Sonntag 19. November 2017
Gesellschaft

KMB forderte bei Fiesta Romero Aufstockung der EZA-Mittel

Vorsitzender Wimmer: Romeros Anliegen für soziale Gerechtigkeit ist „aktueller denn je“ - Minister Hundstorfer: „Bundesregierung muss bei EZA-Aufstockung Hausaufgaben erfüllen“

Mit einer "Fiesta Romero" gedachte die Katholische Männerbewegung Österreich (KMBÖ) am 20. November 2015 des im vergangenen Mai seliggesprochenen salvadorianischen Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero (1917-1980) und feierte gleichzeitig das 35-Jahr-Jubiläum des "Romero Preises", der seit 1980 von der entwicklungspolitischen Aktion "Sei so frei" der KMBÖ vergeben wird. An dem Festakt im Wiener "Haus der Industrie" nahmen u.a. auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Bischof Klaus Küng, KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer, KA-Wien Präsident Walter Rijs, Dompfarrer Toni Faber teil. Dabei stand die Forderung nach mehr staatlichen Geldern für die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) einmal mehr im Fokus der Reden.

Fiesta Romero

Foto: 6 Romero-PreisträgerInnen und KMBÖ Präsident  Leopold Wimmer:
v.l.n.r.: Pfarrer Josef Pichler (Romero-Preis 2002), Kaplan Helmut Buchegger (1984), Saria Amillen Anderson (2010), Msgr. Herbert Leuthner (1993), DI Dr. Leopold Wimmer (KMBÖ-Vorsitzender), Janira Jesus Souza da Franca  (1992), P. Gabriel Mejía (2008)

 

Menschen vor Ort Chancen zum Leben geben – Anhebung der EZA-Mittel wirkt

KMBÖ-Vorsitzender Leopold Wimmer sagte, Erzbischof Romeros Anliegen für soziale Gerechtigkeit seien heute "aktueller denn je". Man müsse sich daher das Schaffen Romeros immer wieder vor Augen führen. "Wir wollen den Menschen die es brauchen zur Seite stehen, egal ob es Flüchtlinge in unserem Land oder Menschen in den ärmsten Ländern der Welt sind", betonte Wimmer. Besonders in der Entwicklungszusammenarbeit ermögliche man durch die von der Aktion "Sei so frei" unterstützten Projekte "Hilfe zur Selbsthilfe".

 

Wimmer kritisierte die Höhe der staatlichen EZA-Ausgaben. "Wir appellieren dringend für eine Aufstockung der EZA-Mittel. Österreich ist in diesem Bereich weit hinterher", so Wimmer. Eine Anhebung sei auch eines der wirksamen Mittel gegen Flüchtlingsbewegungen. "Gerade Projekte, die Menschen vor Ort Chancen zum Leben geben, sind eine der wirksamsten Mechanismen, um Flüchtlingsbewegungen erst gar nicht in Gang kommen zu lassen."

 

Die Bundesregierung müsse bei der Aufstockung der EZA-Mittel ihre "Hausaufgabe erfüllen und aktiv werden", betonte Sozialminister Rudolf Hundstorfer, dem das Männerreferat untersteht, in seinen Grußworten. Man spreche viel über die Problematik ohne Handlungen zu setzen, hier müsse sich in Zukunft etwas ändern, so der SPÖ-Politiker. Die KMB würdigte er als Institution, die für soziale Gerechtigkeit stehe. Dies sei heute wichtiger denn je. Mitmenschlichkeit und Respekt prägten als Grundpfeiler nicht nur die KMB, sie seien auch in der Gesellschaft von großer Bedeutung, so Hundstorfer. Jeder könne einen Beitrag zu einem besseren Miteinander leisten, wenn er nur will, zeigte sich der Sozialminister überzeugt.

 

Romero-Preisträger-Projekte haben anhaltenden Erfolg

"Amazonas"-Bischof Erwin Kräutler, der seine Teilnahme absagen musste, bezeichnete in einer Videobotschaft an die Festgäste die entwicklungspolitische Arbeit der KMB als "ganz besonders wichtig. Wir müssen unsere Herzen öffnen und die Hände zueinander ausstrecken", so Kräutler, der 1988 selbst mit dem Romero-Preis ausgezeichnet wurde.

 

In einer Interviewrunde berichteten Romero-Preisträger früherer Jahre vom anhaltenden Erfolg ihrer Projekte. Pater Gabriel Mejia aus Kolumbien (Romero-Preis 2008) setzt sich für Straßenkinder ein, indem er ihnen Unterkunft in Heimen sowie Therapien anbietet. Das von ihm geleitete Projekt "Hogares Claret" helfe 4.500 Kindern und Jugendlichen. Viele davon seien direkt oder indirekt durch die Gewalt betroffen, schilderte Mejia, der dem Claretinerorden angehört.

 

In der von der Brasilianerin Janira Souza da Franca (Romero-Preis 1992) gegründeten Agrarfachschule "Escola Agricola Comunitaria Margarida Alves" (EACMA) wird den Menschen der Umgang mit umweltschonenden und effizienten Agrartechnologien näher gebracht. Gleichzeitig setzt sie sich in Prozessen für die Rechte der indigenen Bevölkerung und gegen Landraub ein.

 

Saria Amillen Anderson (Romero-Preis 2010) versucht zur Verbesserung der Lebensbedingungen in ihrer Heimat Tansania beizutragen. Ihr Projekt, von dem in den vergangenen 15 Jahren mehr als 100.000 Menschen profitiert haben - fördert den Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Produktion eigener Lebensmittel, Wiederaufforstung und die Auseinandersetzung mit dem Tabuthema HIV/Aids. Eine eindrucksvolle Filmpräsentation über Romeros Leben, eine EZA-Kaffeeverkostung, die Übergabe von Jubiläumsgeschenken sowie südamerikanische Musik rundeten das Programm ab.

 

Der mit 10.000 Euro dotierte Oscar-Romero-Preis Preis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in Österreich. Heuer wurde die Vergabe des Preises nach KMBÖ-Angaben mit Blick auf das 35-Jahr-Jubiläum bewusst ausgesetzt. Künftig wolle man die Auszeichnung noch stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern.

 

KAP/Franz Vock

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