Sonntag 19. November 2017
08.12. statt 08/15

8.12. „Gottesdienst-Elemente“

Vorschlag für Wortgottesdienst oder Eucharistiefeier

zum 8. Dezember

zusammengestellt von Evelyn Hödl, November 2014

Hier gibt es den gesamten Vorschlag als Download.

 

Gedanken zum 8. Dezember – zur Einführung oder zur Predigt
Mit dem Begriff der „Unbefleckten Empfängnis“ können heute wenige Menschen etwas anfangen. Selbst für Christinnen und Christen  ist dies oft nicht leicht; oft wird dieser Feiertag mit der Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel verwechselt. Gemeint ist aber, dass Anna, Marias Mutter, empfangen hat. „Gottes Weihnachtsvorbereitungen“ nennt es Kurt Koch. Gemeint ist damit, dass Maria von Anfang an ganz besonders auserwählt wurde von Gott, denn durch sie sollte Jesus in die Welt kommen.

Viel erzählt uns die Bibel nicht über Maria. In Religion, Literatur, bildender Kunst war und ist sie ein beliebtes Sujet.
„Ich sehe dich in tausend Bildern“. So schreibt der Dichter Novalis.
Und der jüdische Autor Schalom ben Chorin sagt: „Das Bild Mariens ist von einem siebenfachen Schleier umhüllt. Ihr Antlitz ist dicht verhangen, wie das der orientalischen Frauen, die sich noch heute im Lande Mariens, in Israel, oft tief verschleiert durch die Straßen bewegen. Die sieben Schleier Mariens sind gewebt von Tradition, Dogma, Liturgie, Legende, Kunst, Dichtung und Musik.“
Schalom Ben Chorin, Mutter Mirjam, dtv München (zit. Ebd. S 11)

Wie also heute Zugang finden zur „Unbefleckten Empfängnis“, zur „Mutter und Jungfrau“, zur „Himmelskönigin“?
Die Überlieferung nennt die Namen ihrer Eltern: Joachim und (H)Annah. Aus dem Lukasevangelium (Lk 1, 26-28) nennt ihren Wohnort Nazaret in Galiläa. Das Protoevangelium des Jakobus (das nicht in den Kanon der christlichen Bibel aufgenommen wurde) schildert Marias – Mirjams – Geburt als Wunder an ihrer lange unfruchtbaren Mutter. Hier zeigt sich eine Parallele zum 1. Buch Samuel. Hannah, Samuels Mutter (Namensgleichheit) gilt ebenfalls lange als unfruchtbar. Und Hannahs Danklied wiederholt Maria bei ihrer Begegnung mit der schwangeren Elisabeth.
Maria – Mirjam – ist also schon vor der Geburt auserwählt, etwas ganz Besonderes. Ihr ist die wichtigste Rolle im Heilsplan Gottes gegeben.
Vielleicht können wir es heute so verstehen: Maria war eine, die sich nicht berühren, beeindrucken und beeinflussen ließ von den Bedingungen und Anforderungen der Gesellschaft rundum, eine, die ihren Weg mit Gott und im Vertrauen auf ihn ging. Mirjam, ein Teenager. eine 14- oder 15jährige Jugendliche, die sich vor dem Ruf Gottes nicht drückte (wie so manche Propheten am Anfang ihrer Laufbahn). Eine, die JA sagte zu einer ungeheueren Zumutung: ein Kind in die Welt zu setzen ohne die Sicherheit einer legalen Verbindung, ein JA im Vertrauen auf Gott.
 Die Magd des Herrn: eine, die die Zumutung Gottes annahm. Die in das große Vorhaben der Menschwerdung Gottes als Partnerin einwilligte. Die Magd des Herrn ist nicht die unterwürfige Dienerin sondern steht in der Tradition „des Knechtes / der Knechtin Gottes“. Daher konnte sie selbstbewusst das Lied der Hannah aus dem Ersten Testament zitieren: „Von jetzt an werden mich alle Generationen glückselig preisen. denn Gott, der mächtig ist, handelt wunderbar an mir. Sein Name ist heilig.“

