Mittwoch 22. November 2017
Arbeitswelt

A-typisch weiblich

Kath. Frauenbewegung Österreichs zum Tag der Arbeit und der Arbeitslosen: Frauen als kostengünstiger und flexibler Faktor stark benachteiligt

[Wien, 29.4.2015, PA] Die sozial- wie arbeitsrechtliche Gleichstellung aller ArbeitnehmerInnen sowie eine gerechte Verteilung von existenzsichernder Erwerbsarbeit auf beide Geschlechter fordert die Katholische Frauenbewegung Österreichs anlässlich des Tags der Arbeitslosen am 30. April und des Tags der Arbeit am 1. Mai. „In atypischen Beschäftigungsverhältnissen finden sich in Österreich weit überwiegend Frauen - schlechter bezahlt als Männer, oftmals auch schlechter abgesichert“, so Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Als Teilzeitbeschäftigte, aber auch als anderweitig atypisch Tätige dienten Frauen dem Arbeitsmarkt als flexible, kostensparende Faktoren, nicht selten dem Prekariat ausgesetzt: „Wenn Arbeit nicht vor Armut schützt, müssen wir den Begriff von „Arbeit“ überdenken und Modelle sozialer Sicherung schaffen, die allen Menschen ein gutes Leben sichern“, so Pernsteiner.

 

Derzeit sind nach Angaben von Statistik Austria in Österreich 36 Prozent aller erwerbstätigen Frauen, aber nur 5 Prozent aller erwerbstätigen Männer teilzeit- und damit atypisch beschäftigt. Dies, vorwiegend in frauenspezifischen Branchen wie Handel oder Pflege und Betreuung, häufig gegen den Willen der Teilzeitbeschäftigen. Weitere 14 Prozent aller Frauen sind, gegenüber 10 Prozent aller Männer, anderweitig atypisch tätig, befinden sich also außerhalb eines „Normalarbeitsverhältnisses“ im Sinne einer unbefristeten Vollzeitanstellung, die nicht Leih- oder Zeitarbeit ist: sie sind geringfügig oder befristet beschäftigt, in Leih- oder Zeitarbeitsverhältnissen, haben all-in-Verträge oder arbeiten als freie Dienstnehmerinnen in einem von Elementen der Selbständigkeit aufgeweichten Normalarbeitsverhältnis. Im Gesamt aller freien DienstnehmerInnen etwa stellen im Sozialbereich Beschäftigte, also überwiegend Frauen, mit 34 Prozent den größten Sektor, weniger als ein Fünftel von ihnen erreicht ein Einkommen über die Geringfügigkeitsgrenze hinaus.

 

Immer öfter werden Normalarbeitsverhältnisse durch atypische ersetzt, vor allem in Branchen im Bereich des Niedriglohnsektors, in dem sich immer schon überwiegend Frauen befunden haben, etwa im Bereich der Reinigung, aber auch im Bereich der privaten Pflege. Der Pflegesektor ist zugleich ein Feld für „neue Selbständige“, d.h. Selbständige ohne Gewerbeschein. 60.000 von ihnen waren 2013 nach Angaben der Gewerkschaft der Privatangestellten im Sozialbereich gemeldet, 95 Prozent davon Frauen. Auch unter den „Neuen Selbständigen“ sind Frauen diejenigen, die weniger, im Schnitt nahezu nur halb so viel verdienen wie Männer: so liegt das Einkommen von männlichen „neuen Selbständigen“ im Schnitt bei 15.200 Euro brutto im Jahr, das von weiblichen bei 8.800. „Prekäre“ Erwerbstätige, also Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können, finden sich vor allem im Bereich der Freien DienstnehmerInnen und der neuen Selbständigen.

 

„Wir wissen, dass Sozialleistungen die deutlich geringeren Einkommenschancen von Frauen nicht ausgleichen“, so Veronika Pernsteiner, die auch auf den generellen gender wage gap, also den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern in Höhe von 29 Prozent hinweist, mit dem Österreich im europäischen Vergleich im Spitzenfeld liegt: „Wenn Erwerbsarbeit Männern wie Frauen gleichermaßen Existenz sichern können soll, braucht es viele einzelne Maßnahmen wie die sozial- und arbeitsrechtliche Absicherung aller Beschäftigungsverhältnisse, eine Definition von Mindesthonoraren oder die Anhebung von Löhnen in weiblich dominierten Branchen wie Pflege, Betreuung und Bildung – letztlich eine neue, geschlechtergerechte Bewertung und Verteilung von Arbeit“.

 

 

Rückfragen bei:

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Pessereferentin

Katholische Frauenbewegung Österreichs

Spiegelgasse 3/II ∙ 1010 Wien

Tel: +43.(0)1.51552-3109 ∙ Fax: -3764

Mobil: +43.(0)664.3218936 

elisabeth.ohnemus@kfb.at

www.kfb.at; www.teilen.at

www.facebook.com/KatholischeFrauenbewegungOesterreichs

Katholischen Aktion
Erzdiözese Wien

Stephansplatz 6/5
1010 Wien

Tel. +43 1 51552-3312
Fax: 01/ 51552-3143
katholische.aktion@edw.or.at
Darstellung:
http://www.ka-wien.at/