Freitag 24. November 2017
Berichte

Kardinal Schönborn, WB Krätzl, KA u. a. würdigten Alfred Klose

„Ein engagierter Vertreter der Katholischen Soziallehre ist von uns gegangen"

"Wir trauern um Alfred Klose. Ein großer Sozialwissenschaftler und engagierter Vertreter der Katholischen Soziallehre ist von uns gegangen", schrieb Kardinal Christoph Schönborn in einer Grußbotschaft zu dessen Begräbnis, die am 12.März 2015 in Wien-Pötzleinsdorf verlesen wurde.

„Im Geiste Christi selbstbewusst engagieren“
„Klose gehörte seit Jahrzehnten zu den prägenden Gestalten der Katholischen Soziallehre und der christlichen Sozialethik in Österreich. Er war ´Das Gewissen in der Politik´, wie auch eines seiner Bücher hieß", führte Schönborn weiter aus und verwies darauf. „Sein ganzes Bemühen ging um die großen Zukunftsfragen der Gesellschaft und die notwendige Besinnung auf ethische Werte“.

„In einer Zeit und Gesellschaft, in der Religion in das Privatleben abgeschoben werden soll“, lehre Klose, "wie unersetzlich Kirchen und überzeugte Christen für die Gestaltung von Gesellschaft und Politik sind", führte Weihbischof Helmut Krätzl in seiner Predigt in der Pfarrkirche Pötzleinsdorf näher aus. Krätzl bezeichnete den dreifachen Doktor als „hervorragenden Wissenschaftler, zu tiefst gläubigen Christen und unvergleichlichen Freund so vieler, dessen Leben randvoll war“ und der für ein „selbstbewusstes engagieren im Geiste Christi“ eintrat.

Gleichzeitig erinnerte Krätzl dabei auch an das konkrete Wirken Kloses, der als Angehöriger der "Cursillo"-Bewegung mit Häftlingen Glaubensgespräche führte, was „ nicht nur ein Beitrag zur Resozialisierung sein (sollte), sondern eine persönliche Erneuerung und Vermittlung christlicher Lebenswerte. Das zeigt die Achtung vor jedem Menschen, ohne Unterschied, wie sie Klose hatte. Es zeigt aber auch seinen unzerstörbaren Optimismus, dass alles noch anders, gut werden kann", fasste Bischof Krätzl zusammen.

Vom „Füreinander Dasein“ zur “Durchdringung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“
Zahlreiche Weggefährten aus seiner Zeit als KMBÖ Vorsitzender von 1984 – 1987 und als KA Wien Präsident von 1985 - 1991 waren zu Kloses Begräbnis auf den Friedhof in Neustift am Walde gekommen. Darunter waren ehemalige und im Amt befindliche Haupt- und ehrenamtliche KA-Mitarbeiter wie KA Wien Präsident Walter Rijs, KA Wien Vizepräsidentin Evelyn Hödl, der Präsident des Katholischen Laienrates Theo Quendler, der Vorstandsvorsitzende des Otto Mauer Fonds Georg Prantl, Caritas Steiermark Präsident Franz Küberl, das Diözesanvorstandsmitglied der KMB St. Pölten Prof. Hans Högl, KMB Wien Diözesansekretär a. D. Georg Hartl, KMBÖ Generalsekretär a. D. Georg Kopetzky, Wirtschaftsminister a. D. Johannes Fahrnleitner, oder auch der Vorsitzende des Verbands der katholischen Publizisten Österreichs a. D. Hubert Feichtlbauer.

In der Aufbahrungshalle wies der Priester Matthias Winna darauf hin, für Alfred Klose war das „Füreinander Dasein und Miteinander leben der Menschen“ ein zentraler Lebensinhalt, den er mit seiner Frau Annemarie, der Nichte von Johannes Messner, und in seiner Familie auch lebte. Dabei habe ihn „das Leitbild eines Johannes Messner begleitet“. Ein Vertreter der Cartellverband Norica, der er angehörte, erinnerte am Grab an die 4 CV-Prinzipien (religio, scientia, amicitia, patria), die sich Alfred Klose „zum Lebensprogramm gemacht“ hatte. Er ergänzte bewegt: „Du hast Dir die Durchdringung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Deinem Lebensprogramm gemacht“.

„Ein zielgerichtetes Leben“
Am Beginn des sehr persönlich gestalteten Auferstehungsgottesdienstes in der Pfarrkirche Pötzleinsdorf, den WB Helmut Krätzl und Msgr Matthias Winna mit zahlreichen Gläubigen feierten, gab Sohn Dietmar Klose in einer Ansprache einen kurzen Einblick in das sehr bewusst geführte Leben seines Vaters, der „schon früh begann, ein zielgerichtetes Leben zu führen“. Am 22. September 1946 schrieb Alfred Klose in sein Tagebuch: „Morgen werde ich 18 Jahre. Hoffentlich eine Wende zu einer neuen, glücklicheren Zeit. In diesem Jahr wird sich wohl mein Beruf entscheiden. Hoffentlich komm ich an den rechten Platz im Leben.“ Ein halbes Jahr später schrieb er: „Ich will nun mein Leben ernsthaft führen. ´Mit Gott´ soll der Wahlspruch sein.“

Dietmar Klose würdigte in seiner Ansprache zwei weitere Eigenschaften seines Vaters und sagte: „Mein Vater war sich bewusst, dass dieses Leben nicht alles ist. Er hat auf ein besseres Leben gehofft. Öfters erzählte er mir, dass er in jungen Jahren eine Arbeit über das ´Noch nicht´ geschrieben hat. Er war enttäuscht, dass dieses Werk nicht geschätzt wurde und ein Professor meinte, das sei dasselbe wie die Zukunft. Mein Vater hat aber in dem ´Noch nicht´ nicht nur einen zeitlichen Aspekt gesehen sondern auch einen qualitativen. Das was noch kommt, ist besser als was jetzt ist. In diesem Sinn war auch das Buch Kohelet oder Prediger im Alten Testament neben den Psalmen eines seiner Lieblingsbücher in der Bibel.

Eine seiner herausragenden Eigenschaften waren seine Toleranz und Kompromissbereitschaft im positiven Sinne. In seinem bekannten Werk ´Gewissen in der Politik´ schrieb er im Jahr 1982:
´Konfliktlösung setzt immer wieder einen Geist der Toleranz voraus, eine Bereitschaft zum Kompromiss. Dieser Kompromiss wird nur möglich, wenn die an einem Konflikt beteiligten Kräfte oder Persönlichkeiten zu einem gewissen Nachgeben bereit sind. … Toleranz bedeutet nicht ein Aufgeben eigener Wertüberzeugungen, sondern die Achtung vor den Grundhaltungen anderer Persönlichkeiten und Gruppen´“, so Dietmar Klose.

Und am Ende des Gottesdienstes spielten Dietmar Klose an der Orgel mit seiner Tochter Camilla Klose (Violine) das vom Verstorbenen sehr geschätzte Lied „Zum mir“, für das Sylvie Walch den Text geschrieben und Dietmar Klose 2007 die Musik komponiert hatte. Bischof Maximilian Aichern war es ein Anliegen, sich für das Begräbnis zu entschuldigen. Die abschließende Einladung zur Agape im Pfarrheim Pötzleinsdorf nützten die zahlreichen Gäste dann noch, um über die vielfältige Tätigkeit des Verstorbenen ihre Erinnerungen auszutauschen.

Franz Vock

 

Zur Grußbotschaft von Kardinal Schönborn

Zur Ansprache von Weihbischof Krätzl

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