Nennen wir sie mit ihrem hebräischen Namen: Mirjam
Mirjam ist diejenige, die es Gott ermöglicht, zur Welt / in die Welt zu kommen. Durch Mirjam schenkt Gott sich der Welt, wird zu „einem von uns“; der Schöpfer wird eins mit seiner Schöpfung.
Damit zeigt sich die unendliche Liebe Gottes zu seiner Schöpfung und seinen Geschöpfen – und auch die Bedeutung dieser Schöpfung und der Menschen. Sie sind eingebunden in das Schöpfungswerk Gottes, berufen, in Verantwortung an der Schöpfung mitzuwirken.
Gott kommt in die Welt, schenkt sich der Welt, um sie am Göttlichen teilhaben zu lassen.
Dieses Geschenk Gottes ist unendlich groß.
Dies soll uns bewusst werden, wenn wir uns auf die Feier des Weihnachtsfestes vorbereiten, auf das Fest der Geburt Gottes in der Welt, Gottes Mensch-Werdung durch einen Menschen, durch eine Frau – Mirjam
Mirjam selbst ist ein Teil der Verheißung, der Liebe Gottes für seine Schöpfung.
Das Fest ihrer Empfängnis, ihrer wunderbaren Erwählung, steht nicht zufällig am Beginn des Advent. Das Hoffen, das Warten auf Gott, auf den Messias, den Erlöser,
ist in ihr und durch sie bereits konkret geworden. Und Mirjam selbst mag uns mit diesem Fest näher kommen, „geerdet“ werden: als Schwester, Vertraute, Gefährtin, die sich auf das Wagnis mit Gott eingelassen hat.

In einer kleinen Gruppe kann zu Beginn ein Gedankenaustausch stattfinden.

Wie bin ich hierher gekommen? -  Wie bin ich jetzt da? Ermüdet, gestresst? Nachdenklich? Offen? Hoffnungsvoll? Ungeduldig? Gelassen?
Was hat mich dazu bewogen, jetzt zu diesem Gottesdienst zu kommen?
Was bringe ich mit an Erwartungen? Möchte ich meine Befindlichkeit mit anderen teilen, mich mitteilen?  Eine Bürde ablegen, still werden…?
Was wünsche ich mir von dieser Feier? Besinnlichkeit? Stimmung? Befreiung? Fröhlichkeit?
Was bewegt mich in diesen Tagen der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.

Eingangslied:  Wir sagen euch an den lieben Advent,
1. und 2. Strophe / Gotteslob, Nr. 223

Kyrie:

Gott bereitet sich darauf vor, in die Welt zu kommen. Gott braucht die Menschen, braucht einen Menschen – Maria – um in diese Welt zu kommen.
Wie bereiten wir uns auf  seine Ankunft, auf das Fest seiner Geburt, auf Weihnachten vor?

Manchmal lassen wir uns von vorweihnachtlicher Hektik überrumpeln. Manchmal werden uns  Einkaufslisten, Feiertagsrezepte und Urlaubsplanung wichtiger als das Miteinander Leben.
Vergib uns, wenn wir in all diesen Geschäftigkeiten vergessen, uns und unsere Lebenswelt auf deine Ankunft vorzubereiten.

Kyrieruf:  Kündet allen in der Not (GL 221) – 1. Strofe    

Manchmal hören wir – rundum  beschallt von Weihnachtsliedern -  den Ruf Gottes zur Umkehr nicht mehr. Manchmal lassen wir uns niederschreien vom Getöse der Welt. Manchmal werden wir mitgerissen vom Trubel ringsum.
Vergib uns, wenn wir vergessen, dass wir die Erde zu deinem Wohnort machen sollen, wenn wir unsere Stimme nicht laut genug erheben für die, die keine Stimme mehr haben.

Kyrieruf:  Kündet allen in der Not (GL 221) –  2. Strofe    

Manchmal blendet uns die adventliche Festbeleuchtung in den Straßen, den Geschäftsauslagen, den Märkten. Manchmal hindert sie uns daran, die Menschen wahrzunehmen, die draußen im Dunkel und in der Kälte geblieben sind. Und manchmal sind wir froh, nicht hinschauen zu müssen.
Vergib uns, wenn wir das Antlitz der Armut, des Unrechts und der Gewalt nicht erkennen.

Kyrieruf:  Kündet allen in der Not (GL 221) –  3. Strofe   

1. Lesung aus dem 1. Buch Samuel
1 Samuel, 2, 1-10 : Das Danklied der Hanna

Hanna betete. Sie sagte:
Mein Herz ist voll Freude über den Herrn, große Kraft gibt mir der Herr…
Niemand ist heilig, nur der Herr; denn außer dir gibt es keinen Gott; keiner ist ein Fels wie unser Gott…
Der Bogen der Helden wird zerbrochen, die Wankenden aber gürten sich mit Kraft.
Die Satten verdingen sich um Brot, doch die Hungrigen können feiern für immer…
Der Herr macht arm und macht reich, er erniedrigt, und er erhöht.
Den Schwachen hebt er empor aus dem Staub und erhöht den Armen, der im Schmutz liegt; er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, einen Ehrenplatz weist er ihm zu. Ja, dem Herrn gehören de Pfeiler der Erde; auf sie hat er den Erdkreis gegründet.

