Freitag 24. November 2017
Arbeitswelt

Care im Fokus der veränderten Arbeitswelt

Markus Blümel und Gabriele Kienesberger von der KSÖ sehen Care/Sozialarbeit im Brennpunkt zwischen gerechtem Lohn oder Fronarbeit.

Care in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Aufmerksamkeit rücken

Gabriele Kienesberger, KSÖ, über Neuorganisation der Care-Arbeit an der AMG-Akademie 

 

Care (Sorge, Zuwendung, Unterstützung, Pflege-Arbeit) müsse „als Grundlage eines guten Lebens in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Aufmerksamkeit rücken. Trotz vieler Maßnahmen und auch Transferleistungen klaffen Angebot und Nachfrage bzw. Leistungen und Bedürfnisse auseinander“, sagte Gabriele Kienesberger von der Katholischen Sozialakademie Österreichs bei ihrem Vortrag über „Die Ökonomisierung der Sorgearbeit. Von der Care-Krise zur Care-Gerechtigkeit“ bei der AMG-Akademie im Stift Heiligenkreuz am 20. Jänner 2017 vor zahlreichen BesucherInnen aus dem Industrieviertel und Wien.

 

Care-Krise – Soziale Gerechtigkeit wurde durch Marktgerechtigkeit ersetzt

Der Politikwissenschafterin Erna Appelt zufolge, haben sich seit den 1970er Jahren „unsere Gesellschaften zu global vernetzten Dienstleistungsgesellschaften entwickelt, die der Logik neoliberaler Akkumulationsregimes und der Standortkonkurrenz folgen und den Begriff der sozialen Gerechtigkeit durch den Begriff der Marktgerechtigkeit ersetzt haben“, sagte Kienesberger. Dazu komme, „von der Care-Krise sind in besonders hohem Ausmaß professionelle und informelle Pflegekräfte betroffen, deren Situation oft durch Arbeitsverdichtung, Zeitdruck und prekäre Arbeitsbedingungen geprägt“ sei, womit „die Globalisierung den Care-Bereich in zweifacher Weise erreicht: einerseits in der sich bereits abzeichnenden Tendenz, Pflege z.B. von dementen Personen ins Ausland zu verlagern, andererseits in der längst vollzogenen Internationalisierung des Care-Arbeitsmarktes“. Dadurch lasse der Care-Drain „Frauenlose Dörfer mit oft unversorgten Kindern oder Angehörigen in den Herkunftsländern zurück, was neue Notlagen und folgenschwere Probleme erzeugt“, so Kienesberger.

 

Die Care-Krise betreffe zwar „nicht alle in gleichem Ausmaß. Frauen sind als Pflegende, Betreuende und Erziehende ungleich stärker betroffen als Männer. Aber auch als Pflegebedürftige sind Frauen zahlenmäßig und auch sozial (Stichwort: Altersarmut) stärker betroffen als Männer. Haushalte mit niedrigem Einkommen sind stärker betroffen als einkommensstarke Haushalte, die sich die nötigen Dienste bei der Kinder- oder Altenbetreuung zukaufen können. Ausländische Arbeitskräfte sind ungleich stärker betroffen als inländische:  Somit kumulieren die Nachteile bei ausländischen Frauen aus einkommensschwachen Haushalten“ erläuterte Kienesberger.

 

Care – neu organisieren um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen

„Es geht also darum, Care neu zu organisieren, neue Strukturen zu schaffen, die ein gutes Leben für alle – für Kinder, Frauen und Männer unabhängig von ihrer sozialen Schicht und von ihrer Herkunft – ermöglichen“, fasste Kienesberger zusammen. Abschließend erneuerte sie die Forderungen aus der Sozialwort 10+ Tagung „Sorge-Arbeit in der Krise. Von der Care-Krise zur Care-Gerechtigkeit: Befunde und Perspektiven“ vom 19. September 2014 in St. Pölten:

  • „Neudefinition der Arbeit unter Berücksichtigung von gesellschaftlich lebensnotwendigen und wohlstandssichernden persönlichen Dienstleistungen.
  • Regulierung von Märkten und Sicherstellung gerechter Entlohnung und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen.
  • Wahrnehmung des öffentlichen Auftrags zur Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern und Leistungen.
  • Abkehr vom Menschen als Leistungsträger und das Eingeständnis der eigenen Bedürftigkeit.
  • Wahrnehmen von Care-Arbeit als Voraussetzung für Wohlstand.
  • Unsere Aufgabe kann es sein, dafür eine Kultur zu schaffen. Dabei können die Kirchen eine unterstützende Rolle übernehmen“.

Dazu brauche es eine „Geschlechter-gerechte Verteilung und gerechte Bezahlung von Care-Arbeit“, sagte Kienesberger. Da die „Ökonomisierung des Sozialen nicht den Ansprüchen für ein gutes Leben gerecht“ werde, sei eine „Arbeitszeitverkürzung, die Sorge-Arbeit ermöglicht“ erforderlich. Wie in der Schweiz solle auch in Österreich „unbezahlte Tätigkeiten erfasst und ausgewiesen werden“, die dort „über 50 Prozent“ betrage, forderte Kienesberger. Sie schloss, dazu sei ein „umfassendes Menschenbild zu definieren, wie es in ´Laudato Sí´ grundgelegt ist“. Und KA-Wien Präsident Walter Rijs bekräftigte: „Wir müssen die Globalisierung der Gleichgültigkeit durchbrechen“, wie schon Papst Franziskus gesagt hat.                   

  Franz Vock

  1. Care Bericht von Gabriele Kienesberger (pdf)
  2. Arbeitswelt Bericht von Markus Blümel (pdf)

http://www.arenum.at/de/Blog/Nachlese-zum-Thema-Gerechter-Lohn-oder-Fron

http://www.amg-akademie.at/read/read.aspx?id=30719

 

Katholischen Aktion
Erzdiözese Wien

Stephansplatz 6/5
1010 Wien

Tel. +43 1 51552-3312
Fax: 01/ 51552-3143
katholische.aktion@edw.or.at
Darstellung:
http://www.ka-wien.at/