Traude Novy

15. Apr 2014

Der öffentlich-rechtliche Beitrag zur Karwoche

von Traude Novy am 15. April 2014, 19:29 Uhr

Zum Beginn der Karwoche rückte der ORF am Palmsonntag den Papst ins Zentrum. „Mischt Franziskus die Kirche auf?“ war die medienwirksame Frage. Auch wenn mein Bedarf an Kirchen-internen Auseinandersetzungen mittlerweile gleich null ist, das versprach doch interessant zu werden.

 

Aber das Kirchenbild, das da großteils von den Teilnehmenden an der Diskussion vermittelt wurde, widersprach dem, was ich als wesentliches Merkmal einer Chance zu einem grundsätzlichen Wandel in der Katholischen Kirche sehe. Denn seit der neue Papst mit einem lockeren „Bona Sera“ sich als neuer Bischof von Rom vorstellte, sind nicht nur die Fenster des Vatikans weit aufgegangen - es ist ein grundlegend anderes Amtsverständnis, das dieser Papst vermittelt.

Der Bischof von Rom als kollegialer Leiter der Kirche ist nicht mehr derjenige, dem man in den Ortskirchen alles, was an Schwerfälligkeit und Beharrungsvermögen in unseren Kirchen sichtbar ist, in die Schuhe schieben kann.

 

Nicht Franziskus mischt die Kirche auf – das wäre eine heillose Überforderung, sondern sein unkonventionelles Amtsverständnis ermöglicht es den Ortskirchen, die Kirche in Bewegung zu bringen. Der fokussierende Blick auf diesen Papst, den die Gesprächsrunde am Palmsonntag vermittelte, verhindert das Wahrnehmen von Freiräumen, die Bischöfen, Pfarrgemeinden und kirchlichen Bewegungen derzeit eröffnet werden. Das Zeitfenster kann sich sehr bald wieder schließen, wenn da nicht von der Basis mutig die Gelegenheit beim Schopf gepackt wird.

 

Die Diskussion am Palmsonntag hat dazu allerdings wenig beigetragen. Der Generalsekretär der Bischofskonferenz erging sich in Lobhudeleien des Papstes, wurde aber nicht gefragt, welche Auswirkungen der neue Stil in Rom auf das Verhalten der österreichischen Bischöfe haben wird.

 

Die Option für die Armen und Kritik am herrschenden Wirtschaftssystem kann nicht an die Caritas abgegeben werden, sondern ist zentrales Thema der Kirche– wenn wir den Papst ernst nehmen, das betonte auch Caritas Chef Landau. Bei uns schreiben allerdings Ex-Äbte lieber Bücher, wie man auf anständige Weise reich werden kann.

 

Eine Journalistin, die wie in Sowjetzeiten die Kreml-Astrologen, Insiderwissen über Verhaltensauffälligkeiten von Kardinälen im Vatikan breit trat, fühlte sich berufen, als Fachfrau für Fragen der Weltkirche aufzutreten.

 

Irritiert hat mich allerdings vor allem das Auftreten der Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung. Ich kenne sie doch ein wenig und weiß um ihr Engagement für Frauenanliegen in Kirche und Gesellschaft. Aber die Schere im Kopf dürfte auch bei den kirchlichen Frauen angekommen sein, denn statt klipp und klar zu sagen, wie es vor 20 Jahren in der kfb üblich war: „Wir stehen für volle Gleichberechtigung von Frauen in Kirche und Gesellschaft und das schließt auch den gleichen Zugang zu Ämtern mit ein“, wand sie sich mit kirchlichen Floskeln um klare Äußerungen herum.

 

Es ist schon klar, dass Frauen das Priesteramt, so wie es derzeit verfasst ist, nicht wirklich anstreben, aber die Veränderung der kirchlichen Strukturen ist ein anderes Kapitel und die geht nur von Innen. Frauen wurde noch nie etwas geschenkt – sie haben sich alles erkämpfen müssen und dabei kann man nicht everybodys Darling sein.

 

Es kam auch nicht zur Sprache, dass es weltweit die Frauen sind, die die Kirche tragen und dass die weltkirchliche Erfahrung, die die kfb und deren Vorsitzende im Rahmen ihres entwicklungspolitischen Engagements haben, sie befähigt sich auch zu Fragen der Weltkirche zu äußern. Das ist schade.

 

Michael Fleischhacker war in dieser Runde dann ein wenig verloren, denn da niemand ganz klar Position bezog, konnte er seine große Stärke des „von Oben herab“ gegen alles sein, kaum ausspielen.

 

Blieb noch Pater Udo Fischer – authentisch, bodenständig und die Dinge beim Namen nennend – am wenigsten klerikal von allen. Da könnte sich eine spannende Allianz von wachen Priestern mit den Frauen in der Kirche herausbilden.

 

Mein Resümee dieser spätabendlichen Aneinanderreihung von Monologen, die durch Peter Pelinkas Wortspenden als Moderator auch nicht spannender wurden – wir Katholiken und Katholikinnen sollten die Chance nutzen, dass der Bischof von Rom Räume öffnet. Kirche verändert sich nur durch gelebte Praxis – also tun wir, was wir für richtig halten und nehmen wir die Bischöfe in die Pflicht, diese Praxis wahrzunehmen und ins weltkirchliche Gespräch einzubringen, denn der Bischof von Rom kann nun nicht mehr als Ausrede für Schweigen und Stillstand herhalten.

 

Das sind jetzt also doch noch österliche Gedanken für eine österliche Kirche geworden!

 

Traude Novy  

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