Sonntag 19. November 2017
Berichte

Papst Franziskus sorgt für "pastorale Wende" in der Kirche

Jesuit Batlogg zeigte bei Pastoraltagung in Salzburg wesentliche Impulse des Papstes für heutiges Christsein auf - Stichworte dafür sind u.a "Vom Zentrum an die Peripherie", Barmherzigkeit, Heilen, Aufbruch

Papst Franziskus ist der große Hoffnungsträger auf eine "pastorale Wende" in der Kirche; vor allem an der Basis der Kirche hoffe man auf den Erfolg der Ermutigung, dabei gewohnte Wege zu verlassen. Darauf wies der Münchner Jesuit Andreas Batlogg am 10. Jänner 2015, dem Schlusstag der Pastoraltagung in Salzburg, hin. Jemand, der mit 77 zum Papst gewählt wurde - "in einem Alter, da andere seit 17 Jahren Rasen mähen und Golf spielen" - müsse freilich aufgrund seiner begrenzten Amtszeit Schwerpunkte setzen. Diese hießen bei Franziskus Nähe zum Menschen, gerade zu jenen an den Rändern der Gesellschaft, Barmherzigkeit und Mut zu neuen kirchlichen Wegen, so Batlogg.

Wenig Änderung erwartet der Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit" hinsichtlich der Kirchenlehre. Aus Batloggs Sicht notwendige Neuakzentuierungen werde hier vielleicht erst Franziskus' Nachfolger vornehmen.

Der aus Österreich stammende und seit 14 Jahren in München tätige Jesuit legte anhand des programmatischen päpstlichen Dokuments "Evangelii Gaudium" dar, wo von Franziskus Impulse für "Christlich leben in der Welt von heute" - so das Tagungsthema - ausgehen. Dieses Lehrschreiben konzentriere theologische und seelsorgliche Ansätze, die der Papst auch in Interviews und davor in seiner Zeit als Erzbischof Bergoglio in Buenos Aires immer wieder hervorgehoben hatte. Grundlegend dafür ist laut Batlogg ein besonderer Fokus auf die unmittelbare Begegnung mit Christus, aus der sich dann Konkretisierungen unter Stichworten wie "Vom Zentrum an die Peripherie", Aufbruch, Initiative, Barmherzigkeit, offene Türen, Wagnis und Heilen ergeben.

Absage an "Lehnstuhlkatholizismus"
"Weckt die Welt auf! Seid Zeugen eines anderen Handelns": Dieser Appell des Papstes an versammelte Jesuiten, aber auch an alle kirchlichen Verantwortungsträger und letztlich an alle Christen sei für ihn selbst zur Herausforderung geworden und seien eine Absage an jeden "Lehnstuhlkatholizismus", erklärte Batlogg. Besonders gefordert sieht er auch die Bischöfe, die Papst Franziskus zur weltkirchlichen Mitgestaltung auffordere, etwa in Form "mutiger Voschläge" angesichts pastoraler bzw. personeller Notlagen. Insofern sei dieses Pontifikat ein "Window of Opportunity", eine Gelegenheit zu mehr Synodalität, die es zu nützen gelte.

Dabei dürften auch Fehler gemacht werden, so Batlogg mit Verweis auf Aussagen von Franziskus. Vergleichbar mit seinem viel zitierten Wort von der "verbeulten" Kirche habe er auch an lateinamerikanische Ordensleute den Appell gerichtet: "Ihr werdet Fehler machen, ihr werdet anderen auf die Füße treten. Das passiert. Vielleicht wird sogar ein Brief der Glaubenskongregation bei euch eintreffen... Erklärt, wo ihr meint erklären zu müssen, aber macht weiter." Ihm sei eine Kirche lieber, so Franziskus, "die etwas falsch macht, weil sie überhaupt etwas tut, als eine Kirche, die krank wird, weil sie sich nur um sich selber dreht."

Der Papst aus Argentinien war - etwa auch in Form von "Pflückzetteln mit Zitaten aus "Evangelii Gaudium" - durchgehender Bezugspunkt der 75. Österreichischen Pastoraltagung im Bildungszentrum Salzburg-St. Virgil. Unter den 300 Interessierten aus dem In-und Ausland waren über 70 VertreterInnen, die im Gebiet der Erzdiözese Wien beheimatet sind, darunter über 10 KA Engagierte und zahlreiche pastorale MitarbeiterInnen.

Von beobachtbaren "enormen tektonischen Verschiebungen in der Religiosität" sprach die bayerische Dominikanerin Aurelia Spendel in ihren Ausführungen über heute taugliche "Brunnenfassungen geistlichen Lebens". Was immer aber auch am Horizont auftauchen werde, Christen und die Kirche hätten die Pflicht, dorthinein die Botschaft des Evangeliums zu verkünden und im Sinne von Augustinus ("Auf dass ein Anfang sei, ist der Mensch geschaffen") nötige Neubeginne zu setzen.

Eine Frage aus dem Publikum, ob sie oder andere Frauen die Priesterweihe empfangen können sollten, schloss die Ordensfrau für sich diesen Weg aus. Aber sie fügte die Rückfrage hinzu: "Hüpft die Kirche nicht, statt auf zwei Beinen zu gehen, nur auf einem, wenn sie für das Priesteramt nur eine bestimmte genetische Konstellation vorsieht?"

Bischof Scheuer für Evangelisierung in die Breite und in die Tiefe - Wahrheit "mitten im Metapherngestöber"
Auf das heutige Christsein in der Diaspora, also in einer Minderheitensituation, ging auch Bischof Scheuer in seinem die Tagung abschließenden Vortrag ein. Er zitierte dazu die französische Schriftstellerin und Mystikerin Madeleine Delbrel: "In jeder Periode der Geschichte hat Gott eine Reihe von Menschenn den Auftrag erteilt, das Evangelium nach dem Urtext vorzuleben, in ihrer Person 'mit Leib und Blut' sozusagen eine zeitgemäße Originalausgabe darzustellen." Und Scheuer erinnerte auch an die Art und Weise, wie sich das Zweite Vatikanische Konzil der Welt geöffnet habe. Papst Paul VI. sprach zu dessen Abschluss von einer "ganz großen Sympathie", mit der sich die Kirche in dieser wegweisenden Versammlung auf die Zeit zugegangen sei.

Scheuer befürwortete sowohl eine Evangelisierung in die Breite wie auch in die Tiefe: Es wäre "fatal", wenn etwa in Tirol die vorhandene Volksfrömmigkeit zur Seite geschoben würde; aber es brauche auch geistliche Vertiefung jenseits von traditionsgebundenem Kulturkatholizismus. Zu bemühen habe man sich kirchlicherseits auch um eine religiöse Sprache ohne jedes formelhafte "Gefühlsgeschwätz" bzw. moralisierendes Betroffenheitsgerede. Und noch ein Zitat des belesenen Innsbrucker Bischofs: Der Lyriker Paul Celan habe von der Wahrheit geschrieben, die "mitten ins Metapherngestöber" hineinkam.

Die Pastoraltagung, die größte kirchliche Bildungsveranstaltung zum Thema Seelsorge, wird in ihrer nächsten Auflage im Jänner 2016 das Thema Pluralität ausleuchten. (Info: www.pastoral.at)


KAP, Franz Vock

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