung beginnt damit, sich der Verletzung nochmals zu stellen. Eine seelische Verletzung heilt nur, wenn die damit verbundenen Gedanken ans Licht kommen dürfen“, legte Wolfers dar und verwies dabei auf die klassischen Kränkungsgefühle wie Angst Hass, Ohnmacht, oder Scham. Das biblische Beispiel der Magd Hagar, die in die Wüste der Verzweiflung geschickt wurde, zeige, wie deren Selbstoffenbarung für sie zu einer Gottesoffenbarung von El Roi wurde, Gott ist der, der nach mir schaut, dem ersten Gottesnamen in der Bibel (Genesis 16).

 

2. Eine realistische Sicht gewinnen vom anderen und von sich selbst

sei erforderlich, denn die Rolle der Erwartungen sei oft hoch, was schnell dazu führe, vom anderen enttäuscht zu sein, legte Wolfers dar. Schon Rabindranath Tagore sage: „Wenn jeder von jedem alles wüsste, würde jeder jedem gerne verzeihen.“ Ein Königsweg zur Versöhnung sei das Gespräch. Der christliche Glaube lade ein, 7 mal 70  mal zu vergeben (Mt 18, 21-22), unterstrich sie. „Die Aufgabe des Lebens liegt darin, dass die Augen unseres Herzens heilen“, sagt Augustinus. Ähnlich Antoine Saint-Exupery: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, Das wesentliche ist für das Auge unsichtbar“.

 

3. Einen neuen Blick auf belastende, kränkende Situationen werfen

„Wir können eine Verletzung nicht ungeschehen machen. Ein rückwärts-gewandter Blick ist blind für die Chancen der Gegenwart“. Es brauche daher einen „Weg vom Warum hin zum Wozu. Das führt zur Frage nach dem Sinn, indem wir die enttäuschende Situation als Frage an uns sehen“. Es stelle sich die Frage,  Welche Orientierung gibt mir meine Weltanschauung? Was ist meine Vision?

 

4. Ich höre auf, auf eine bessere Vergangenheit zu hoffen

„Solang wir anderen etwas nachtragen, sind wir es die schwer zu tragen haben. Wer innerlich mit einer Verletzung Frieden schließt, hört mit der Anrechnung auf. Vergebung ist eine Innere Unabhängigkeitserklärung, womit wir unser Leben neu in die Hand nehmen“, sagte Wolfers. Sie ergänzte: „Wer trauert, seine Trauer über das Verlorene zulässt, akzeptiert die Veränderung, die er nicht mehr rückgängig machen kann. Wenn man vergibt, ist man nicht mehr an den Täter gefesselt. Wer ehrlichen Herzens verzeihen kann, setzt einen Neuanfang. Wir verwandeln zerstörerische in schöpferische Energie. ´Liebet eure Feinde, Betet für die, die euch verfolgen´“, sage die Bibel (Mt.5,44).

 

5. Vergebung geschehen lassen

„Vergebung lädt ein, aus der Hoffnung, aus dem Vertrauen zu leben“, bekräftigte Wolfers. „Darauf kommt es im Gebet an, dass wir wenigstens dort nicht lügen“, sagte schon Martin Luther. Sie schloss:

„Nichts kann den Menschen so sehr heilen, wie die Erfahrung echter Liebe“.

 

Lange noch beantwortete Wolfers die Fragen der BesucherInnen und signierte ihr Buch Die Kraft des Vergebens. Wie wir Kränkungen überwinden und neu lebendig werden,  das bei Herder bereits in 7. Auflage erschienen ist.                                                                                                                                        Franz Vock

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