Mittwoch 22. November 2017

Traude Novy

17. Jun 2016

Pfarrgemeinden – Zentren des sozialen Zusammenhalts

von Traude Novy am 17. Juni 2016, 01:15 Uhr

Es ist die Frage, ob wir Veränderungen passiv erleiden und als Verzicht und Verlust empfinden, oder ob wir aktiv diesen Wandel mitgestalten. Da können wir Christinnen und Christen viel tun. Überlassen wir die Meinungsführerschaft nicht jenen, die Spaltung, Angst und Hass predigen, sondern treten wir laut für unsere Werte der Solidarität und des Teilens ein. 

Vor einigen Tagen trafen sich Menschen aus Pfarren unserer Diözese, die sich der Initiative „Pfarrgemeinde FairWandeln“ angeschlossen haben. Engagierte  aus Wien Stadt und den Landvikariaten tauschten sich über die Aktivitäten aus, die sie im Bereich Soziales-, Ökologisches und Fair wirtschaften bereits durchführen oder für die nächste Zeit planen.

 

Dieser Austausch erfüllte mich mit Hoffnung und Zuversicht. Denn im Unterschied zu den Berichten in den verschiedensten Medien und den Gesprächen zur politischen Lage war da nichts von Angst und Niedergeschlagenheit zu spüren. Es wurde über Aktivitäten mit Flüchtlingen – vom gemeinsamen Schwimmen bis zu gemeinsamen Festen berichtet.

 

Da werden WhatsApp Gruppen eingerichtet, die auf schnellstem Wege Wohnungen und Alltags-Bedarf für Flüchtlinge organisieren. Aber auf vielen anderen Gebieten und in Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen entsteht Neues und Verbindendes. All diese Aktivitäten können auf den reichen Schatz an Erfahrungen aufbauen, den es in unseren Pfarrgemeinden zu heben gilt.


Nicht dass diese Menschen blind wären gegenüber den Problemen, die auf uns alle zukommen, aber sie haben sich entschlossen, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um sich den Herausforderungen, die es im Bereich des Sozialen, im Bereich Umwelt und im Wirtschaftsbereich gibt, zu stellen. Hier hörten wir nichts von dem ewigen Gejammer „man kann ja eh nichts tun“, diese Menschen tun, nachdem sie erkannt haben, was nottut.

 

Natürlich hängt es nicht nur von uns ab, wie sich die Welt in Zukunft entwickelt – aber es kommt auch auf uns an. Und wenn all jene, die der „man kann ja eh nichts gegen das Elend der Welt tun“ nur in ihrem Bereich das täten, wozu sie fähig wären – unsere Welt schaute anders aus.


Ja, und noch etwas ist mir aufgefallen – all diese engagierten Menschen zeigen nicht eine Spur von Resignation und Unzufriedenheit, denn sie erleben in ihrem Engagement viele gute Begegnungen und positive Erfahrungen.


Ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, eine schwierige Situation naiv schönreden zu wollen, aber wir sind alle vor die Aufgabe gestellt, damit fertig zu werden, dass sich unsere Lebenswelt jetzt und auch in Zukunft massiv verändern wird. Egal was wir tun, es wird nie mehr so wie früher, als wir auf unserer Insel der Seligen, wie das Papst Paul VI. nannte, so tun konnten, als ginge uns der Rest der Welt nichts an.

 

Die Globalisierung ist bei den Menschen in den Ländern des globalen Südens über Jahrzehnte nur in Form von Ausbeutung ihrer Bodenschätze und als Billigstproduzierende für unsere Textilien und landwirtschaftlichen Produkte angekommen. Kriege, der Klimawandel und menschenunwürdige Lebensbedingungen zwingen viele nun, sich auf den Weg zu machen und in Europa eine bessere Zukunft zu suchen. Langfristig fordert das von uns eine Veränderung unseres Lebensstils und unseres sozialen und politischen Engagements.

 

Es ist nur die Frage, ob wir Veränderungen passiv erleiden und als Verzicht und Verlust empfinden, oder ob wir aktiv diesen Wandel mitgestalten. Da können wir Christinnen und Christen viel tun. Das Wort „teilen“ sollte nicht nur beim Spenden sammeln der Katholischen Frauenbewegung präsent sein, sondern uns dazu motivieren, den Slogan „Teilen macht mehr draus“ in die Tat umzusetzen. Denn vom Teilen ist es nicht sehr weit zum Umverteilen und das ist es, was wir weltweit dringend brauchen.

 

Umverteilen zwischen Reichen und Armen, zwischen Frauen und Männern zwischen denen die zuviel und denen die keine bezahlte Arbeit haben. Deshalb sollten wir Christinnen und Christen auf eine Vorreiterrolle spielen, wenn es darum geht, durch Vermögensbesteuerung den enormen Reichtum, der sich auch in unserem Land angesammelt hat, in die soziale Pflicht zu nehmen. (zur Präzisierung – auch in Österreich besitzt 1 % der Bevölkerung so viel wie 90% aller Bürgerinnen und Bürger).

 

Das Steuersystem ist überhaupt ein Hebel, der sowohl im Umweltbereich, als auch im Wirtschaftsbereich zukunftsweisende Weichenstellungen ermöglicht. Wir sollten uns mehr dafür interessieren und uns nicht von interessengeleiteten Lobbys Sand in die Augen streuen lassen.

 

Wir Christinnen und Christen kämpfen schon seit Jahren gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen für die Einhaltung des freien Sonntags. Von da ist es nicht mehr weit, um auch gemeinsam für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung einzutreten, die jenen die Arbeit haben, Zeit für andere wichtige Dinge schenkt und jenen, die erwerbsarbeitslos sind, die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht.


Das sind nur einige Themen, mit denen wir als Christinnen und Christen beschäftigen sollten, wenn wir dabei sein wollen, unsere Lebenswelt zukunftsfähig zu gestalten. Dann werden auch die Aufgabe meistern, viele Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, aufzunehmen und dennoch eine soziale und offene Gesellschaft bleiben.

 

Überlassen wir die Meinungsführerschaft nicht jenen, die Spaltung, Angst und Hass predigen, sondern treten wir laut für unsere Werte der Solidarität und des Teilens ein.
 

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