Mittwoch 22. November 2017
Gesellschaft

Solidarität und Zusammenrücken

forderte Kardinal Schönborn angesichts der Flüchtlingswelle bei der 111. Männerwallfahrt nach Klosterneuburg  und würdigte dabei auch das vielfältige Wirken der Ordensgemeinschaften.

Ordensregeln sind „eine Schule der Menschlichkeit“

Die großen Ordensregeln, an die bei der Männerwallfahrt erinnert wurde, seien „eine Schule der Menschlichkeit“. „Das Evangelium ist die Ur-Regel“, betonte der Kardinal, es ist „die Lebens-Regel, die Jesus uns im Evangelium gegeben hat“. Die große Kraft der Ordensregeln sei ungebrochen. Anhand der Benedikt-Regel orientierten sich Management-Kurse, die Regel des hl. Franziskus mit ihrer Zuwendung zur Schöpfung und zu den Notleidenden und Armen habe durch Papst Franziskus eine neue Aktualität erfahren. Das Wirken der Barmherzigen Brüder habe auch das öffentliche Spitalswesen geprägt, die Regel der Taize-Gemeinschaft wiederum fasziniere besonders junge Menschen. Den Augustiner-Chorherren des Stiftes Klosterneuburg dankte Schönborn besonders für das seelsorgliche Engagement.

Foto: Betend und singend ziehen die wallfahrenden Männer mit
Kardinal Schönborn die Agnesgasse in Klosterneuburg hinauf

 

 

Nicht Richten

Das  die Wallfahrt prägende Evangelium (Matthäus 7,1-5.12.21) biete drei Lebensregeln: Nicht zu richten, nicht zu heucheln und die sogenannte „Goldene Regel“.  Der Verzicht auf das Richten meine keinen Verzicht auf jegliches Urteil, kein Ja und Amen zu alles. „Wir richten so leicht“, sagte der Erzbischof, der an die klassische Unterscheidung erinnerte, „den Sünder nicht zu verurteilen und dabei aber auch nicht die Sünde zu verharmlosen“, denn jede Regel habe zwei Stoßrichtungen: „Eine betrifft uns ganz persönlich, die andere unsere Gemeinschaft“.

 

Gesellschaftspolitisch hätten sich die Bischöfe gegen das „levelling up" beim Gleichbehandlungsgesetz gewehrt. Die angepeilte Einschränkung der Vertragsfreiheit wäre ein „tiefer Eingriff in die bürgerlichen und zivilen Rechte“, sagte der Kardinal: „Die Kirche hat auch die Aufgabe, auf die bürgerlichen Rechte zu achten.“ Im Hinblick auf die sogenannte Homo-Ehe sei er dankbar, dass „bisher ein maßvoller Weg“ gegangen werden konnte. Es sei vielleicht aufgefallen, gegen das Partnerschaftsgesetz habe die Bischofskonferenz „keine wesentlichen Einsprüche erhoben. Es ist legitim, dass Menschen ihre zivilrechtlichen Dinge regeln können“, sagte der Kardinal. Österreichs Bischöfe hätten sich aber entschieden dagegen gewehrt, die Homo-Ehe „mit der Ehe gleich zu stellen. Es geht nicht darum, über persönliche Entscheidungen von Menschen zu richten, aber darum, die Ehe als grundlegende Institution zu schützen“, so Schönborn.

 

Nicht heucheln und die „Goldene Regel“

„Wir sind Meister im Feststellen der Fehler der anderen“,  sagte der Erzbischof: „Die Heuchelei ist der Fehler, den Jesus am meisten kritisiert. Wir müssen uns sehr als Katholiken vor der Heuchelei hüten“. Es gehe um Wahrhaftigkeit. Wichtig sei der „klare Blick“ auf die größeren Zusammenhänge. „Sind wir uns bewusst, wie viel auf uns jetzt, auf Europa zukommt, wieviel auch Europas Schuld ist?“, fragte Schönborn und ergänzte: „Das ist entstanden, da in vielen Teilen der Welt massives Unrecht passiert“.

 

Jesus habe die sogenannte „Goldene Regel“ positiv formuliert: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“  Schönborn erinnerte in diesem Zusammenhang an die Flüchtlingswelle. Auch er sei mit seiner Familie 1945 als Flüchtling nach Österreich gekommen. „Freiwillig verlässt keiner seine Heimat“, betonte der Erzbischof: „Wie dankbar waren wir, dass Menschen, Familien zusammengerückt sind. Das war auch nicht immer leicht für sie, aber sie haben es getan. Sie haben zusammengerückt, damit noch eine Familie Platz hat“, so Schönborn.

 

Auch angesichts der gegenwärtigen politischen Lage, der steigenden Arbeitslosigkeit und „weil der wirtschaftliche Wohlstand hoch ist, den wir so aber nicht werden halten können, schon deshalb werden wir Zusammenrücken müssen“, sagte der Kardinal.  Die „Tugend der Solidarität“ stärke den Zusammenhalt. Die Katholiken seien heraus gefordert, „nicht nur Herr, Herr“, zu sagen, sondern ihren Auftrag auch konkret zu leben. „Bitten wir Ihn, das dieses Bekenntnis gedeckt sei“, schloss Schönborn, worauf die Männer spontan mit lang anhaltendem Applaus antworteten.

 

Barmherzigkeit – bei den Flüchtlingen liegt „die Vernunft in der Mitte“

Der Diözesanobmann der Katholischen Männerbewegung, Helmut Wieser, forderte Glaubwürdigkeit im Umgang miteinander und Barmherzigkeit gegenüber den in ihren Ehen Gescheiterten ein.  Auch in der Flüchtlings-Frage liege „die Vernunft in der Mitte“. Wieser ehrte in Anwesenheit des Ersten Präsidenten des Niederösterreichischen Landtags, Ing. Johann Penz, den NR-Abg. a.D. Josef Höchtl für seine 40-jährige Beteiligung an der Diözesan-Männerwallfahrt. Für sein langjähriges unentgeltliches designen des Wallfahrtsheftes wurde Diakon Ing. Peter Ernst mit dem Silbernen Ehrenzeichen der KMB ausgezeichnet. Den schon „ausdekorierten“ langjährigen Geistlichen Assistenten der KMB, Ekan. Msgr. Willibald Steiner und Msgr. Franz Wilfinger überreichte Wieser jeweils ein „Schnitzwerk vom Landesheiligen“. Und Propst Bernhard Backovsky erhielt  für seine Verdienste das Ehrenzeichen der KMB in Gold. Backovsky seinerseits überreichte dem Kardinal den „Leopoldipfennig“ für sein „Bedenken und Bedanken“.

 

Diözesanobmann Wieser freute sich, zu Beginn der Wallfahrt neben dem 1. Präsident des Niederösterreichischen Landtags, Ing. Johann Penz, auch NR-Abg. Johannes Schmuckenschlager, den Bürgermeister von Klosterneuburg, Stefan Schmuckenschlager, NR-Abg. a.D. Josef Höchtl, KMBÖ-Vorsitzenden Leopold Wimmer und KA-Wien Präsident Walter Rijs begrüßen zu können.

 

Stefan Kronthaler, Franz Vock

 

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