Zwischengesang: Taizé-Magnificat (Gotteslob 390)

2. Lesung
Aus dem Jakobusbrief 2, 15 – 18, Übersetzung aus der „Basisbibel“

Ein Bruder oder eine Schwester hat keine Kleider. Ja, er hat nicht einmal das tägliche Brot zu essen. Einer von euch könnte nun zu ihnen sagen: „Friede sei mit euch, ihr sollt es warm haben und satt sein!“
Was nützt das, wenn ihr ihnen nicht gleichzeitig gebt, was sie zum Leben brauchen?
So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er allein bleibt und nicht in die Tat umgesetzt wird, ist er tot.
Es könnte nun jemand einwenden: „Der eine hat den Glauben, der andere hat die Taten.“
Dem würde ich antworten: Zeige du mir erst einmal deinen Glauben, der nicht in die Tat umgesetzt wird. Ich kann dir jedenfalls an meinen Tagen zeigen, was Glaube wirklich ist.“

Ruf vor dem Evangelium:
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (GL 450)

Evangelium nach Lukas 1, 46 – 55: Übersetzung aus der „Basisbibel“
Ich lobe den Herrn aus tiefstem Herzen. Alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter.
Denn er wendet sich mir zu, obwohl ich nur seine unbedeutende Dienerin bin.
Sieh doch: Von jetzt an werden mich alle Generationen glückselig preisen.
denn Gott, der mächtig ist, handelt wunderbar an mir.
Sein Name ist heilig.
Er ist barmherzig zu denen, die ihn ehren und ihm vertrauen  – von Generation zu Generation.
Er hebt seinen starken Arm und fegt die Überheblichen hinweg.
 Er stürzt die Machthaber vom Thron und hebt die Unbedeutenden empor.
Er füllt den Hungernden die Hände mit guten Gaben
Und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.
Er erinnert sich an seine Barmherzigkeit
und kommt seinem Diener Israel zu Hilfe.
So hat er es unseren Vätern versprochen:
Abraham und seinen nachkommen für alle Zeiten.

Alterntivtext: Magnificat (Dorothee Sölle)
Es steht geschrieben, dass Maria sagte:
Meine Seele erhebt den Herren und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.
Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

Heute sagen wir das so:
Meine Seele sieht das Land der Freiheit und mein Geist wird aus der Verängstigung herauskommen. Die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben erfüllt, und wir werden Menschen werden, von Generationen vor uns, den geopferten, erwartet.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte:
Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht.

Heute sagen wir das so:
Die große Veränderung, die an uns und durch uns geschieht, wird mit allen geschehen – oder sie bleibt aus. Barmherzigkeit wird geübt werden, wenn die Abhängigen das vertane Leben aufgeben können und lernen, selber zu leben.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte:
Er übt Macht mit seinem Arm und zerstreut die Hochmütigen. Er stößt die Gewaltigen von ihren Thronen und die Getretenen richtet er auf.

Heute sagen wir das so:
Wir werden unsere Besitzer enteignen und über die, die das weibliche Wesen kennen werden wir zu lachen kriegen. Die Herrschaft der Männchen über die Weibchen wird ein Ende nehmen. Aus Objekten werden Subjekte werden. Sie gewinnen ihr eigenes besseres Recht.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte:
Hungrige hat er mit Gütern gefüllt und die Reichen leer hinweggeschickt. Er denkt der Barmherzigkeit und hat sich Israels Knecht angenommen.

