Traude Novy

11. Mär 2014

Über mich

von Traude Novy am 11. März 2014, 23:44 Uhr

Ich habe 1962 geheiratet und war bald die Mutter von drei Kindern, als die Ereignisse des Jahres 1968 mein Weltbild ins Wanken brachten.

Ich habe 1962 geheiratet und war bald die Mutter von drei Kindern, als die Ereignisse des Jahres 1968 mein Weltbild ins Wanken brachten. Ich begann nun meine bäuerlich geprägte christlich soziale Herkunft kritisch zu reflektieren. Geholfen hat mir dabei die Entdeckung der Literatur der Zwischenkriegszeit. Kurt Tucholsky wurde mein Lehrmeister und seine „Briefe an eine Katholikin“ ließen mich auch die Katholische Kirche kritisch betrachten. Aber, …. da war ja doch das Konzil mit seiner Öffnung zur Welt. Christlich und marxistisch geprägte Menschen entdeckten Ähnlichkeiten in ihren Weltbildern und wurden zwar als „Herz Jesu Marxisten“ diffamiert, aber die ideologische Enge war damit durchbrochen. Die Ökumene und die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens rückten ins Blickfeld. Und aus Lateinamerika schwappte in den 70er Jahren die Welle der Befreiungstheologie nach Europa. Das kleine Land Nicaragua befreite sich von einer mörderischen Gewaltherrschaft und machte Mut, sich den Mächtigen zu widersetzen.

 

Die antiautoritäre Erziehung am Lehrbeispiel Summerhill ließ mich mein überkommenes Familienbild hinterfragen - ja, und da begann sich auch unter den Frauen was zu bewegen – die Neue Frauenbewegung formierte sich.

 

Der traditionelle Boden unter den Füßen wurde mir weggezogen: Kirche, Küche, Kinder als Lebensmittelpunkt genügten längst nicht mehr und ich suchte nach Halt. Alles über Bord zu werfen, lag mir nicht, ich wollte Klarheit – vor allem auch was die Religion betraf. Die theologischen Kurse am Stephansplatz wurden damals für mich ein Ort der Befreiung.

 

Dennoch hätte ich in den 80er Jahren der Kirche beinahe den Rücken gekehrt – die konkrete Pfarrgemeinde erschien mir doch zu eng und der engstirnige Umgang mit der friedensbewegten und entwicklungspolitisch engagierten Jugend dort empörte mich. Als Rettungsanker erwies sich da die Katholische Frauenbewegung, deren Vorsitzende damals Reden auf den großen Friedensdemos der 80er Jahre hielt und die auch von der neuen Frauenbewegung inspiriert war.

 

Die Befreiungstheologie erweiterte sich für mich zur feministischen Theologie. Ich verschlang die Bücher der damals wichtigen Autorinnen. Vor allem aber begegnete ich in der Katholischen Frauenbewegung den jungen österreichischen feministischen Theologinnen und war begeistert von deren Wissen, ihrer Spiritualität und ihrer praktischen Tüchtigkeit. Sie organisierten österreichische Frauensynoden in Wels und in Alpbach und eine europäische Synode in Gmunden.

 

Die Katholische Frauenbewegung wurde meine spirituelle Heimat. Als entwicklungspolitisch engagierte Frau, konnte ich bei Projekt-Reisen Frauen in Indien, Mexico und auf den Philippinen kennenlernen und wurde dadurch in meiner politischen Überzeugung, dass der Platz von uns Christinnen an der Seite der Benachteiligten ist, gestärkt. Empowerment von uns Frauen wurde zum Zentrum meines Engagements.

 

Als Funktionärin der Katholischen Frauenbewegung durchlebte ich den kirchenpolitischen Backlash der 90er Jahre mit Groer, Krenn und Co. voll. Hätten wir damals nicht das Wiener Frauen-Kirchen-Kabarett gegründet, in dem wir kfb-Frauen manch Belastendes der Lächerlichkeit preisgeben konnten, wäre ich sicher nicht ohne Schaden davon gekommen. Aber auch so ging ich auf Distanz zur Kirchenleitung und fand viele Aufgaben außerhalb kirchlicher Räume.

 

Und da geschah es, dass ein neu gewählter Papst den Balkon betrat und der wartenden Menge schlicht einen guten Abend wünschte. Das war ein neuer Ton und eine neue Sprache – und Sprache schafft Bewusstsein. Ich sah unverhofft Licht am Ende des kirchlichen Tunnels.

 

Ja, und dann erreicht mich ein Dossier der Katholischen Sozialakademie mit dem Titel „Den Wandel gestalten“ und gleich darauf die Einladung am Prozess Sozialwort 10+ mitzuwirken. Das erschien mir wie ein prophetisches Zeichen, denn es gehörte für mich zu den großen Enttäuschungen, dass das Sozialwort der Kirchen und auch das Frauensozialwort in den Gemeinden und auch in der Frauenbewegung so wenig Echo fanden – waren das doch durch und durch prophetische Schriften und Anleitungen zum Handeln, herausgegeben von allen christlichen Kirchen.Aber der Zeitgeist wehte damals sichtlich wo anders – die Börsenkrachs und Krisen waren zwar am Horizont schon sichtbar aber noch nicht spürbar.

 

Dass zehn Jahre danach die christlichen Kirchen noch einmal einen Anlauf wagen, das Sozialwort zur Sprache zu bringen und an der Gegenwart zu messen – das ist für mich ein weiteres Hoffnungszeichen.

 

Mehr dazu nächstes mal.

 

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