Freitag 24. November 2017
Gesellschaft

Österreicher- und SlowakInnen wollen an den Unterschieden wachsen

Vom familiärem Miteinander wurde 25. Österreich-slowakische Kulturwoche geprägt

Ruhe, Besinnung, Ehrlichkeit, Begegnungen, Anregungen, Freude, Gemeinschaft, Humor, Lachen, Spaß, Inspiration, Überraschungen, Brücken bauen und eine schöne Woche, das waren einige der Erwartungen der rund 80 TeilnehmerInnen aus Österreich und der Slowakei, die auf Einladung des Katholischen Bildungswerks der ED Wien, der Katholischen Frauenbewegung der ED Wien, des Forums Katholischer Erwachsenenbildung und des Instituts des heiligen Franz von Sales für Erziehung und Bildung in Brezno zur 25. Slowakisch-Österreichischen Seminar- und Kulturwoche vom 26. Juli bis 1. August 2015 ins Familien-Ferienhaus Skutovky in Liptovská Osada, bei Ruzomberok, gekommen waren, um sich dem Thema die „´Heilige Familie´ – im Abseits? Spiritualität und Beziehungen im Lauf unseres Lebens“ zu stellen.

 

Den Glauben weitergeben

Mit christliche Familie, im Glauben Unterwegs sein in unterschiedlichen Lebensphasen, dessen Weitergabe an die nächste Generation und ihrem Beitrag zur Gestaltung einer familienfreundlichen Gesellschaft befassten sich die aus dem Wein-, Industrieviertel und Wien angereisten Familien, Paare und Alleinstehenden. Die bevorstehende 2. Familiensynode im Vatikan im Oktober war sehr gegenwärtig.

 

Viele starteten mit einem abwechselnd von Österreichern und Slowaken gestalteten Morgenlob in den Tag. Das stand im Zeichen von Heiligen oder Seligen wie Theresa von Avila, Hildegard Burjan, Franz von Assisi oder eines Don Bosco mit biografischen Impulsen, Texten, Liedern und Tänzen. Durch eine sehr gute umfassende Übersetzung konnten sich die TeilnehmerInnen jederzeit an den Geschehnissen beteiligen.

 

Mit Referaten, Arbeitskreisen und Diskussionen wurde das Tagungsthema nach dem Frühstück beleuchtet. Eine „Biblische Sicht auf die Familie“ skizzierte Diakon Rafael Ambros, Leiter des Instituts des Heiligen Franz von Sales für Erziehung und Bildung in Brezno. Marek Iskra, Direktor des Pastoralen Zentrums für Familien der Diözese Banská Bystrica, nahm die „Kultur der Familien“ in den Blick. Die beiden christl. Grundhaltungen, Christi Liebe aufnehmen und ihm dienen, zeigte der am Pastoralen Zentrum der Katholischen Universität in Ruzomberok unterrichtenden Róbert Slotka an der Geschichte von Martha und Maria. Und mit zahlreichen sehr persönlichen Zeugnissen machte das von der weltweiten christlichen Gemeinschaft Marriage Encounter geprägte Ehepaar Elisabeth und Klaus Pollheimer aus Mödling, „Den Glauben in der Familie weitergeben“ praktisch erfahrbar. Als der in vielen Obdachlosen- und Sozialprojekten engagierte slowakische Priester Kufra die unterschiedlich gelebten Rollen von Mann und Frau in der Familie ansprach, gab es einige Irritation und großen Gesprächsbedarf.

 

„Auch wenn es Unterschiede gibt, wir können daran wachsen“

Einen neuen Blick auf die zahlreichen Alleinstehenden in der Kirche richteten die an den Universitäten Banská Bystrica und Ruzomberok Pastoral- und Klinische Psychologie unterrichtende Mária Homolová, der langjährige Caritas Wien Mitarbeiter Peter Jünnemann und der Wiener Krankenhausseelsorger und Priester Franz Reiter. Dabei war Alleinsein als „Geschenk“ zu sehen, „für andre Menschen da sein“ und vom „biologischen Familienbild zu einer größeren Solidargemeinschaft auf schließen“ der Tenor.

 

Vielfältige Freizeitaktivitäten erfolgten nach dem Mittagessen und einer Ruhepause am Nachmittag je nach Initiative der InteressentInnen – von Ausflügen, Wandern, Sport bis zu Gesang oder Tanz. Ganztägig nutzten die Kinder gerne die Spielplätze vor dem Haus. Nach der Eucharistiefeier am späten Nachmittag und dem Abendessen klang der Tag  in der Bar oder bei Kamingesprächen über Gott und die Welt bei köstlichem slowakischem Bier oder Wein aus. Unverkennbar war das familiäre Miteinander der Menschen.

 

Einer der Höhepunkte war der ganztägige Autobusausflug zum Wallfahrtsort Stare Hory (Basilika minor) und zum neu errichteten einzigen Benediktinerkloster in Sambor, wo mit dem Symposion „Kultur, Glaube und Identität im Donauraum“ die 25 Jahre der Slowakisch-Österreichischen Kulturwochen gefeiert wurde. Beim Kulturabend wurde gesungen, getanzt, trompetet und anspruchsvolle Gedichte von Ilse Brem, Milan Rúfus bis Pavel Strauß vorgetragen. Eine Quelle dafür war die 2007 von dem KAV-Mitarbeiter Wolfgang Spitaler im Wiener Dom-Verlag herausgegebene zweisprachige Anthologie „Leben besinnen /Dat' zmysel zivotu“ mit Texten aus slowakischer und österreichischer Dichtung, die er selbst auch auf Deutsch übersetzt hatte. Feurige Musik von einer slowakischen Roma-Gruppe prägte den Abschiedsabend, an dem auch Spitalers 80. Geburtstag mit einer großen Gebutstagstorte von jung und alt ausgiebig gefeiert wurde.

 

Viele der anfänglichen Erwartungen gingen mit der Woche in Erfüllung. Ein langjähriger österreichischer Besucher sagte abschließend: „Mich beglückt jedes Jahr diese wunderbare Atmosphäre. Sie ist Voraussetzung, auch über persönliche und intime Sachen reden zu können“. Eine engagierte slowakische Mitarbeiterin meinte erleichtert: „Ich bin glücklich, dass das hinter uns ist. Ich habe Friede und Liebe gefunden, auch Freundschaft“. Und eine junge Frau fügte dazu: „Auch wenn es Unterschiede gibt, können wir vereint sein. Mir hat die ganze Atmosphäre gefallen, wir können daran wachsen“. Gab es zu Beginn der Woche noch die Frage, ob die Wochen fortgesetzt werden, so stand am Ende nur noch „wie weitermachen“ im Raum.

 

Franz Vock

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