Heute sagen wir das so:
Frauen werden zum Mond fahren und in den Parlamenten entscheiden. Ihre Wünsche nach Selbstbestimmung werden in Erfüllung gehen und die Sucht nach Herrschaft wird leer bleiben. Ihre Ängste werden gegenstandslos werden und die Ausbeutung ein Ende haben


Glaubensbekenntnis

Vorschlag Fürbitten (oder auch freie Fürbitten)
Gott, du gibst uns, was wir brauchen, ohne dass wir dich darum bitten müssen. Gib uns Vertrauen in deine Güte und Großzügigkeit und nimm uns die Angst, bei den Gütern der Welt zu kurz zu kommen.
Du gütiger Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, du bist auf Seite jener, die keine Güter, keine Lobby, keine Rechte und keine Stimme haben. Gib ihnen Kraft und Mut und führe Menschen an ihre Seite, die ihnen in ihrem Kampf um ein menschenwürdiges Leben beistehen.
Du Mut machender Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, du hast in der Geburt deines Sohnes Frieden verheißen. Sieh auf die Menschen und Völker, die von Krieg, Verfolgung, Gewalt und Unterdrückung betroffen sind. Gib ihnen Schutz, Helferinnen und Helfer und gib jenen, die Verantwortung tragen, die Weisheit und Einsicht, Gewalt zu verhindern und Gemeinschaft aufzubauen.
Du barmherziger Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, viele Menschen leben im Überfluss des Konsums und empfinden ihr Dasein dennoch als leer und  sinnlos. Zeige ihnen den Weg in ein wahrhaft freies Leben. Lass sie erkennen, dass immer mehr Wohlstand nicht zu Frieden und Zufriedenheit führt.
Du Leben spendender Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, du hast dich entschieden, einer von uns zu werden; nicht in Reichtum und Sicherheit, sondern draußen am Rand, in Armut und Verfolgung.
Du Mensch gewordener Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

Mach uns frei – gerade in dieser Vorweihnachtszeit – von Einkaufs- und Festvorbereitungszwängen, von verbissenem Geschenke suchen und  Feiertagsrezepten, von Urlaubsplanungen und Arbeitshektik.
Schenke uns Gelassenheit und Fröhlichkeit, Geschwisterlichkeit und Zeit, uns wahrhaftig auf  das Fest der Geburt Gottes in der Welt vorzubereiten.
Amen

Gabenbereitung: Nimm O Herr, die Gaben, die wir bringen (GL 188)
Zur Gabenbereitung können Kerzen / Teelichter vor den Altar gestellt werden – oder es werden symbolische Gaben gebracht (z.B.: Uhr für „Zeit schenken/nehmen“, Zweig, Früchte,…)
Variante: Jede/r schreibt auf ein vorbereitetes Kärtchen einen Wunsch für eine/n Andere/n und legt ihn in ein Gabenkörbchen.
Zum Abschluss nimmt jede/r Teilnehmer/in ein Kärtchen mit nach Hause.

Vater Unser

Agnus Dei: Christe, du Lamm Gottes (Gotteslob 204)

Kommunion

Kommuniondank:
Tauet Himmel, den Gerechten (Gotteslob 790) oder:
Meine Zeit steht in deinen Händen (Gotteslob 907)


Meditation : Maria, ich nenne dich Schwester (Dorothee Sölle)
Maria, ich nenne dich Schwester
Ich sehe dein junges Gesicht
Ich spüre dein Sehnen und Träumen
Wir trauen gemeinsam dem Licht
Wir tragen gemeinsam das Wort der Verheißung
Wir bringen es zur Welt.

Maria, ich nenne dich Schwester
Ich sehe dein Frauengesicht
Ich spüre dein Fragen und Handeln
Wir trauen gemeinsam dem Licht
Wir tragen gemeinsam das Wort der Befreiung
Wir bringen es zur Welt.

Maria, ich nenne dich Schwester
Ich sehe dein müdes Gesicht
Ich spüre dein Dienen und Leiden
Wir trauen gemeinsam dem Licht
Wir tragen gemeinsam den Preis der Befreiung
Wir bringen ihn in die Welt.

Maria, ich nenne dich Schwester
Ich sehe in deinem Gesicht
Die Würde und Hoffnung der Frauen
Wir trauen gemeinsam dem Licht
Wir singen gemeinsam das Lied der Befreiung
Wir tragen es in die Welt.
Segen

Es segne uns Gott der Allmächtige, der uns Vater und Mutter ist und  in seiner Liebe die Welt geschaffen und uns anvertraut hat.
Es segne uns Gott, der uns in Jesus Bruder geworden ist und der die Sorgen und Freuden dieser Welt mit uns teilt.
Es segne uns Gott, Geist, der das Universum durchwaltet und uns einlädt, an seinem Schöpfungswerk Teil zu haben.

Schlusslied: Vorschläge
Bewahre uns Gott (GL 453); Den Herren will ich loben (GL 395)
Herr, wir bitten, komm und segne uns (GL 920)
Maria durch ein Dornwald ging (GL 224)
Nachdenkimpulse (Evelyn Hödl)

Gott kommt
Gott kommt
zur Welt, in die Welt,
mitten in seine Schöpfung.

