Sonntag 19. November 2017
Berichte

„Kirche verändern – um die Menschen mehr zu berühren“

Diözesaner Entwicklungsprozess am 20.Februar

„Veränderung ist wichtig – nicht weil wir zu wenig Priester haben; Es ist wichtig, dass wir Kirche verändern, damit manches gesund werden kann, damit wir nicht mehr, sondern geeignetere Priester finden – so können wir die Menschen mehr berühren“, sagte Pfarrer Gerald Gump zum diözesanen Entwicklungsprozess am Abend des 20. Februar, zu dem die Hütteldorfer Frauen- und Männerrunde gemeinsam zum Thema „Die Pfarrerinitiative und Papst Franziskus“ ins Pfarrzentrum eingeladen hatte.

 

„Gott ruft jeden Christen, jede Christin auf, Weiterentwicklung zu tun“

„In der Kirche ist manches nicht gesund; nicht weil Jesus es so wollte, sondern weil wir falsch unterwegs sind. Das Lahmlegen ist furchtbar“ erläuterte Gump und betonte: „Gott ruft jeden Christen, jede Christin auf, Weiterentwicklung zu tun. Es muss etwas bereinigt werden, um etwas Neues, etwas Besseres entstehen zu lassen!“ Und er fragte: „Wie gehen wir mit den Gemeinden um? Was ist unsere Sendung?  Dafür müssen wir Menschen schulen und die pfarrlichen Strukturen anpassen“, bekräftige Dechant Gump.

 

Mit Pfarrer Gerald Gump aus Schwechat hatte man eines der Gründungsmitglieder der Pfarrerinitiative als hochkarätigen Referenten verpflichten können. Er beeindruckte neben seiner gewinnenden Art mit einer überzeugenden Darlegung seiner Beweggründe, seines loyalen Amtsverständnisses und seiner auf die Wurzeln des Glaubens zurückgehenden Lebenseinstellung – ein Pfarrer mit Leib und Seele, der schon nach 5 Jahren Priesterleben zum Pfarrer bestellt wurde.

 

Fast jeder hat etwas für sich mitgenommen

Zunächst gab es einen kurzen Rückblick auf die 2006 entstandene Grundsatzerklärung der Pfarrerinitiative, in der die offenen Fragen und Probleme der Kirche angeschnitten wurden – heute vielleicht aktueller denn je. Im Anschluss daran erklärte uns Pfarrer Gump die Beweggründe, die 2011 zum Entstehen des viel diskutierten und vielfach missverstandenen „Aufrufs zum Ungehorsam“ führten. Am umstrittenen Reizwort „Ungehorsam“ stieß sich dann auch der eine oder andere Dis­kussions­­teilnehmer. Die in dem Aufruf gesetzten Zeichen stellten dabei vielfach nur die Umsetzung der ohnehin seit längerem gelebten Praxis dar. Ganz wesentlich auch der versöhnliche Satz, dass man im Papst und in den Bischöfen „unsere Brüder“ sieht.

 

Im zweiten Teil kam Pfarrer Gump dann auf den heutigen Papst zu sprechen und zitierte aus einigen Presseartikeln, die erkennen ließen, dass in der Kirche offenbar Änderungen im Gang sind. Den Schluss, dass man jetzt als Pfarrerinitiative die Hände in den Schoß legen könne, zog er allerdings nicht – im Gegenteil. Gerade wenn sich der Wind in Rom zu drehen beginnt, mehr Augenmerk  auf Dezentralisierung gelegt wird und die Bischöfe selbst mehr in die Eigenverantwortung gelassen werden, zeigt dass es an der Basis – und dazu gehört auch das gesamt Kirchenvolk – noch großer Anstrengungen zur Umsetzung bedarf. Und dazu gehört nicht nur das Thema Pfarrzusammenlegungen, auf das ebenfalls eingegangen wurde und das von der richtigen Seite her angegangen werden muss, sondern die ganze Palette von Liturgie, Sakramenten, Gemeinschaften bis hin zu einer lebendigeren Kirche.

 

Bei der anschließenden Diskussion und vielmehr noch bei Speis und Trank (danke den Vorbereitern!) wurde dann noch viel miteinander geredet.

 

Wenn Frauen und Männer etwas gemeinsam machen, ist es meist produktiv. So war es auch an diesem Abend. Wir denken, fast jeder der mehr als 50 ZuhörerInnen hat etwas für sich mitgenommen – außer vielleicht Leopold, der Pfarrerhund.

Beatrix Kickinger, Alfred Dangl

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