Montag 20. November 2017
Gesellschaft

Erwerbsarbeit "geschlechtergerecht" verteilen

kfb-Vorsitzende Haas fordert Arbeitszeitverkürzung auf etwa 30 Stunden als Antwort auf "Gender Gap"

Wien, 18.02.2015 (KAP) Die "geschlechtergerechte Verteilung von Erwerbsarbeit" hat die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) eingefordert. Der nach wie vor bestehende "Gender Gap" - also die Ungleichverteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Sorge- und Hausarbeit zwischen Frauen und Männern - erfordere eine "generelle Arbeitszeitverkürzung auf etwa 30 Stunden, flankiert von Maßnahmen zugunsten existenzsichernder Löhne", so die kfbö-Vorsitzende Barbara Haas im Vorfeld der kommende Woche stattfindenden Armutskonferenz.

Das vorhandene Erwerbsarbeitsvolumen müsse fairer verteilt werden, "derzeit läuft Arbeitszeitverkürzung de facto über die Frauen": 44,4 Prozent aller erwerbstätigen Frauen, aber nur 7,8 Prozent aller erwerbstätigen Männer sind gegenwärtig teilzeitbeschäftigt, berief sich die kfbö auf die Statistik Austria. Gleichzeitig würden zwei Drittel der unbezahlten Haus-, Pflege- und Betreuungsarbeit von Frauen verrichtet. Um Armut von Frauen sowohl vor als auch nach ihrem Pensionsantritt zu vermeiden, brauche es hier gegensteuernde Maßnahmen, urgierte Haas.

Frauen würden deswegen in Teilzeit arbeiten, weil sie privat Sorgearbeit leisten. Haas verwies auf die Teilzeitquote bei den 25- bis 49-jährigen Frauen, die sogar bei rund 70 Prozent liege. 2002 habe die Teilzeitquote von Frauen insgesamt noch 35 Prozent betragen, die Tendenz zu weiblicher Nichtvollbeschäftigung steige also.

Die geforderte Arbeitszeitverkürzung muss nach Überzeugung der Katholischen Frauenbewegung "zwangsläufig mit einer Neuverteilung von privater Sorgearbeit einhergehen". Die staatliche Verantwortung für Pflege- und Betreuungsarbeit dürfe dabei nicht aus dem Blick geraten: Es gelte, leistbare, professionelle Angebote mit existenzsichernder Entlohnung der Beschäftigten zu schaffen. Zwei Drittel aller Beschäftigten in der Care-Branche sind laut kfbö derzeit Frauen. Die verhältnismäßig niedrigen Löhne in diesen Arbeitsbereichen seien "ein wesentlicher Faktor für die nach wie vor klaffende Schere bei den Einkommen zwischen Frauen und Männern".

Von der "Arbeit" zur "Tätigkeit"
Der Arbeitsbegriff muss nach Überzeugung der Frauenbewegung grundsätzlich neu gedacht werden. Haas möchte den Blick von der "Arbeit" auf das "Tätig-Sein" von Menschen gelenkt wissen und dieses Tätig-Sein aufgewertet: "Frauen wie Männern sollte es möglich sein, sowohl Erwerbsarbeit als auch Sorge-, Haus- oder Gemeinwesenarbeit zu leisten, ohne dabei ihre materielle Existenz zu gefährden." Ziel sei letztlich "ein gutes Leben für alle".

Ein Paradigmenwechsel sei schon allein vor dem Hintergrund der regelmäßig wiederkehrenden Debatte um eine Anhebung des Pensionsantrittsalters dringend notwendig. Barbara Haas: "Wenn Menschen länger arbeiten sollen, bleibt weniger zum Verteilen."

 

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