Sonntag 19. November 2017
Gesellschaft

Vision führte zu Brückenbau über Grenzen hinweg

Bischof Paul Iby würdigte  „Verdienst von Bischof Stephan László“ für das friedliche Zusammenleben im Donauraum bei der 25. Slowakisch-Österreichischen Seminar- und Kulturwoche in Sombor, Sk.

„Das friedliche Zusammenleben der Deutschsprachigen, Kroaten, Ungarn, Sinti und Roma im Burgenland ist das Verdienst von Bischof Stephan László", sagte sein Nachfolger, Bischof Paul Iby, beim Jubiläums- Symposion „Kultur, Glaube und Identität im Donauraum“ anlässlich der 25. Slowakisch-Österreichischen Seminar- und Kulturwoche. Rund 80 TeilnehmerInnen aus Österreich und der Slowakei nahmen auf Einladung  des Katholischen Bildungswerks Wien (KBW), der Katholischen Frauenbewegung der ED Wien, des Forums Katholischer Erwachsenenbildung und des Instituts des Heiligen Franz von Sales für Erziehung und Bildung in Brezno, am 29. Juli 2015 in dem neu gegründeten und bisher einzigen Benediktinerkloster in der Slowakei in dem kleinen Dorf Sampor nahe Zvolen, Mittelslowaiei, an der Feier teil.

Familien mit Kindern und Alleinstehende aus Österreich und der Slowakei engagieren sich seit 25 Jahren für den Brückenbau zwischen Menschen und Regionen. Hier im Bild mit Bischof Paul Iby beim Symposion in Sombor, Slowakei, anlässlich des Jubiläums.

 

Bischof László Grundsatz: „Das Eigene lieben und das Andere schätzen“

„Das Eigene lieben und das Andere schätzen“, war der Grundsatz von Bischof László, unterstrich Iby in seinen Ausführungen über "Das Miteinander der unterschiedlichen Ethnien, Kulturen und Religionen im Burgenland".  László war in Preßburg/ Bratislava getauft worden, wuchs durch seinen ungarischsprachigen Vater und seine kroatischsprachige Mutter dreisprachig auf und leitete als erster Bischof die 1960 neu errichtete Diözese Eisenstadt. Das 2. Vatikanische Konzil mit der Einführung der Muttersprache bei den Gottesdiensten und die Österreich Synode 1974, wo von gleichberechtigten Volksgruppen die Rede war, war ihm da zu Hilfe gekommen, so Iby.

 

„Ihr müsst eure Muttersprache behalten“, habe László die Volksgruppen immer wieder ermutigt, berichtete Iby. Dieses Miteinander zeige sich bei Wallfahrten, wo László z. B. darauf bestand, das kroatische Lieder, Texte und Fürbitten dabei seien. Auch bei diözesanen Gottesdiensten bestand László z.B. auf kroatische oder romaneske Teile. 1993 wurden die Roma von der Republik Österreich als autochtone Volksgruppe anerkannt. Nach dem Attentat auf vier Roma 1995 wurde diese Volksgruppe vermehrt beachtet und erhielt eine bessere Schulbildung, wodurch die Diskriminierung sank. Heute gebe es in Oberwart ein dreisprachiges Gymnasium mit Deutsch, Kroatisch und Ungarisch, aber auch eine deutschsprachige und eine kroatische Kirchenzeitung, die wöchentlich erscheine, resümierte Iby.

 

Zur Entwicklung des Christentums im Donauraum – oder: Wo sind die Wurzeln meines Glaubens?

In den ersten Jahrhunderten nach Christi erfolgte die Verbreitung des Christentums im Donauraum durch römische Soldaten und 828 nach Christus die erste Kirchengründung in Nitra in der Slowakei, berichtete der Theologe Manfred Zeller vom KBW Wien bei seinem Vortrag „Über die Entwicklung des Christentums im Donauraum“ und fragte: „Wo liegen die Wurzeln deines Glaubens? Hast du ihn übernommen?“

 

Zeller zeigte an Hand der Fahnen, viele heutige Strukturen gehen auf das Frankenreich zurück (Adler). Von Deutschland, Salzburg und Passau, wurden viele Diözesen gegründet, deren Hoheitsgebiete sich bis in die Slowakei erstreckten. Das oströmische  Reich (Doppelkreuz) sandte auf Bitte des großmährischen Fürsten Rastislav 862 die aus Saloniki stammenden Brüder Cyril und Method zur Glaubensverkündigung, die sich für die Übersetzung der Bibel in die Slawische Landessprache einsetzten. Immer wieder gab es aber Kämpfe innerhalb des Christentums (Trennung der Ost- von der Westkirche 1054, Hussitenkriege,  Reformation und Gegen-) und solche, die von außen bedingt waren (Ausbreitung des Osmanischen Reiches). Nach der Rückeroberung des osmanischen Ungarn 1683 gab es zum Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie christliche Seelsorger, jüdische Rabbi und muslimische Imame in der Armee.  Wo hast du in deinem Glauben Kämpfe erlebt? In deinem Inneren, und wo von außen bedingt, gab Zeller zum Nachdenken.

 

In Österreich versuche die Kirche nun nach dem Verlust von Autorität, Einfluss und Mitgliederzahlen sowie einer in Gang befindlichen Umstrukturierung sich in einer modenen selbständigen Welt zurecht zu finden. In der Slowakei habe die Kirche seit 1993 viel an Eigentum wieder bekommen und sei durch die neue Freiheit erstarkt, habe aber auch manche Differenzen mit Rom. Wir lebst du aus deinem Glauben mit anderen Menschen zusammen - was tust du für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft, fragte Zeller.

