Sonntag 19. November 2017
Gesellschaft

Papst fordert ökologische Umkehr. Kommentar zur Enzyklika.

Enzyklika in der Sprache "sehr behutsam; trotzdem legt Franziskus gelassen aber sehr deutlich den Finger auf die vielen Wunden".

Als eine "Enzyklika der entschiedenen Achtsamkeit", in der Papst Franziskus "gelassen aber trotzdem sehr deutlich den Finger auf die vielen Wunden des 'gemeinsamen Hauses' legt" und die Verantwortung des Einzelnen aber auch globale Regulierungen einmahnt, hat Hemma Opis-Pieber in ihrer Funktion als Sprecherin der kirchlichen Umweltbeauftragten Österreichs die Öko-Enzyklika "Laudato si" gewürdigt.

 

Zentral sei die Forderung nach einer "ökologischen Umkehr", die Franziskus den Menschen auch zutraue. "Das Menschenbild der Enzyklika ist - obwohl es unsere Schuld an der Misere nicht verschweigt - positiv, liebevoll und zutrauend", so Opis-Pieber in einer ersten Stellungnahme.

 

Ökologische Umkehr braucht neue Bewusstseinsbildung

Mit "großem Respekt" betrachten die Umweltbeauftragten den weiten Bogen, den der Papst spannt: Vom persönlichen Lebensstil bis hin zu dringend nötigen globalen Regelungen. Opis-Pieber teilt die Einschätzung Franziskus', dass eine "ökologische Umkehr" nur über eine neue Bewusstseinsbildung der Menschen laufen könne. "Es wird keine neu Beziehung zur Natur geben ohne einen neuen Menschen". Franziskus fordere eine Abkehr von Konsumgier und dem "Streben nach immer mehr", als Gegenentwurf zeichne er das Bild eines genügsamen Menschen, der sich in seinem Inneren "mit allem verbunden weiß" und von daher jedes schädigende Verhalten vermeide.
Insgesamt sei sie froh und dankbar, "dass die Bewahrung der Schöpfung ganz dezidiert und ausdrücklich in die Mitte unseres Glaubens und Lebens gerückt wird." Dort gehöre sie nämlich hin, "zumindest so lange Not herrscht, die unsere Mitgeschöpfe betrifft und schädigt". Der Papst zeige klar: "Schöpfungsverantwortung bedeutet nicht, noch was dazu zu machen, sie ist kein beliebiges Hobby, sondern Nächstenliebe in einer hochkonzentrierten Form." Insofern nehme der Papst mit seiner Enzyklika "uns freundlich aber bestimmt die Scheuklappen von den Augen", so die Sprecherin der Umweltbeauftragten.

 

Wohltat für alle Umweltengagierten

Markus Gerhartinger, der Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien ergänzt: "Die Enzyklika ist eine Wohltat für alle Umweltengagierten in den Pfarren und kirchlichen Einrichtungen. Besonders angesprochen hat mich der Gedanke der 'ökologischen Umkehr' und dass der Papst ganz deutlich davon spricht, dass die Sorge für das gemeinsame Haus alle Menschen angeht. Wohltuend ist auch die behutsame aber klare Sprache und das grundsätzliche Vertrauen in die Fähigkeit des Menschen, das Gute zu erkennen, zu wollen und umzusetzen.
Alle Umweltbeauftragten seien auch künftig dazu bereit, die österreichischen Kirchen bei der konkreten Umsetzung dessen, was Franziskus in seiner Enzyklika fordert, zu unterstützen. In den österreichischen Pfarren gebe es bereits viele "tolle Projekte und Initiativen, vom Autofasten über das Fleischfasten bis hin zu den Umwelt-Pfarrgemeinderäten". Dringend nötig seien aber verbindliche ökologische Leitlinien für alle Diözesen - diese gebe es zurzeit nämlich nur in Linz und Salzburg.

 

Enzyklika ist "Stachel im Fleisch der Mächtigen"

Die Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus ist "ein Stachel im Fleisch der Mächtigen und Verantwortlichen - in Österreich, in der EU und weltweit": Das hat die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) mit Blick auf die aus ihrer Sicht unumgängliche Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft hin zu Klima- und sozialer Gerechtigkeit festgestellt. Verantwortungsträger in aller Welt seien hier gefordert. Das Papstschreiben sei aber auch "ein Mutmacher für uns alle, dass ein gutes Leben für alle Menschen möglich ist", heißt es in der ksoe-Aussendung am Donnerstag. "Das Dokument ist von Zuversicht getragen."
"Laudato si" sei in mehrfacher Hinsicht innovativ, erklärte ksoe-Leiterin Magdalena Holztrattner: Das Rundschreiben sei viel mehr als nur eine "Öko"-Enzyklika, denn: "Aus christlicher Sicht ist die Erde ein gemeinsames Haus, und der Mensch dazu berufen, mit diesem sorgsam umzugehen anstatt dieses zu beherrschen." Zentrales Anliegen von Papst Franziskus sei ein würdiges Leben und eine nachhaltige Entwicklung für alle Menschen in Einklang mit der Schöpfung. Aus dieser Perspektive sind laut Holztrattner Ökologie und Soziales weltweit untrennbar verbunden. "Ökologisches Handeln ist als eine Frage der Gerechtigkeit zu verstehen."
Die ksoe sieht darin "Soziallehre in progress": Bisherige Anliegen der Soziallehre würden aus der Perspektive von heute weiter vertieft und konkretisiert: Wasser, Ozeane, Wälder oder die Atmosphäre werden als globale Gemeingüter betrachten. Zugleich unterstreiche die Tatsache, dass das Dokument mit den Worten des "Sonnengesangs" des heiligen Franziskus beginnt, den "zutiefst spirituellen Charakter des Rundschreibens".

erstellt von: red/kap
18.06.2015

 

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