Katholische Aktion Wien: Christliches Europa sieht anders aus als das „Abendland“
Politikern wird als Lektüre das "Sozialwort des ökumenischen Rates der Kirchen" empfohlen

Gegen Versuche, ein christliches Abendland zu definieren, dass es so nicht gibt, wendet sich die Präsidentin der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien, Christa Buzzi: „Wer aus wahltaktischen Gründen das Christentum und das Kreuz missbraucht, ist scharf zu verurteilen. Hier wird versucht, den christlichen Kirchen zu schaden, indem ein vollkommen falsches Bild eines kämpferischen statt eines dialogorientierten und friedensliebenden Christentums propagiert wird.“ Besonders schlimm findet es Christa Buzzi, dass zusätzlich noch der Konflikt zwischen den Religionen geschürt wird.

Die KA-Präsidentin verweist darauf, dass es seit einigen Jahren einen umfassenden Katalog gibt, der darstellt, was die 14 christlichen Kirchen gemeinsam als ihre aktuellen Themen und Forderungen verstehen: Das "Sozialwort des ökumenischen Rates der Kirchen". Es wurde nicht nur in einem breiten Basisprozess erstellt, sondern 2003 auch von Repräsentanten der 14 Kirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) unterzeichnet. „Hier kann man sehen, wie sich die wirklichen christlichen Anliegen von billiger politischer Polemik unterscheiden“, sagt Buzzi.

Im Sozialwort definieren die 14 christlichen Kirchen unter anderem:

- Unsere kulturellen Traditionen werden durch Menschen aus anderen Ländern nicht bedroht, sondern bereichert. Um Chancengleichheit zwischen allen Menschen, die in unseren Ländern leben, zu schaffen, braucht es eine Integrationspolitik, die die Bedürfnisse und Anliegen der aus dem Ausland stammenden Menschen und ihrer Familien mit einbezieht und ihre sozialen Rechte garantiert. Integration verlangt auch Teilhabe an demokratischen Rechten. Auf dieser Basis sollte es möglich sein, eine Kultur der Gastfreundschaft und ein offenes Europa zu entwickeln, das für alle Beteiligten zur Bereicherung werden kann. (145)

- „Es ist wichtiges Anliegen der Kirchen, Schritte zur Überwindung von Hass, zu Verständigung und Versöhnung zwischen einzelnen Menschen und Gruppen, aber auch über Ländergrenzen hinweg zu setzen. (148)

- Die Kirchen nehmen auf vielfältige Weise eine Brückenfunktion zwischen unterschiedlichen Gruppen und Kulturen wahr. Dies betrifft alle Menschen, die dieses Europa bevölkern, dazu gehören auch alle Einwanderer. (151)

- Die Kirchen sind überzeugt von der gleichen Würde aller Menschen und treten in ihrer Verkündigung und in ihren Werken gegen Rassismus und gegen jede Diskriminierung von Minderheiten ein. (153)

- Die Kirchen erkennen den Reichtum unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Sie wollen sich den zunehmenden Herausforderungen stellen und ihren Beitrag zur Integration und einem friedlichen Zusammenleben in der Gesellschaft leisten. (84)

Der Text des Sozialworts kann hier abgerufen werden:
http://www.ka-wien.at/sozialwort/sozialwort_inhalt.php