Gott kommt
zu den Ohnmächtigen,
den Habenichtsen,
den Randexistenzen,
zu den Hirten in der Nachtkälte
und den geduldigen Tieren.

Gott kommt:
als Mensch,
als schutzbedürftiges Kind,
um mit uns
in der Schöpfung zu leben.
Ochs und Esel als wortlose Gefährten am Anfang.

Gott schenkt sich uns:
der Welt und ihren Geschöpfen,
in unendlicher Liebe.
Der Schöpfer -  vereint mit seiner Schöpfung.
Geheiligt die Erde, geheiligt die Menschen,
die Tiere, die Bäume, das Gras und die Berge
der Sand und das Meer.
Geheiligt sind alle Geschöpfe,
ist die gesamte Schöpfung,

geheiligt und geheilt von allen Verwundungen,
von Schmerz und Verzweiflung, von Unrecht und Leid,
weil mitten in ihr in unendlichem Vertrauen
- ein Kind in der Krippe -
der Schöpfer ruht!


2014:  (K)ein  Weihnachtsgedicht….
Der Himmel: längst aufgerissen vom Ozonloch.
Sauer regnen die Wolken herab.
Berge und Hügel  abgetragen für Autobahnen und Industrieparks.
Die Stimme in der Wüste ruft nach Öl.
Weit geöffnet die Tore der Konsumtempel.
Polternde Weihnachtsmänner auf Jingle-Bell-Rentierschlitten
überdröhnen die  Heilsbotschaft.
Wachsende Gewalt und Terrorbereitschaft,
Wirtschaftskrise,  Finanzkrise, Energiekrise, Sinnkrise,…
All dies vor Augen  - ist es besser, die Augen zu schließen
Und zu kaufen – egal auf wessen Kosten.
Beim  Wohltätigkeitspunsch zugunsten der Armen
lässt sich’s gut über Unrechtsstrukturen  hinwegplaudern.
Glitzernde LED-Girlanden machen zu blind,
um auf den Stern zu schauen.
Stall und Krippe sind sowieso
ein Anachronismus angesichts der Massentierhaltung.
Die Hirten werden - aus Sicherheitsgründen -
am Checkpoint festgehalten.
Kein Friede im Heiligen Land in der Heiligen Nacht.
Die Könige aus dem Morgenland kommen -
in Anbetracht der schwankenden Goldpreise -  mit leeren Händen.
(Ohnehin ist mit Weihrauch und Myrrhe
dem Treibhauseffekt nicht beizukommen.….)

Aber vielleicht bringen sie uns eine Botschaft:
Diese Weisen, die aus ihren Sicherheiten aufgebrochen sind,
die das Wagnis des Weges auf sich genommen haben,
die sich nicht vom falschen Schein blenden lassen
und sich öffnen für das, was wesentlich ist:
Das Kind, in dessen Antlitz die Schöpfung sich spiegelt.
„Seid wachsam!  Seht die Zeichen der Zeit und kehrt um!
Es ist euch noch eine Frist gegeben!“

Wenn wir uns diesem Kind anvertrauen,
sind wir noch zu retten!


Advent - Vertrauen auf das, was kommt?

In den Schlagzeilen:
Finanzkrise und Wirtschaftsrezension
Arbeitslosigkeit und Klimawandel
Energieknappheit und  Atomkatastrophen
Politikverdrossenheit und Demonstrationen…

Angesichts solcher Entwicklungen
An  das Kommende zu glauben,
An die Verheißung, das Heil, das Heil Werden?
Das grenzt schon an Torheit!

Und trotzdem:
Das Volk, das im Dunkel lebt,
sieht ein großes Licht.
Ein Kind wird geboren, Krieg und Gewalt werden beendet.
Gerechtigkeit und Frieden sind zugesagt.

Wenn wir es doch glauben könnten!
Dann hätten wir die Kraft aufzubrechen
aus den Strukturen der Unterdrückung und Gleichgültigkeit,
Aufzubrechen auf den Weg der Versöhnung
Mit den Menschen, den Geschöpfen, der Erde.

Advent: im Vertrauen auf das, was kommt,
die Ängste und Unsicherheiten ablegen,
umkehren aus der Mutlosigkeit,
Gerechtigkeit und Frieden schaffen,
und auf den Stern schauen – auf dem Weg zur Krippe.

Advent: das ist Hoffnung auf das, was kommt!




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