Samstag 18. November 2017
Gesellschaft

Krätzl: Christen können mit Hass und Terror umgehen

Emeritierter Weihbischof bei Barbarafeier in Matzen: Weihnachten mahnt zur Wachsamkeit gegenüber den Nöten der Menschen von Nebenan

WB Krätzl mit den Interessierten Festgästen bei der Barbarafeier.

 

Wir Christen sollten uns nach Ansicht von Weihbischof Helmut Krätzl den Gefahren erhobenen Hauptes stellen und auch gegenüber Völkermorden oder Terrorgefahr Zuversicht und Mut zeigen: "Nicht weil wir blauäugig sind, sondern weil wir an große Zusammenhänge denken, an einen Gott glauben, der am Anfang und am Ende alles Geschehen steht und weil wir in Jesus Christus auch den Weg gelernt haben, mit Hass und Terror umzugehen", erklärte der emeritierte Bischof am 29. November 2015 bei der 58. Barbara-Feier in der Erdölgemeinde Matzen, zu der die Katholische ArbeitnehmerInnen-Bewegung (KAB), die Pfarre und Marktgemeinde Matzen und die ÖMV-Austria unter dem Motto „Soziale Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft“ eingeladen hatte.

Entwaffnende Liebe und Vergebung – Nicht billige Verallgemeinerung 
Gegenüber den Feinden sollten sich Christen um Frieden bemühen, betonte Krätzl mit Blick auf das am 8. Dezember startende "Jahr der Barmherzigkeit". Schließlich sei die "Waffe Christi nicht Rache und Gegenschlag, sondern entwaffnende Liebe und Vergebung". Dass Kriege keine Probleme lösten, habe bereits die Vergangenheit gezeigt, so der Bischof unter Verweis auf die Irakkriege. Durchaus stehe es in der eigenen Kraft jedes einzelnen, Feindschaft, Spaltung, Unversöhnlichkeit in den engsten menschlichen Beziehungen, in Politik und sogar in der Kirche zu überwinden. Für Täter "und sogar für die Terroristen" sollte man beten, "dass ihnen bewusst wird, welches Unrecht sie tun".

Recht und Gerechtigkeit müsse dort neu erstehen, wo Weihnachten recht gefeiert wird, erklärte Krätzl; schließlich entfalte das Jahr der Barmherzigkeit gerade im Weihnachtsgeheimnis seine ganze Tiefe: "Bekommt Herbergssuche durch die Flüchtlinge nicht eine erschreckend neue Aktualität? Bekommt das vielfach beschworene Familienfest nicht ganz neue Schwestern und Brüder?" Nicht vom Ablass her, sondern von den Werken der Barmherzigkeit sei das Barmherzigkeits-Jahr zu verstehen, mache sich doch Gott gerade in den Menschen von Nebenan erkenntlich. Deshalb sei der einfühlsame Blick auf Nöte anderer nötig - auf jene der Flüchtlinge ebenso wie auf jene der 400.000 Arbeitslosen, der Kranken und Einsamen sowie auch der Arbeitskollegen und ihrer Familien.

Um dies zu verwirklichen, müsse man besonders wachsam sein, "vorurteilslos hinschauen" und beten, betonte Krätzl, der die Arbeit der KAB mehrfach würdigte. Dazu gehöre, "sich selbst eine Meinung bilden, und nicht von anderen, auch den Medien suggerieren lassen. Nicht Terroristen und Flüchtlinge in einem Atemzug nennen. Nüchtern erkennen, wo mit Angst und Hass politisches Kleingeld zu machen versucht wird. Nicht aus Panik versäumen, nach den Wurzeln zu suchen, aus denen lokale Kriege, Verfolgung wachsen, Flüchtlinge ihre Heimat verlassen müssen. Jede Art billiger Verallgemeinerung vermeiden", zählte der Bischof auf.

Der Geschäftsführer der OMV-Austria, Direktor DI Reinhard Oswald, bei seiner Ansprache.

 

Grußworte der Bürgermeisterin von Matzen, Claudia Weber, des KAB-Wien und KABÖ-Vorsitzenden Philipp Kuhlmann und des Geschäftsführers der OMV-Austria, Direktor DI Reinhard Oswald, rundeten die Feier ab.

 

KAP, Franz Vock

 

 

Soziale Verantwortung in Wirtschaft und Gesellschaft

WB Helmut Krätzl bei der Barbarafeier in der Pfarrkirche Matzen am 29. 11. 2015

 

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