Sonntag 19. November 2017
Gesellschaft

Kirche & kfb machten mobil gegen Gewalt an Frauen und Kindern

Kampagne "16 Tage gegen Gewalt" mit prominenter Unterstützung kirchlicher Stimmen - Präventionsexpertin Greiner-Lebenbauer: 300.000 Frauen in Österreich jährlich betroffen, Thema jedoch weiter ein Tabu

Die Kirche und die kfb machten zu Adventbeginn mit prominenten Stimmen gegen das Tabuthema Gewalt an Frauen und Kindern mobil: Kardinal Christoph Schönborn, Weihbischof Stephan Turnovszky, Superiorenkonferenz-Generalsekretär P. Franz Helm, die Vorsitzende der Katholischen Frauen, Veronika Pernsteiner, KA-Wien Präsident Walter Rijs, die KA-Nord-Vorsitzende Barbara Müller sowie zahlreiche andere Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens sprachen sich im Rahmen der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt" für ein gewaltfreies Leben aus. Der Name der von der Stabsstelle Prävention und der Katholischen Frauenbewegung Wien gestarteten Aktion bezog sich auf den Zeitraum zwischen dem 25. November, dem Tag der Gewalt an Frauen, sowie dem 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte.

300.000 Frauen werden in Österreich pro Jahr von ihren Partnern oder Ex-Partnern misshandelt, berichtete die Leiterin der Stabsstelle für Missbrauchs- und Gewaltprävention, Kinder und Jugendschutz der Erzdiözese Wien, Martina Greiner-Lebenbauer, auf der diözesanen Internetseite. Weithin werde das Thema jedoch verdrängt oder verharmlost: Betroffenen falle es aufgrund von Schuld- oder Schamgefühlen schwer, Hilfe zu holen, zudem seien Hilfseinrichtungen wie der Frauennotruf 0800-222-555 oder Beratungsstellen zu wenig bekannt.

Die häufigste und am schwierigsten nachzuweisende Form von Gewalt an Frauen sei die psychische: "Hier haben es Betroffene nach wie vor sehr schwer, dass ihre subjektive Gewalterfahrung Gehör und Beachtung findet", so die Präventionsexpertin. Auch die Gewalt in Institutionen sei ein "komplexes Thema": "Es wird am Arbeitsplatz viel Druck und Zwang ausgeübt und erlebt. Aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust oder vor Mobbing trauen sich viele nichts zu sagen."

Wohl sei den meisten Menschen bewusst, dass sie täglich Grenzverletzungen rund um Gewalt erleben oder auch selbst ausüben, so die Einschätzung Greiner-Lebenbauers. Dass schwere Gewalt jedoch auch in der nächsten Nachbarschaft vorkommen kann, könnten sich viele nicht vorstellen. Häusliche Gewalt an Frauen gebe es jedoch überall, "nicht nur in der sogenannten Unterschicht oder in Migrationsfamilien". Pfarren und Kircheneinrichtungen hätten immer wieder mit Frauen, Kindern und auch Männern Kontakt, die Opfer seien. Die Stabsstellenleiterin seien hier "Seelsorger und Seelsorgerinnen, die für das Thema sensibel sind und so zu kompetenten Ansprechpartnern werden können". Viel Geduld in der Begleitung sei nötig - "sowie zugleich Klarheit, dass Gewalt nie zu tolerieren ist".

Darauf spielte auch Kardinal Schönborn in seiner Unterstützungserklärung für die Kampagne an, bei der er auf die Seelsorger verwies, die immer wieder zu Ansprechpartnern würden für Betroffene von Gewalt, die sich ihnen anvertrauen. Empathisches Zuhören sei hier eine erste große Unterstützung, konkrete Möglichkeiten der Hilfe könnten dann in einem weiteren Schritt gemeinsam überlegt werden. Besonders wies der Wiener Erzbischof dabei auch auf das Leid der Opfer von Menschenhandel hin. Sie würden "mitten unter uns leben", betonte Schönborn. Helfen könne man den Betroffenen u.a. "indem wir Organisationen gegen die Ausbeutung von Frauen unterstützen", wobei der Erzbischof explizit die Ordensinitiative "Solwodi" nannte.

Die diözesane Stabsstelle und die kfb wollten das Problem durch die Kampagne, die Teil der Aktion "Gewaltfrei Leben" der Autonomen Frauenhäuser ist, aus der Tabuzone holen. Auch das Thema des sexuellen Missbrauchs wurde in diesem Rahmen diskutiert - in Form eines Forumtheaters am Donnerstag, 3. Dezember, im Wiener Afro Asiatischen Institut, bei dem die Zuschauer in den Spielverlauf gestaltend eingreifen konnten. Für die Angestellten der Erzdiözese Wien ist für Frühjahr 2016 ein Workshop zum Thema "Dabeisein heißt beteiligt sein" anberaumt, wo vermittelt werden soll, wie man sicher und ohne Selbstgefährdung Zivilcourage zeigen kann bei jeglicher Gewalt im öffentlichen Raum.

KAP, Franz Vock

 

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