Sonntag 19. November 2017
Gesellschaft

„Wir brauchen eine Globalisierung der Herzen“

Aichern zu 70 Jahr KAJ: Solidarische Arbeitswelt weiterhin wichtig

„Wir brauchen eine Globalisierung der Herzen, nicht nur der Wirtschaft und Kommunikation“, sagte Altbischof Maximilian Aichern 0SB in seiner vorbereiteten Ansprach zur 70 Jahr Feier der Gründung der Katholischen ArbeiterInnen Jugend (KAJ), die krankheitsbedingt Pfarrer P. Georg Dinauer OSFS am Gründungsort, der Pfarre Krim am16. Jänner 2016 verlas. Aichern unterstrich, der Rückblick gebe „Mut und Kraft zu weiterem Engagement“, wo Arbeitsplatzbeschaffung, Erhaltung des gemeinsamen arbeitsfreien Sonntags, Hilfe für Flüchtlinge und Asylanten, Aufbau einer solidarischen Gesellschaft in weltweiter Sicht „wichtige Aufgaben der Zukunft“ sind.

 

 

„Das Sehen-Urteilen-Handeln sind uns in Fleisch und Blut übergegangen“

Aichern erinnerte daran, als Student habe der spätere Wiener Pastoralamtsdirektor und Stadt-Bischofsvikar P. Josef Zeininger während dem Krieg in Fribourg in der Schweiz die Christliche Arbeiterjugend von Josef Cardijn kennen und schätzen gelernt, hatte dann gute Kontakte zu Zwangsarbeitern aus Frankreich, ehe er nach seiner Todesverurteilung durch die Nationalsozialisten und Rettung durch die Alliierten als Pfarrer der Krim die Katholische ArbeiterInnen-Jugend aufbaute, „die sich rasch in ganz Österreich verbreitete“.

 

Aichern, der selbst aus der KAJ der Kalasantinerpfarre St. Josef im 14. Bezirk kommt, erlebte P. Zeininger, den langjährigen Diözesan- und Bundesjugendseelsorger der KAJ in Österreich, und den christlich-sozialen Arbeiterführer und Nachkriegs-Nationalratspräsidenten Leopold Kunschak „bei Besuchen meiner Heimat-pfarre sehr oft und war besonders von den sozialen Stellungnahmen und Aufforderungen an uns immer tief beeindruckt“. Durch die zahlreichen Kontakte der KAJ-ler in den Nachkriegsjahren mit Kardinal Innitzer, KAJ-Bischof Rusch, dem Kapuziner P. Hildebrand Urdl, dem Jesuiten P. Leppich und anderen sprachen sie „mit Arbeitern in Fabriken und Werkstätten, auch mit ihren Chefs, über die Arbeiten in der Gewerkschaft für die Arbeiter und Arbeiterinnen, aber auch die Angestellten in Betrieben und in der Öffentlichkeit“, so Aichern.

 

Cardijns Anliegen und „das Sehen-Urteilen-Handeln sind uns damals in Fleisch und Blut übergegangen und bestimmten unsere Bildung und unser Apostolat“ sagte der Bischof. Dabei sei der jahrzehntelange KABÖ-Bundessekretär Leopold Summerauer mit seinen Worten „an die Politik und Wirtschaft: ´Arbeit und Einkom-men teilen!´ … ein sozialer Schatz“ gewesen. Bei „Parlamentsbesuchen, wo wir Renner, Körner, Seitz, Figl, Raab, die Kommunisten Koplenig und Fischer, gesehen und gehört haben“, den Bekenntnismärschen als KJ am Vorabend des Dreifaltigkeitsfestes auf der Wiener Ringstraße, den Wallfahrten über die Demarkations-linie nach Mariazell und den Wiener KAJ-Bälle im Fasching war Cardijn „immer unser geistlicher Vater in der Apostolatsarbeit“. Und der Wahlspruch von KAJ-Seelsorger Bischof Rusch „Christus dem König, gehört unser Leben“ „faszinierte“, sagte Aichern.

 

 

Eine Brotgabe sein

Der Bischof dankte den Aktivistinnen und Aktivisten, den Seelsorgern und Funktionären, die „wirklich Kirche in der Welt der Arbeit und Wirtschaft“ waren und „die Sorgen, Freuden Hoffnungen und Anliegen der Arbeitswelt in die Kirche hereingebracht und wirksam vertreten“ haben. In den letzten Jahrzehnten konnten wir „in den Gruppen und Pfarren, in den Betrieben und in der Gewerkschaft … beitragen, dass die Welt der Arbeit und Wirtschaft ein Stück menschlicher wird, dass die Würde der arbeitenden Menschen mehr gesehen wird, dass die Solidarität bei uns und weltweit gewachsen ist, … aber auch, dass die Kirche ihren Aufgabe in diesen Bereichen verstärkt wahrnimmt“, resümierte Aichern. Er schloss, der Einsatz der KAJ-ler sei ein “Geschenk des Heiligen Geistes, … als Dienst für die Menschen und für Gott. … Wir wissen uns gesandt und unterstützt bei unserem Einsatz in der heutigen Welt, bei der Arbeit für Solidarität, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“.

Für den verhinderten Bischof Aichern feierte der Provinzial der Salesianer, P. Thomas Vanek OSFS, den Gottesdienst. KABÖ-Vorsitzende Philipp Kuhlmann dankte den rund 200 Mitfeiernden, unter denen zahlreiche VertreterInnen der Katholischen Aktion wie KA-Wien Präsident Walter Rijs und der KSÖ wie P. Alois Riedelsperger waren. „Die Arbeit der KAB ist heute genauso wichtig, wie zur Gründungszeit“, sagte Kuhlmann und schloss mit einem Wort von P. Zeininger: „Christus ist unter uns im schlichten Brot; Auch wir sollen so eine Brotgabe sein“. Und P. Georg Dinauer OSFS, der Pfarrer der neuen Pfarre Franz von Sales, die Glanzing, Kaasgraben und die Krim einschließt, ergänzte mit der Ankündigung: „Erstmalig wird eine Grätzl-Sozialarbeiterin neu angestellt. Das ist bisher einmalig“.                                            

  Franz Vock

 

 

Zur Ansprache von Bischof Aichern

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