Traude Novy

27. Nov 2015

Wer spricht im Namen der Kirche?

von Traude Novy am 27. November 2015, 00:35 Uhr

Eine Diskussionssendung im Servus TV in der vergangenen Woche hat mir ein deja vu Erlebnis beschert. Als ich als Funktionärin der Katholischen Frauenbewegung die diversen UNO-Konferenzen beobachtete, musste ich feststellen, dass es eine unheilige Allianz zwischen den im Frauen-Kirchen-Kabarett so benannten vatikanischen Ayatollahs und den muslimischen „Würdenträgern“ gab, wenn es um die Verhinderung von Beschlüssen zum Thema Frauengesundheit reproduktiver Rechte ging.

Nun saß Bischof Laun zum Thema islamischer Terror in einem „Talk im Hangar 7“ und griff eine junge Muslimin frontal an, weil sie sich weigerte, Mohammed einen Verbrecher zu nennen. Damit nicht genug, denunzierte er auch noch die westliche Welt, weil sie seiner Meinung nach dem Holocaust der Abtreibung tatenlos zusah. Er verdammte den Koran als gewalttätiges Machwerk und kritisierte ganz nebenbei den um sich greifenden „Genderwahnsinn“.

Werner Schneyder, der sichtlich viele der Aussagen Launs nicht goutierte, stimmte diesem allerdings in Bezug auf die Gefährlichkeit des Islam zu, da er sich einen Ausschluss des IS aus der muslimischen Glaubensgemeinschaft wünschte. Es haben sich zwar weltweit Muslime deutlich vom Terrorismus distanziert, aber nicht in der Art, wie Werner Schneyder es sich vorstellte, nämlich als Erklärung der islamischen Leitung. Er weiß sichtlich nicht, dass der Islam nicht ein Kirchengebäude wie die Katholische Kirche ist, mit Papst und Bischöfen und einem einheitlichen Lehramt, sondern sich jede Gruppierung als islamisch bezeichnen kann, wenn sie sich auf den Koran beruft. Damit tun sich aufgeklärte Muslime schwer und sie sind auch gefordert, sich deutlich von fundamentalistischen Gruppen in Bezug auf Auslegung des Islam zu distanzieren und nicht unter dem Mäntelchen des Islam die unterschiedlichsten Gottes- und Menschenbilder zu vereinen.

Wir Christinnen und Christen haben es da einfacher – wir haben das Lehramt des Papstes und der Bischöfe der Ortskirchen. Wen der Papst aus der katholischen Kirche ausschließt – der ist nun mal bis auf weiteres ausgeschlossen. Aber wie geht die katholische Kirche mit diesem Lehramt um? Ist es nicht ähnlich wie im Islam? Denn wieso kann ein Bischof der Katholischen Kirche in den Medien Meinungen vertreten, die gegen die Lehre des 2. Vatikanischen Konzils verstoßen, wie Bischof Laun es mit seiner undifferenzierten Beschuldigung Mohammeds und des Koran tat? Wieso kann er unwidersprochen das für alle schmerzhafte Thema Abtreibung mit dem gezielten Massenmord des Holocaust vergleichen? Wieso kann er den Versuch Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern auf allen Ebenen durchzusetzen, als „Genderwahnsinn“ bezeichnen? Ich habe bis dato keine Distanzierung maßgeblicher kirchlicher Stellen zu diesem öffentlichen Auftritt eines Bischofs der katholischen Kirche gehört. Ich höre auch kaum Äußerungen dazu, dass von manchen kirchlichen Gruppierungen die Bibel genauso ausgelegt wird, wie der Koran von fundamentalistischen Muslimen, nämlich wörtlich, auch gewalttätig und nicht im historischen Zusammenhang.

Das kirchliche Lehramt soll sich nicht in Kleinigkeiten des Lebensvollzuges ausrichten, sondern Kompass für ein gutes Leben aller Menschen sein. Die Äußerungen Bischof Launs – und nicht nur seine – stehen dem diametral entgegen. Ich warte auf eine Richtigstellung dazu - zumindest von der österreichischen Bischofskonferenz.

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