Samstag 18. November 2017
Gesellschaft

„Arbeiten tut man für die Gesellschaft – Das ist verloren gegangen“

KA, Katholische Jugend u.a. setzten mit Romaria Wallfahrt ein Solidaritätszeichen für Flüchtlinge und Arbeit

„Arbeit gibt Sinn. Jede Arbeit – egal ob Presseartikel schreiben oder das Klo putzen – tut man für die Gesellschaft. Diese Erkenntnis ist in vielen Bereichen verloren gegangen“, sagte Edith Speiser von der Katholischen Jugend Österreichs auf der Romaria-Solidaritätswallfahrt für Flüchtlinge, an der rund 200 Personen teilnahmen, bei der von der KJÖ gestalteten Impulsstation „Flüchtlinge und Arbeit“ am Tag der Arbeitslosen, dem 30. April 2016, in der Pfarrkirche Neu Erlaa, 1230 Wien, und wies dabei auf 45.221 arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren hin, die es im März 2016 in Österreich gab.

 

 

Jugendarbeitslosigkeit ist „Nährboden für Ungerechtigkeit, Armut und Radikalisierung“

Arbeit sei „wesentlich für die Identität“, entfalte „unsere Potentiale, unsere schöpferische Kraft und gestaltet die Gesellschaft aktiv mit“, womit wir auch ihre „sinnstiftende Dimension“, erfahren, betonte Speiser. „Wenn nämlich der Mensch wirkt, formt er nicht nur die Dinge und die Gesellschaft um, sondern vollendet auch sich selbst. Er lernt vieles, entwickelt seine Fähigkeiten, überschreitet sich selbst und wächst über sich hinaus“, schrieben die Konzilsväter in Gaudium et spes 35, womit der Mensch im christlichen Kontext gesehen „seinen Beitrag zum Heilsplan Gottes“ leiste, so Speiser.

Doch die „gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnisse zeigen uns eine Gefährdung einer solidarischen Gesellschaft, weil sie jene Arbeit höher preist, die vor allem dem Diktat des Wirtschaftswachstums folgen“, sagte Speiser. Papst Franziskus spreche in Evangelium Gaudium von einer „Wirtschaft die tötet“. Daher seien „die politischen und wirtschaftlichen EntscheidungsträgerInnen, ja,  wir alle dazu angehalten, die Rahmenbedingungen für eine sinnvolle Arbeit zu schaffen; hierunter fällt auch ehrenamtliche Arbeit, die einen großen Teil einer Solidaritätsgesellschaft ausmacht“, so Speiser.

 

Jugendarbeitslosigkeit sei „ein Nährboden für soziale Ungerechtigkeit, Armut und zunehmende Radikalisierung bei Jugendlichen“, bekräftigte Speiser. Für Asylwerbende in Österreich sei die Situation „nochmal verschärft, weil sie vielfach keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben“, so Speiser. Dabei kommen „viele talentierte, motivierte Menschen in unser Land und wollen ihre Talente, Fähigkeiten und ihre Expertise einbringen. Erst wenn das Asylverfahren positiv abgeschlossen und eine Person in Österreich als Flüchtling anerkannt ist oder subsidiären Schutz bekommen hat, erhält sie freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Bis es zu diesem Punkt kommt, vergehen oft Monate oder sogar Jahre. Asylwerbende werden damit in Österreich gleichsam zum Nichtstun verdammt“, sagte Speiser.

 

Katholische Jugend will „ein Mit- u. Füreinander sichtbar machen“

Da beim Kennenlernen neuer Menschen häufig mit der Frage: "Und, was machst du so?", das nützlich sein und der soziale Stellenwert von Menschen ausgelotet werde, stelle sich die Frage, „welche Wertevorstellung von Arbeit und welches Menschenbild damit verbunden“ sei. Die KJÖ wolle daher am weltweiten Tag der Arbeitslosen „Solidarität mit allen Menschen bekunden, die am Arbeitsmarkt durch den Raster fallen, die nicht arbeiten können, obwohl sie wollen, die in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden“, so Speiser. Ebenso sehe die KJÖ ihre „Teilnahme an der Romaria nicht nur als Zeichen dieser Solidarität, sondern in Bezug auf die Flüchtlinge als alternative Form des ´Schulterschlusses´“, womit sie „ein Mit- u. Füreinander sichtbar machen“ wollen, schloss Speiser.

 

Christian Eder von der KJÖ veranschaulichte das am Beispiel seines Wohngemeinschaftskollegen Farid aus Afghanistan, der als Flüchtlingskind im Iran geboren, dort eine selbst organisierte geheime Privatschule besuchte, um „wenigstens ein Minimum an Bildung“ zu erhalten. Die Afghanen seien „nicht faul und arbeitsscheu“, sondern es sei für sie deshalb „extrem schwer die deutsche Sprache zu lernen und einen aufnahmefähigen Geist zu haben, wenn man Sorgen um seine alte Heimat hat und traumatische Erfahrungen verarbeiten muss“, so Eder. Farid wünsche sich daher „gleiches Recht für alle Menschen und das auf der ganzen Welt. Niemand soll wie ein Mensch 2. Klasse behandelt werden dürfen. Weder im Iran, noch in Österreich, noch sonst wo auf der Welt“, bekräftigte Eder. Mehrere mitpilgernde KA-VertreterInnen wie Präsident Walter Rijs, Vize Evelyn Hödl und GS Christoph Watz informierten die ZuseherInnen am Wegesrand mit dem KA-Aufkleber „Rat & Tat statt Stacheldraht“ auf der 24-Kilometerstrecke von Schwechat nach St. Gabriel.                              

Franz Vock

 

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