 

Slowakisches Benediktinerkloster „Verklärung Christi“ sieht Gastfreundschaft als zentrale Aufgabe 

„Kommt und Seht“ diese Einladung Jesu steht über dem Eingang zur Kirche des bisher einzigen und neu erbauten Benediktinerklosters „Verklärung Christi“ im kleinen Dorf Sambor nahe Zvolen in der Mittelslowakei und bildete auch einen würdigen und sehr passenden Rahmen für das Symposion. Diese Vision eines neuen kirchlichen Lebens in der Slowakei stand am Beginn, als im Jahre 1997 die Idee aufkam, ein neues Benediktinerkloster in der Slowakei zu gründen. Wenn auch die benediktinischen Wurzeln in der Slowakei bis ins 11. Jahrhundert zurück reichen und es im 17. Jahrhundert 40-50 Klöster in der Slowakei gab, so war in der Zeit des Kommunismus dennoch vieles zum Erliegen gekommen.

 

Das Benediktinerkloster Tyniec nahe Krakau war schließlich bereit Starthilfe zu geben, als  zwei slowakische Mönche unter Leitung eines polnischen Benediktiners 2003 mit der konkreten Arbeit begannen. Zwei Grundstücke wurden ihnen geschenkt. Eines davon war ein „katholisches Grundstück im protestantischen Dorf“ Sambor, das ein „Zentrum des Kommunismus in der Region Banská Bystrica“ war, wie einer der Patres erzählte. 2006 wurde der Neubau in Angriff genommen und am 26. Mai 2010 das erste Benediktinerkloster in der neu entstandenen Republik Slowakei feierlich eröffnet. Seit 2013 ist Sambor nun ein von Krakau unabhängiges Priorat, in dem gegenwärtig elf slowakische Benediktiner und ein Novize leben.

 

Als zentrale Aufgabe sehen sie Gastfreundschaft anzubieten. 12 Gästezimmer gibt es dafür bereits. Die im Bau befindliche Klausur wird für 36 Mönche ausgelegt. Und ihre Vision für die Gästezimmer besteht darin, „einen ganzen Autobus annehmen“ zu können. Sand und Glas (= eine Veredelungsform von Sand) sind die Grundmaterialien bei der Ausstattung der Kirche, die sehr einfach gehalten ist.

 

Brücken-schlagen „hat sich gelohnt. Wir haben viel gestalten können“

Nach der Revolution waren Im Frühjahr 1990 der damalige KBW Wien Leiter Peter Eichler mit seiner Frau Barbara nach Bratislava gereist, wo auf Vermittlung des slowakischen Parlamentsabgeordneten Frantisek Miklosko ein Gespräch mit dem späteren Diakon Rafael Ambros erfolgte.  Sollte nach 10 Jahren Schluss sein, so setzten sich auf österreichischer Seite Leute wie Beatrix Schultes, KBW, Elfriede Laichmann, kfb, oder Peter Jünnemann, Caritas, für eine Fortführung der Seminarwochen ein. Der Beitritt zur EU und dann in die Eurozone waren die nächsten Ziele. Die ehemalige Vorsitzende der kfb Wien Stadt, Elfriede Laichmann, dankte bei der Feier den slowakischen TeilnehmerInnen für „die gute Aufnahme und für die vielen schönen Tage die wir hier verbringen durften“ und  bekräftigte: „Die Politische Wende war auch für Österreich bedeutend“.  Sie resümierte später: „Es hat sich gelohnt. Wir haben viel Schönes, Gemeinsames erlebt und gestalten können. Zum Beispiel haben wir besonders auf den arbeitsfreien Sonntag aufmerksam gemacht“.

Der langjährige Caritas Wien Mitarbeiter und seit Beginn der Sommerwochen engagierte Peter Jünnemann wies darauf hin: „In den letzten Jahren sind unter den TeilnehmerInnen und ´Stammgästen´ der Seminarwochen über die Grenzen hinweg Freundschaften entstanden. (Sie) …. sind vor allem Wochen der Begegnung von Menschen aus Ost und West, die bis zur Wende im Jahre 1989 nicht möglich war“.  Der Eiserne Vorhang sei zwar gefallen, und die Slowakei seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und seit 2009 der Eurozone, doch „leider aber immer noch nicht alle Barrieren in den Köpfen der Menschen“. Nach wie vor gebe es „ein beschämendes Desinteresse vieler ÖsterreicherInnen am Schicksal unseres Nachbarlandes und seiner Bewohner, an Geschichte, Landschaft, Kultur und Sprache. … Damit verzichten sie aber auf die Vorzüge eines ´sanften Tourismus´und auf bereichernde persönliche Begegnungen mit den liebenswürdigen und bescheidenen Menschen unseres Nachbarlandes.“ Jünnemann schloss: „Ohne die Familie Ambros würde es diese Veranstaltungen nicht geben“.  Rafael Ambros antwortete darauf in seiner Ansprache mit sehr persönlichen Glaubenserfahrungen aus seiner Familie, was viele mit Hoffnung erfüllte.

 

Die Teilnahme an den Stundengebeten der Mönche, deren großzügige Gastfreundschaft beim Mittag- und Abendessen, aber auch eine Bild-Präsentation über die Seminarwochen von 1990 bis 2015, wo auch der bereits 10 verstorbenen SeminarbesucherInnen gedacht wurde, rundete das Symposion ab. „Freundschaft, Gemeinschaft, Brückenschlagen“, waren zu Beginn der Woche als einige der Erwartungen genannt worden; Und ein familiärer Geist, der von den ´Stammgästen´ aus- und nahtlos auf die Neu-hinzugekommenen überging, waren für alle  bis in Kleinigkeiten hinein erlebbar.                                                                           

Franz Vock

Zum Referat Glaube im Donauraum

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