Mittwoch 22. November 2017
Berichte

Zukunftsträume brauchen "Anders-Orte" der Menschenwürde

sagte Salzburger Dogmatiker Sander bei Eröffnung der Sommerakademie der Männerbewegung

Wer Zukunftsträume verfolgen will, braucht dafür nach den Worten des Salzburger Dogmatikers Joachims Sander Gegenkonzepte zu Problemen der Zeit, in denen das "Ringen der Menschen um Anerkennung ihrer Würde" sichtbar werden kann. "Anders-Orte" seien nötig, wie die Fußballarena, die in Zeiten des globalisierten Spiels und Spektakel "die Menschen in den Bann zieht und eine Gemeinsamkeit sichtbar macht, die von keiner Finanzkrise, keiner Börse, keiner Mode zu erreichen ist", so der Theologieprofessor am 9. Juli 2014 bei seinem Eröffnungsreferat zur 28. Sommerakademie der Katholischen Männerbewegung (KMBÖ) im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt.

 

Christen sind auf "Vorratsspeicher für schwierige Zeiten" angewiesen

Zum Thema "Zukunftsräume und Zukunftsträume" legte Sander dar, dass in ganz unterschiedlichen Lebensräumen von Zukunft geträumt werde. Statt sich an unerreichbar entfernten "Utopien" (Nicht-Orte) und unbestimmbar großen "Atopien" (Un-Orte) festzuklammern, sollten Christen vielmehr auf "Heterotopien" (Anders-Orten) konzentrieren: Auf "Vorratsspeicher, die dann benötigt werden, wenn die Zeiten hart sind und sich nicht zu bessern scheinen". Vergleichbar sei dies mit jenen Getreidespeichern, mit denen der biblische Josef die Träume des Pharaos von fetten und mageren Kühen - die "Zeichen der Zeit" - konterkariert habe.

 

Als einen "Andersort" stellte Sander auch die Aufgabe des Staates dar, das paradox anmutende Ziel des Wohlstandes aller und jedes Einzelnen zugleich anzusteuern. Erst dadurch steige die Macht eines Staates, was als "überaus moderne" Sichtweise erst seit dem 18. Jahrhundert beachtet worden und heute vor allem im Sozialstaat als "elementare Grammatik für good governance" erhalten sei.

 

Die Sommerakademie steht unter dem Motto "Und sie beweg(t)en sich doch - wohin?" Zentrale Themen sind auch Freiheit und Solidarität in Österreich, Veränderungen in der katholischen Kirche sowie die Schlagwörter Mitbestimmung, Mitgestaltung und Mitverantwortung. Nach den Worten von KMBÖ-Vorsitzenden Leopold Wimmer bildet sie den Auftakt zum kommenden Jahresthema der Männerbewegung, "Entwicklung in Gesellschaft und Kirche in Österreich".

 

KAP/Luis Cordero

 

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