Sonntag 19. November 2017
Freier Sonntag

Freier Sonntag für Gesundheit wichtig

Grazer Wissenschaftler Moser: Sieben-Tage-Woche dient der "Wiederfindung des Organismus" - AK-Expertin Lutz: Vermögenszuwachs der Superreichen verringert bei Arbeitnehmern soziale Sicherheit und freie Zeit - Sonntagsallianz kritisiert EU-Forcierung der "Solo-Selbstständigkeit"

 

 

 Fotocredit: Karoline Bloderer, Allianz für den freien Sonntag

 

Die "soziale Woche" von sieben Tagen ist aus medizinischer Sicht "absolut sinnvoll" und "genauso wichtig wie der Tagesrhythmus": Das hat der Chronobiologe Maximilian Moser am Dienstag, den 5. April 2016 bei der Vollversammlung der Allianz für den Freien Sonntag Österreich in Wien dargelegt. Das Eintreten für gemeinsame freie Zeiten sei deshalb "für die Gesundheit der Menschen von größter Bedeutung", so der Forscher von der Medizinischen Universität Graz.

Zwar sei der Wochenrhythmus laut Moser noch nicht so gut erforscht wie der Tagesrhythmus, dessen Störung durch Schichtarbeit von der Wissenschaft bereits als ein Risikofaktor für Krebs erkannt wurde. Jedenfalls diene die Sieben-Tage-Woche jedoch der "Wiederfindung des Organismus".


Soziale Ungleichheit gefährdet freien Sonntag
Gefährdet werde der freie Sonntag heute vor allem durch die soziale Ungleichheit, mahnte Doris Lutz von der Wiener Arbeiterkammer in ihrem Referat bei der Vollversammlung. Die 44-prozentige Zunahme des - leistungslosen - Vermögens der 62 reichsten Personen der Welt binnen fünf Jahren, die jüngst eine Oxfam-Studie aufgezeigt hatte, trage dazu bei: "Was nach ganz oben gegeben wird, wird unten genommen: von den Erwerbseinkommen, von der sozialen Sicherheit und von der freien Zeit", so die Expertin für Sozialpolitik.

Arbeitnehmer wie auch Unternehmer würden Auswirkungen dieser dramatischen Entwicklung zu spüren bekommen, betonte Lutz. Besonders die allein tätigen Selbstständige seien betroffen: Jeder dritte von ihnen habe ein Einkommen, das jenem von Arbeitnehmern im Niedriglohnsektor entspreche, zeigten Daten aus Deutschland, und auch in Österreich seien 13,8 Prozent von ihnen armutsgefährdet, was ein doppelt so hoher Anteil wie jener unter den Arbeitnehmern ist. Lutz: "Solo-Selbstständige arbeiten durchschnittlich 48,6 Stunden pro Woche. Dass das nicht ohne Sonntagsarbeit geht, muss wohl nicht extra erwähnt werden. EU-Pläne einer Forcierung von Solo-Selbstständigkeit im großen Stil verfolgen wir daher kritisch."

Eine "massive Bedrohung von Arbeit" erkannte Sonntagsallianz-Sprecher Franz Georg Brantner im Phänomen des "Crowd Work", bei dem Tätigkeiten in kleine Aufgaben zerteilt und über Plattformen ausgeschrieben werden. "Wir fühlen uns an das 19. Jahrhundert erinnert, als Arbeit gänzlich ungeschützt und freie Zeit ein unerreichbarer Luxus derjenigen war, die über Kapital verfügten."

Die Allianz für den freien Sonntag Österreich ist ein breites Bündnis von über 50 Organisationen aus dem Kinder- und Jugendbereich, aus zivilgesellschaftlichen Vereinen, Freiwilligenorganisationen, Kirchen und Gewerkschaften, darunter auch der KAB. Als neues Mitglied wurde bei der Frühjahrsversammlung die "Fraktion Christlicher GewerkschafterInnen in der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier" aufgenommen. Nachdem im Vorjahr die Allianz für den freien Sonntag Salzburg gegründet worden war, soll nächste Woche in Tirol eine weitere Bundesländerallianz an den Start gehen. (Infos: http://www.freiersonntag.at

 

Kathpress

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