Samstag 18. November 2017
Freier Sonntag

Wiener Politik uneins zum freien Sonntag

Sonntagsallianz Wien lud zur Diskussion über diese für Handelsbeschäftigte zentrale Frage

Zur Frage des arbeitsfreien Sonntags positionierten sich VertreterInnen der politischen Parteien im Zuge einer Podiumsdiskussion der Allianz für den freien Sonntag Wien am 1. Oktober 2015 im ÖGB Catamaran.

Die Podiumsdiskutanten v.l.n.r.: LAbg. Toni Mahdalik, FPÖ, LAbg. Fritz Strobl, SPÖ, NR-Abg. Gabriele Tamandl, ÖVP, LAbg. Martin Margulies, Grüne, NR-Abg. Sepp Schellhorn, Neos, und Sebastian Reindfeldt, Wien Andas.

 

ÖVP-Nationalrätin Gabriele Tamandl, die sich in der Vergangenheit immer für den freien Sonntag ausgesprochen hatte, wies in der Podiumsdiskussion auf die steigenden Tourismuszahlen hin, die mehr Einkaufsmöglichkeiten auch am Sonntag rechtfertigten könnten: „In dieser Frage ist eine ehrlich geführte Diskussion notwendig.“ Die Wiener ÖVP fordert in ihrem Wahlkampf die Einführung von Tourismuszonen sowie eine zweijährige Probezeit, um den Bedarf zu eruieren. Wichtig sei Tamandl jedoch, keine Regelung ohne die Sozialpartner und über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu treffen, die im Falle der Sonntagsöffnung jedenfalls mit Zuschlägen bezahlt werden müssten.

 

Die SPÖ sandte den Präsident des Wiener Wirtschaftsverbandes, Fritz Strobl, der sich, anders als die Gesamt Wiener SPÖ, dezidiert für den freien Sonntag aussprach. Strobl verwies in der Diskussion mehrmals auf die Befragung der Wiener Handelsangestellten, die sich zuletzt mit 96 Prozent klar gegen eine Erweiterung der Öffnungszeiten ausgesprochen haben, und mahnte, nichts über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu entscheiden. Besonders stark machte sich Strobl für die Klein- und Mittelbetriebe: „Die KMUs sind das Rückgrat der Wiener Wirtschaft. Durch eine Sonntagsöffnung würden die Kleinen noch mehr unter Druck geraten“, ist Strobl überzeugt.

 

Auch Gemeinderat Martin Margulies von den Grünen stellte sich klar gegen die Sonntagsöffnung und brachte den Aspekt des gesellschaftlichen Mehrwerts in die Diskussion ein. „Aus meiner Sicht erhöht sich der gesellschaftliche Mehrwert nicht, wenn ich am Sonntag einkaufen kann“, setzte er ein starkes Zeichen für den freien Sonntag und bekräftigte die Position der Gewerkschaft in dieser Frage.

 

Für den freien Sonntag plädierte auch FPÖ-Gemeinderat Toni Mahdalik und gab zu bedenken, dass Touristen nicht wegen etwaiger Handelsriesen nach Wien kämen, sondern aus kulturellen Gründen: „Die Ringstraße, das Wiener Kaffeehaus sowie die Heurigenkultur machen Wien zur Weltstadt und nicht die Shoppingmöglichkeiten, die es in jeder Großstadt gibt und die kein Alleinstellungsmerkmal darstellen.“

 

Nationalratsabgeordneter Sepp Schellhorn von den NEOS wehrte sich gegen die Bevormundung, wie er das Ladenöffnungsgesetz empfindet, und wünschte sich die Freiheit des Einzelnen, entscheiden zu dürfen ob er sein Geschäft aufsperre oder nicht. Weitere Öffnungszeiten würden neue Arbeitsplätze bedeuten, so Schellhorn, damit könne man also auch die Jugendarbeitslosigkeit sowie die Schwarzarbeit bekämpfen und das Wirtschaftswachstum ankurbeln.

 

Auch Wien Andas war mit Sebastian Reinfeldt vertreten, der, als Betriebsrat klar auf Seiten der ArbeitnehmerInnen, betonte, dass der freie Sonntag die Norm bleiben solle. Davon gäbe es zwar Abweichungen, diese sind jedoch extra zu begründen und mit Zuschlägen abzugelten.

 

Wien biete als Weltstadt eine überaus hohe Lebensqualität auch ohne Tourismuszonen – so der Tenor von BetriebsrätInnen, Betroffenen und  MitstreiterInnen für den Freien Sonntag in der anschließenden Diskussion. Andere Städte würden sich an Wien ein Beispiel nehmen, Wien könne es sich also leisten, Nein zu Tourismuszonen und Ja zum freien Sonntag zu sagen, so die einhellige Meinung. Vor allem, um die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen weiterhin eine lebenswerte Stadt zu bieten.

 

Allianz für den freien Sonntag Wien, wien@freiersonntag.at;

Sprecher/in: Gertraud Wiesinger, Philipp Kuhlmann

 

Download:

-          Presseaussendung der KA Wien zur Frage der Sonntagsöffnung

-          Presseaussendung der Erzdiözese Wien zur Frage der Sonntagsöffnung

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